Nepal-Kenner aus Stuttgart und Region
: Sturzflut in Nepal: „Wie die Katastrophe im Ahrtal – nur hoch fünf“

Bei Menschen aus Stuttgart, die die Region kennen und sich dort engagieren, sorgt die Katastrophe für Bestürzung. Vermutlich sind auch Deutsche unter den Opfern.
Von
Michael Bosch
Stuttgart
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Bhotekoshi Floods Damage Homes and Infrastructure in Nuwakot Nepal: Bhotekoshi Floods Damage Homes and Infrastructure in Nuwakot Nepal Kathmandu, Nepal - August 26, 2026: Flooding in the Bhotekoshi River has affected low-lying areas along the riverbanks and nearby residences in Nuwakot, Nepal. The flooding caused widespread damage to homes, roads, bridges, and other infrastructure in the area, while several people remain missing and the number of casualties is still being assessed. Photo by AP Tolang/Nexpher Images Nuwakot bagmati

Die Sturzflut walzte auf einer Länge von mehr als 160 Kilometern alles nieder. Die Zahl der Toten dürfte in die Tausende gehen.

IMAGO/AP Tolang
  • Sturzflut in Grenzregion Nepal/Tibet zerstörte Häuser, Brücken und Ortschaften.
  • Hunderte Tote, mindestens 1300 Vermisste – Zahlen könnten deutlich steigen.
  • Ursache laut Bericht: Gletscherkollaps in Tibet mit Dammbruch im Fluss Lhende.
  • Stuttgart: Engagierte mit Kontakten vor Ort berichten von massiven Zerstörungen.
  • Vereine melden Mitarbeiter unversehrt, sammeln Spenden für Hilfe und Wiederaufbau.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine gigantische braune Wand aus Wasser, Schlamm und Geröll hat am Mittwoch in der Grenzregion zwischen Nepal und Tibet Häuser mitgerissen, Brücken zerstört und ganze Ortschaften verschluckt. Das Ausmaß der Katastrophe lässt sich bislang nur erahnen, hunderte Menschen sind tot, die Zahl dürfte noch deutlich steigen. Mindestens 1300 Personen werden noch vermisst. Auch in Stuttgart und der Region haben die Bilder von der Katastrophe für Entsetzen gesorgt. Besonders bei denen, die sich in Nepal auskennen.

Der Stuttgart Arzt und Bergsteiger Matthias Baumann, der sich seit Jahren in der Region engagiert, dort auch Krankenhäuser gebaut hat, geht von 1500 bis 2000 Toten aus, „wenn wir Pech haben, noch mehr“. Er ist mit Bekannten und Projektpartnern vor Ort in Kontakt. „Es sind wohl alle Verbindungsbrücken im Land weggerissen worden, bis auf eine“, sagt der Nepal-Kenner.

Mitarbeiter von Stuttgarter Verein sind „alle unversehrt“

Baumann war bereits im Jahr 2015 nach einem schweren Erdbeben in Nepal und operierte Schwerverletzte. Damals starben rund 9000 Menschen, mehr als 22.000 wurden verletzt. Die Bilder, die am Dienstag um die Welt gingen, hätten „die gleichen Gefühle wie damals in ihm ausgelöst“, sagt er. Weil das betroffene Gebiet kleiner sei, die Menschen auch aus den Erfahrungen von vor elf Jahren gelernt hätten, hoffe er, dass es dieses Mal nicht so lange dauere, bis die internationale Hilfe die Betroffenen erreiche.

Als „unglaublich“ und „schwer zu ertragen“, bezeichnet Andreas Falk, Vorsitzender der Deutsch-Nepalischen Hilfsgemeinschaft (DNH) in Stuttgart, die Ereignisse. „Das muss wie bei der Katastrophe im Ahrtal gewesen sein – nur hoch fünf“, versucht er das Geschehene zu umreißen. Der Stuttgarter Verein hat mehrere Schulprojekte in dem Entwicklungsland. Diese seien aber nicht direkt betroffen von der Sturzflut, weil sie alle höher liegen. „Es haben sich mehrere unserer Mitarbeiter in der Region aufgehalten, die sind aber alle unversehrt“, so Falk. Eine Mitarbeiterin einer Trekking-Organisation, mit der die DNH zusammenarbeite, sei nach seinen Informationen ums Leben gekommen.

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NEPAL-WEATHER-LANDSLIDE-FLOODS: An aerial view shows workers using excavators to clear sludge following flash floods at Trishuli in Nepal's Nuwakot district on August 27, 2026. Rescue teams scoured devastated zones August 27 for more than 1,300 people missing a day after flash floods and landslides along the Nepal-Tibet border killed at least 273, sweeping away entire villages. (Photo by Arun SANKAR / AFP)

Von vielen kleinen Dörfern ist kaum noch etwas übrig. International wurde Hilfe versprochen, zunächst waren aber die Nepalesen selbst gefordert.

ARUN SANKAR/afp

Die Sturzflut walzte auf einer Länge von mehr als 160 Kilometern – einmal quer durch ganz Nepal – alles nieder. Tonnenschwere Busse und Laster wurden wie Spielzeug mitgerissen. Als Ursache gilt der Kollaps eines Gletschers in Tibet. Durch die Lawine bildete sich ein natürlicher Damm im Fluss Lhende, einem Zufluss des Flusses Bhotekoshi in Nepal. Als der Damm brach, kam es zur Katastrophe.

Noch sind weite Teile des betroffenen Gebiets offenbar komplett abgeschnitten. „Wir kommen bislang überhaupt nicht an die Leute ran“, sagte Kurt Koblowsky vom Verein Waisen Hilfe Nepal Böblingen, der eine kleine Schule in dem betroffenen Gebiet hat, am Donnerstagmittag. Aus dem direkten Umfeld des Vereins sei aber niemand betroffen.

„In der Region leben etwa zehntausend Menschen. Es gibt dort viele kleine Dörfer“, sagt Matthias Baumann. Was die Überlebenschancen derjenigen anbelangt, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe in dem Tal aufhielten, hat er eine realistische Sicht: „Wer von der Flut erwischt wurde, ist wahrscheinlich tot.“

Eigentlich ist noch nicht die Haupt-Trekkingzeit, denn es ist noch Regenzeit. Im September und Oktober sind in der Regel noch deutlich mehr Touristen in der Region Rasuwa unterwegs. Aber auch Ende August ziehe es Abenteuerlustige dorthin, berichten sowohl Baumann als auch Andreas Falk. Wer zum Langtang-Nationalpark, einem der wichtigsten Trekkinggebiete Nepals, mit schneebedeckten Gipfeln, Gletschern und Hochgebirgsseen möchte, muss durch die Region. „Diese Strecke ist immer frequentiert“, sagt Baumann. Dort liegen mehrere bedeutende Wallfahrtsort für Hindus und Buddhisten, und auch beliebte touristische Ziele. Viele vermisste Touristen sind offenbar Pilger aus Indien.

Matthias Baumann ist seit Jahren in Nepal engagiert.

Matthias Baumann ist seit Jahren in Nepal engagiert.

privat

Wie viele Deutsche möglicherweise betroffen sein könnten, darüber haben die Nepal-Kenner keine genauen Infos, auch das Auswärtige Amt ließ eine Anfrage zu möglichen Vermissten aus Baden-Württemberg zunächst unbeantwortet. Die nepalesische Tourismusbehörde spricht von acht Deutschen und einem Schweizer, zu denen es keinen Kontakt mehr gebe.

Spendenaufrufe und Hilfe für Nepal

Die Organisation Sherpa Nepalhilfe von Matthias Baumann sammelt nach der Katastrophe Spenden. Mehr Infos gibt es unter: www.sherpanepalhilfe.de. Auch die Deutsch-Nepalische Hilfsgemeinschaft in Stuttgart sammelt Geld: www.dnh-stuttgart.org. Weitere Infos zum Projekt aus Böblingen gibt es hier: https://whnbb.de/Home/