Plastische Chirurgie
: „Die Bezeichnung Nasenpapst mag ich nicht besonders“

Er gilt als einer der besten Nasenchirurgen. 14 Jahre lang leitete Wolfgang Gubisch (65) die Klinik für Plastische Gesichtschirurgie am Stuttgarter Marienhospital. Zum 1. April gibt er die Führung ab. Ein Gespräch über Schönheitsideale und Gubischs Pläne für die Zukunft.
Von
Bettina Hartmann
Stuttgart
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Wolfgang Gubisch in seinem Büro im Marienhospital

Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart. - Herr Gubisch, im Dezember sind Sie 65 geworden, Ende März geben Sie die Leitung der Klinik für Plastische Gesichtschirurgie ab. Legen Sie nun die Beine hoch und werden Rentner?

Mich zur Ruhe zu setzen und fortan auf Gartenarbeit zu konzentrieren – das kann ich mir auch nach 40 Jahren am Marienhospital­ nicht vorstellen. Noch nicht zumindest. Ich werde somit weiter operieren. Allerdings­ ­ mit reduziertem Pensum. Ich möchte künftig nur noch drei Tage die Woche arbeiten.

Hätten Sie keine Lust gehabt, nun an eine Privatklinik zu wechseln? Dort würden Sie doch sicher mehr verdienen.

An Angeboten mangelt es nicht. Und ja, dort würde ich sicher mehr verdienen. Aber ich bleibe lieber am Marienhospital. Hier habe ich mit der Klinik für Plastische Gesichtschirurgie ein einzigartiges Zentrum aufgebaut.

Da wollen Sie Ihr „Baby“ weiter betreuen. Fällt es schwer, die Verantwortung abzugeben?

Überhaupt nicht. Ich gebe mein Amt an meinen langjährigen Oberarzt Sebastian Haack ab. Mein Nachfolger hat mein volles Vertrauen und meine volle Unterstützung. Beim Operieren braucht er das aber ohnehin nicht, das kann er auch ohne mich. Da ich ein gutes Netzwerk habe und auch mein Wissen weiterhin weitergeben kann, profitieren alle­ davon, dass ich noch eine Weile bleibe.

Es ist bereits Abend. Draußen wartet noch ein Patient. Die Arbeit geht für Sie also auch nach unserem Gespräch weiter. Wie viele Stunden hat Ihr Arbeitstag im Normalfall?

Es werden oft 15, 16 Stunden. Doch das ist nicht nur bei mir so, auch mein Team hat ­lange Arbeitszeiten.

So etwas hält man aber nur durch, wenn man mit Leidenschaft dabei ist.

Stimmt. Ich kann zum Glück sagen, dass ich mein Feld gefunden habe. Ich merke gar nicht, wie lange ich arbeite.

Plastischer Chirurg ist also Ihr Traumjob.

Ja. Obwohl ich anfangs eigentlich Hausarzt werden wollte. Ich hätte mir eine Praxis auf dem Land gut vorstellen können. Doch dann habe ich schnell gemerkt, dass ich ein anderes Talent habe . . .

. . . und Sie haben sich auf Nasen spezialisiert. Heute gelten Sie als der Nasenpapst.

Die Bezeichnung mag ich ehrlich gesagt nicht besonders. Ich bin einfach ein Experte.

Was ist für Sie die perfekte Nase?

Die gibt es nicht. Die Nase hat zunächst eine praktische Funktion: Man sollte gut Luft bekommen und damit riechen können. Dann kommt die Ästhetik ins Spiel: Die Nase muss immer zum Gesicht passen. Sie spielt für unser Aussehen eine entscheidende Rolle. Denn sie ist das bestimmende Merkmal im Gesicht und wird stets auch mit der Persönlichkeit eines Menschen verbunden. Wenn jemand zu mir kommt und sagt: Ich hätte gern die Nase von Brad Pitt, dann frage ich: Warum denn das? Sie sehen doch auch sonst nicht aus wie der Hollywood-Star. Anders gesagt: Ich würde so eine OP nie angehen.

Sie schicken potenzielle Patienten weg?

Ich lehne immer wieder Operationen ab, weil es meiner Meinung nach keinen Grund für einen Eingriff gibt. Kürzlich war eine Dame aus den USA sehr wütend­ auf mich, weil ich sie trotz der langen Anreise wieder nach Hause geschickt habe.

Haben Sie grundsätzlich Verständnis dafür, dass manche Menschen ihr Aussehen verändern lassen möchten?

Sicher, und nur dann operiere ich. Ich habe so viele Patienten, die nach der OP extrem dankbar und glücklich sind, die sagen: „Sie haben­ mein Leben verändert!“

Würden Sie auch an sich selbst etwas verändern lassen?

Wenn ich mit etwas unzufrieden wäre: ja.

Aber es gibt immer ein Risiko. Wie viele Schönheitsoperationen gehen schief?

Die Plastische Chirurgie hat ja auf Schwäbisch gesagt immer noch ein G’schmäckle. Denn es gibt viele unseriöse Angebote. Es sterben auch immer noch Menschen, etwa bei Fettabsaugungen. Doch die OPs sind generell sicherer geworden. Ob eine OP dann doch missglückt ist, hängt davon ab, was man darunter versteht. Zum einen kann die technische Durchführung falsch gewesen sein. Es kann aber auch sein, dass der Patient einfach falsche Erwartungen hatte.

In beiden Fällen landet er dann oft bei Ihnen.

In Deutschland ist die Bezeichnung „Schönheitschirurg“ nicht geschützt. Diese OPs sind technisch sehr anspruchsvoll. Es handelt sich um Hochleistungschirurgie. Doch jeder zugelassene Arzt darf kosmetische Eingriffe durchführen. Auch wenn er gar nicht das Fachwissen und die Erfahrung hat. Das führt dazu, dass ich bei 50 Prozent meiner Patienten Nasenrekonstruktionen mache, sprich misslungene Eingriffe korrigiere.

Hat die Zahl der Schönheitsoperationen in Deutschland zugenommen?

Dazu gibt es keine konkreten Zahlen. Sicher ist, dass das Erscheinungsbild immer wichtiger geworden ist, auch bei Männern. Alle wollen jung und gut aussehen. Dennoch glaube ich nicht, dass die OPs extrem zugenommen haben. Auch deshalb nicht, weil man heute über die Risiken Bescheid weiß.

Wie finde ich eigentlich einen seriösen Schönheitschirurgen?

Bestimmt nicht übers Internet. Man sollte zu drei oder vier Ärzten gehen und fragen, wo die sich operieren lassen würden. Wenn der gleiche Name mehrmals fällt, kann das ein Anhaltspunkt sein.

Künftig werden Sie mehr Zeit zur Verfügung haben. Was werden Sie damit anfangen?

Mehr in der Welt herumreisen.

Mit Ihrer Frau?

Sie und die Kinder hatten tatsächlich über Jahre das Nachsehen. Ich möchte daher künftig mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Aber ich möchte auch auf Kongressen in aller Welt mein Wissen weitergeben.

Zur Person

Wolfgang Gubisch

1949 in Rottweil geboren.

Von 1968 bis 1974 Medizinstudium in Tübingen und Zürich.

1975 kam er ans Marienhospital. Zunächst als Assistenzarzt, später als Oberarzt in der Abteilung für Plastische Chirurgie.

Durch seine Leistungen und Vortragstätigkeit ist Gubisch weltweit bekannt.

1988 ernannte ihn die Klinikleitung zum Chefarzt. Seit 2001 leitet Gubisch, der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde ist, als Ärztlicher Direktor die Klinik für Plastische Gesichtschirurgie. Sein Amt gibt er zum 1. April an seinen langjährigen Oberarzt Sebastian Haack weiter. Zur Ruhe setzen wird sich Gubisch nicht, er wird lediglich sein Arbeitspensum reduzieren und als Senior Director weiter operieren.

Gubisch ist verheiratet und hat zwei erwachsene­ Söhne.

Jedes Jahr bietet Gubisch seine Nasenkurse­ an, bei denen ihm Fachpublikum per Videoübertragung bei OPs zuschauen kann. Aus Anlass seines 40-Jahr-Dienst­jubiläums wird die Veranstaltung dieses Jahr auf einen großen Kongress erweitert: Vom 17. bis zum 19. März informieren sich am Marienhospital­ 200 Nasenspezialisten aus aller Welt zum Thema. (ina)

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