Plenum vergeben, Ratskeller noch offen: Marcel Benz wird neuer Wirt des Landtags

Marcel Benz
bcStuttgart - Sein Großvater hat vor über 70 Jahren das Hotel-Restaurant Schwanen in Köngen (Kreis Esslingen) eröffnet, das in der dritten Generation zum Fortführen der Tradition auch neue Geschäftsfelder wie Pop-up-Dining und Catering mit eigener, ausgelagerter Produktionsküche erschließt. Jetzt kommt ein fester Standort dazu, der sich erstmals für das Unternehmen in Stuttgart befindet. Der 37-jährige Marcel Benz hat in der zweiten Runde den Zuschlag für das ebenfalls traditionelle Restaurant Plenum im Erdgeschoss des Landtags bekommen, der noch bis Mai umgebaut wird.
Eigentlich wollte Holger Looß von der Empore (Markthalle) nach der Sanierung des Parlamentsgebäudes mit einer „schwäbischen, ehrlichen Küche“ starten. Unter elf Mitbewerbern hatte sich die Familie Looß bereits im April 2015 im Landtagspräsidium einstimmig durchgesetzt. Eberhard Aspacher, der das Plenum bis zur Schließung im Sommer 2013 geführt hatte, war nicht noch einmal angetreten. Aspachers langjähriger Gastro-Partner Peter Böhm, der einstige Chef des Stuttgarter Lebensmittel-Imperiums Feinkost Böhm, war 2011 bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen.
Inzwischen hat sich Looß „aus persönlichen Gründen“ aus dem Plenum zurückgezogen. Er will sich weiterhin auf die Markthalle konzentrieren. Gesundheitsbedingt müsse sein Vater dort kürzertreten.
Eröffnung für Mai geplant
Nach dieser Absage kommt Marcel Benz, der im ersten Durchgang auf dem zweiten Platz lag, nun ans Ziel. Er will in ein neues Ambiente für das Plenum investieren und nach der Eröffnung mit regionalen Produkten punkten. „Wir wollen ein kulinarisches Schaufenster des Landes sein“, sagt Benz-Marketingchef Sascha Kögel. Besonders freut er sich auf die Sommerterrasse, die für ihn eine der schönsten Gartenwirtschaften der Stadt ist. Die Vielfalt des gastranomischen Angebots ist für die Wirte aus Köngen reizvoll. Mittagstisch, Menü für hohe Gäste des Landtags, Sektausschank für Besucher der nahe gelegenen Oper – für alle will das Plenum künftig da sein,
Während sich für den Landtag nach der Sanierung rasch eine gastronomische Lösung ergeben wird, bleibt der Ratskeller im Rathaus das Sorgenkind. Im März hört dort die langjährige Pächterin Birgit Grupp auf. Die Stadt als Besitzerin habe zu viel Geld von ihr verlangt, um weitermachen zu können. Nicht nur die Pacht sei sehr hoch, auch die Brandschutz-Sanierung hätte das Unternehmen überfordert.
Erst wurde die Pacht ausgeschrieben – auch an eine gastronomische Außenstelle auf dem Marktplatz war gedacht. Etliche Gastronomen hatten sich beworben. Doch nach der Sommerpause, heißt es im Rathaus, habe man erkannt, wie hoch die Kosten für die Maßnahmen zur Verbesserung des Brandschutzes sein würden: etwa fünf Millionen Euro. Deshalb hat man die Ausschreibung erst einmal zurückgezogen, um sich über die Sanierung klarzuwerden.
Wer soll die Millionen übernehmen? Die Stadt als Vermieterin? Oder die neuen Pächter? Die Fraktionen im Gemeinderat wollen nicht, dass die Stadt die hohe Summe aufbringt. Aber auch etliche Interessenten sind abgesprungen, weil sich das Geschäft für sie nicht rentieren würde, müssten sie erst derartig hohe Beiträge selbst bezahlen.
So macht die Stadt den Eindruck, ratlos bei ihrer gastronomischen Einrichtung zu sein, während das Land im Mai mit den neuen Wirten – und mit welchem Ministerpräsidenten auch immer – durchstarten kann.