Parkverbot beim Brezel-Race in Stuttgart: Autofahrerin steckt in Rotebühlstraße fest – Polizei macht keine Ausnahme

Bahn frei für die Radler – da hatten die Autofahrer an manchen Stellen das Nachsehen.
Lichtgut/Ferdinando IannoneFür die Amateure, die sich am Brezel Race beteiligt haben, ist es am Samstag und Sonntag eine Belastungsprobe gewesen. Für Autofahrende wurde die Veranstaltung mancherorts zu einer Geduldsprobe. Dann nämlich, wenn sie in einen eigentlich fürs Rennen abgesperrten Bereich gefahren sind und von dort plötzlich nicht mehr wegkamen. Wie erklärt die Stadt die Verkehrsregelung?
Am vergangenen Wochenende sind tausende Radlerinnen und Radler durch Stuttgart gerollt – so ungehindert wie sonst nie, denn etliche Straßenzüge waren für die Radrennen gesperrt. Doch am Sonntagnachmittag ging für eine Autofahrerin plötzlich nichts mehr. Sie stand an der Rotebühlstraße, musste zur Arbeit, und kam nicht weg – des Rennens wegen.
Flehentliches Bitten bei einer Polizeistreife in der Nähe half nichts. „Ich kam gegen 13 Uhr und wollte zum Feuerseefest“, sagt die 39-Jährige aus Birkach. Am Charlottenplatz fand sie Hinweise auf den Verkehrsleittafeln, dass Straßen gesperrt waren, in der Zeitung hatte sie auch davon gelesen. Also fuhr sie durch den Planietunnel und kam von der Schlossstraße her zum Feuersee, durch die Nebenstraßen. Zu ihrer Freude waren an der Rotebühlstraße Stellplätze frei, sie parkte, ging aufs Fest und hatte Spaß.
Damit war es aber vorbei, als sie gegen 15 Uhr von dort zu ihrem Dienstbeginn wegfahren wollte. Als sie ins Auto stieg, wies eine Dame sie auf die Polizei hin und meinte „Das klappt nicht.“ Die Birkacherin ging zu der Streife und bat, starten zu dürfen, damit sie pünktlich zum Sonntagsdienst käme. Doch die Beamten verwiesen auf die Sperrung durch die Stadt – die der Meinung der 39-Jährigen nach fehlerhaft sei – und ließen sie nicht durch. Sie habe noch den Hinweis bekommen, ein Taxi zur Arbeit zu nehmen. „Das hätte mir ja niemand bezahlt, und ich hätte dann ja nachts noch eines gebraucht, um mein Auto zu holen“, schimpft die 39-Jährige.
Stadt: Keine Fehler bei den Absperrungen
Die missliche Lage sei nicht auf falsche Absperrungen zurückzuführen, stellt eine Sprecherin der Stadt klar. Für beide Veranstaltungen, das Brezel Race und den Women’s Cycling Grand Prix habe sich die Stadt mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst zusammengesetzt und bereits im Januar begonnen, ein umfassendes Sicherheits- und Verkehrskonzept zu erarbeiten. Dabei wurde auch über die Absperrungen gesprochen. Es sei so geregelt gewesen, dass die Rennstrecke mitsamt der dorthin führenden Nebenstraßen etwa 40 Minuten vor der Durchfahrt des schnellsten Radfahrers gesperrt und nach dem offiziellen Schlussfahrzeug wieder freigegeben wurde.
Außerdem standen an Sperrpunkten und neuralgischen Kreuzungsbereichen Ordner und Polizeibeamte, teilt die Pressesprecherin mit. Entlang einiger Streckenabschnitte habe ein Halteverbot gegolten. Die Rotebühlstraße sei so lange offen gewesen (bis 13.45 Uhr), da dort nur das Profirennen der Frauen entlang führte, nicht das Brezel Race am Vormittag. Das deckt sich mit der Schilderung der Autofahrerin aus Birkach, die gegen 13 Uhr auf die Rotebühlstraße eingebogen war – ganz knapp vor der Sperrung. Sie sei auch nicht allein gewesen, es sei einer ganzen Reihe von Autofahrerinnen und -fahrern so ergangen.
Von fehlenden Absperrungen wisse man bei der Straßenverkehrsbehörde nichts, so die Pressesprecherin: „Alle Absperrungen wurden vor und während der Rennen durch die Straßenverkehrsbehörde und die Polizei kontrolliert. Gänzlich fehlende Absperrungen sind nicht festgestellt worden.“ Während der gesamten Veranstaltung habe ein Koordinierungskreis getagt. Diesem Gremium seien keine nennenswerte Probleme genannt worden. Eventuelle Kritikpunkte würden aber aufgearbeitet werden.
Hätte die Birkacherin übrigens auf den Polizisten gehört und ein Taxi genommen, von der Stadt hätte sie das nicht erstattet bekommen. „Da die Anliegerrechte im Genehmigungsprozess ausreichend gewürdigt wurden, eröffnen sich durch die Veranstaltung keine Schadensersatzansprüche gegen die Landeshauptstadt Stuttgart“, so die Sprecherin der Stadt.