Prozessauftakt: Wirt muss sich für Mord verantworten

Tatort Heusteigviertel, Falbenhennenstraße: Hier wurde ein 52-jähriger Gastwirt im März 2010 am helllichten Tag erschossen
dpaStuttgart - Rechts im Gerichtssaal sitzen die Angehörigen des Opfers, links die des mutmaßlichen Täters. Am Donnerstag hat der Prozess gegen den 45-jährigen Maxhun Z. begonnen. Der Mann soll seinen ehemaligen Chef im März dieses Jahres im Heusteigviertel heimtückisch ermordet haben.
Der Prozessauftakt vor der 1.Schwurgerichtskammer des Landgerichts Stuttgart dauert lediglich eine Viertelstunde. Nachdem die Vorsitzende Richterin Regina Rieker-Müller die Personalien des Angeklagten abgefragt und Oberstaatsanwalt Bernd Wendler die Anklage verlesen hat, ist die Hauptverhandlung aus organisatorischen Gründen auch schon wieder vorbei. Sie wird am 29. September fortgesetzt.
Der Ankläger skizziert kurz die Bluttat, die den Anwohnern der Falbenhennenstraße im Stuttgarter Süden immer noch kalte Schauer über den Rücken jagt. Ein Mord mitten in Stuttgart, am helllichten Tag, auf offener Straße, mit einer Pistole.
Am Mittag des 15. März dieses Jahres soll der Angeklagte den 52-jährigen Betreiber zweier italienischer Restaurants in einem der Lokale an der Bolzstraße abgeholt haben. Der italienische Gastwirt und der Deutschkosovare fuhren in eine Wohnung an der Falbenhennenstraße. Es sei zum Streit gekommen, so der Oberstaatsanwalt. Der 52-jährige Gastronom soll den Angeklagten wüst beschimpft und beleidigt haben. Von der Pistole der Marke Luger, die Maxhun Z. im Hosenbund stecken hatte, konnte der 52-Jährige nichts wissen.
Gegen 12.45 Uhr, nach weiteren Beschimpfungen, soll der 45-Jährige die Waffe gezogen und mitten auf der Straße auf den Wirt geschossen haben. Die erste Kugel traf das Opfer in den Oberschenkel. Als der Mann flüchten wollte, habe ihm Maxhun Z. in den Rücken und in den Nacken geschossen, so der Ankläger. Der Gastronom sank tödlich getroffen zu Boden.
Doch Maxhun Z. ließ nicht von dem 52-Jährigen ab. Der Anklage zufolge schoss er weiter aus der illegal erworbenen Neunmillimeterpistole auf seinen am Boden liegenden Ex-Chef - zehnmal.
Die sofort eingeleitete Fahndung nach dem Todesschützen wurde schnell wieder eingestellt. Denn Maxhun Z. setzte sich nach der Tat in seinen Mini und fuhr geradewegs zum Innenstadtrevier an der Hauptstätter Straße, wo er den Polizisten die Pistole auf den Tresen legte. "Ich habe jemanden umgebracht", soll der 45-Jährige gesagt haben. Nachdem er dem Haftrichter vorgeführt worden war, wurde er ins Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg gebracht.
Jetzt sitzt der mutmaßliche Mörder auf der Anklagebank. Erst am nächsten Prozesstag wird er Auskunft über sein Leben und über die ihm vorgeworfene Tat geben.
Bisher ist nur wenig über den Hintergrund des unfassbaren Geschehens bekannt. Maxhun Z., gelernter Elektrotechniker aus dem Kosovo mit deutschem Pass, hatte sieben Jahre für das Opfer gearbeitet. Erst als Kellner, später als Geschäftsführer eines der beiden italienischen Lokale. Der Angeklagte habe sich schon länger vom Opfer ausgenutzt, unterdrückt und ungerecht behandelt gefühlt, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.
Zudem hatte Maxhun Z. offenbar vor, an der Lautenschlagerstraße ein eigenes Lokal zu eröffnen - ganz in der Nähe eines der Restaurants seines Ex-Chefs. Weiter heißt es in der Anklage, im Lokal des Italieners habe ein Klavier gestanden, das dem Angeklagten gehörte. Maxhun Z. habe dieses Klavier zurückgefordert, um es in seinem neuen Club aufzustellen.
Ob dies die einzigen Gründe sind, ist bisher unklar. Auch die Staatsanwaltschaft hält sich bedeckt. "Eine große persönliche Enttäuschung" stehe hinter der Tat, heißt es. Was sich genau dahinter verbirgt, wird der Prozess zeigen. Auch über den Mann, der den beliebten und bekannten Gastwirt getötet haben soll, weiß man bis dato fast nichts. Der 45-Jährige ist laut eigener Aussage geschieden. Er ist nicht vorbestraft. Bei seinen Nachbarn hatte er sich als Italiener vorgestellt.
Warum sind die beiden Männer überhaupt gemeinsam ins Heusteigviertel gefahren, wenn sie derart zerstritten waren? Was hatte es mit der Wohnung dort auf sich? Schließlich wohnte Maxhun Z. im Stuttgarter Osten. Und warum nahm der Angeklagte eine Schusswaffe mit?
Der Prozess mit insgesamt zehn Verhandlungstagen ist bis 4. November terminiert. Er wird am 29. September fortgesetzt. Als Nebenkläger treten die beiden Kinder des Opfers und sein Bruder auf. Die Kinder werden allerdings erst einmal nicht am Prozess teilnehmen.