Nach Kampfstier benannt
: Lamborghini Huracán hat 640 PS und verlangt kundige Hand

Nach dem Crash am Pragsattel lohnt sich ein Blick auf die Technik des Supersportwagens und seine Sicherheitsmerkmale - die dem portugiesischen Fußballstar Diogo Jota bei seinem Tod im Juli 2025 aber auch nicht helfen konnten.
Von
Michael U. Maier
Stuttgart
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Am Lamborghini entstanden rund 200.000 Euro Sachschaden.

Andreas Rosar Fotoagentur

Es ist der Traum vieler Autofans: Einmal den Startknopf unter der roten Klappe drücken, das heisere Bellen des V10-Saugmotors hören und die rohe Kraft eines Lamborghini Huracán spüren. Doch wie schmal der Grat zwischen automobiler Ekstase und einem jähen Ende an einer Betonwand ist, zeigte sich am späten Sonntagabend in Stuttgart-Nord.

Ein 23-Jähriger verlor am Pragsattel die Kontrolle über seinen Boliden. Anlass genug, sich den Wagen einmal genauer anzusehen – und zu erklären, warum er ganz viel Respekt einfordert.

Diogo Jota verbrannte im Lamborghini Huracán

Benannt nach einem Kampfstier der spanischen Rasse „Conde de la Patilla“, der für seinen unnachgiebigen Angriff bekannt war, macht der Huracán seinem Namen alle Ehre. Er ist einer der letzten Supersportwagen mit einem frei saugenden V10-Motor. Allerdings endete die Produktion 2024.

Aschereste des Lamborghini Huracán der Jota-Brüder im Juli 2025 bei Cernadilla (Provinz Zamora).

Foto: IMAGO/Europa Press

Am 3. Juli 2025 starben der portugiesische Liverpool-Profi Diogo Jota (28) und sein Bruder André Silva (30) bei einem Autounfall mit einem Lamborghini Huracán auf einer Autobahn in Nordspanien. Nach einem Überholmanöver mit überhöhter Geschwindigkeit war offenbar ein Reifen geplatzt, und das Auto hatte nach der Kollision Feuer gefangen.

Lamborghini-Startknopf.

Foto: IMAGO/Newscom World

Lamborghini Huracán – PS und Höchstgeschwindigkeit

  • Motor: 5,2-Liter V10
  • Leistung: Je nach Modell (EVO, STO, Tecnica) zwischen 610 und 640 PS
  • Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in ca. 2,9 bis 3,2 Sekunden
  • Top-Speed: Über 325 km/h
  • Nachfolger: Lamborghini Temerario – auf Deutsch bedeutet das Wort „waghalsig“, „tollkühn“ oder auch „rücksichtslos“
  • Während die Konkurrenz längst auf Turbolader oder Hybrid-Systeme setzte, blieb der Huracán lange puristisch. Das Triebwerk reagiert auf den kleinsten Gasstoß fast so direkt wie ein Nervensystem. Doch genau diese explosive Kraftentfaltung, oft kombiniert mit einem hecklastigen Allrad- oder reinem Hinterradantrieb, verlangt nach einer kundigen Hand.

    Aufräumarbeiten am Pragsattel.

    Foto: Andreas Rosar Fotoagentur

    Lamborghini am Pragsattel: 600 PS außer Kontrolle

    Die Physik lässt sich aber auch durch italienische Ingenieurskunst nicht überlisten. Am Pragsattel endete die Fahrt jedenfalls abrupt. Aus bislang ungeklärter Ursache verlor ein 23-Jähriger die Kontrolle und krachte in eine Betonwand der SSB. Das Ergebnis: Ein zerstörter Sportwagen mit Totalschaden.

    Chassis im Huracan ist Formel-1-verdächtig

    Ein Detail des Huracán verdient hier besondere Erwähnung: Das Chassis. Es besteht aus einer Hybrid-Konstruktion aus Aluminium und Carbonfaser. Diese extrem steife Fahrgastzelle ist womöglich der Grund, warum heute „nur“ über einen Blechschaden berichtet wird.

    Sowohl der 23-jährige Fahrer als auch sein Beifahrer blieben laut Polizeibericht unverletzt. Wäre es vielleicht auch Diogo Jota und seinem Bruder so gegangen, wenn ihr Auto nicht Feuer gefangen hätte? Bei einem Aufprall gegen massiven Beton wie in Stuttgart ist die Unversehrtheit der beiden Insassen – Fahrer und Beifahrer – kaum hoch genug einzuschätzen. Technisch scheint sich die Bauweise fast auf Formel-1-Niveau zu bewegen.

    Gedenken an Pedro Jota und André Silva.

    Foto: IMAGO/Brazil Photo Press

    Faszination mit Verantwortung

    Der Lamborghini Huracán bleibt eine Ikone des Automobilbaus. Sein Design ist aggressiv, sein Sound unverwechselbar und seine Performance extrem. Doch der Vorfall am Pragsattel (B10/B295) erinnert ein weiteres Mal daran, dass diese Autos keine Spielzeuge sind.

    Porsche-Schwester Lamborghini

    Ob überhöhte Geschwindigkeit oder eine kurze Unachtsamkeit die Ursache war, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Fest steht: Wer in das Cockpit eines Huracán steigt, übernimmt Verantwortung für 640 Pferdestärken. Lamborghini ist übrigens eine 100-prozentige Tochter der Volkswagen AG und somit ein Schwesterunternehmen von Porsche.

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