Mr. Wash in Feuerbach: Hochglanz für Autos im Sekundentakt

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Stuttgarter NachrichtenBescheidenheit ist eine Zier. "Wir haben hier zwar die größte Autowaschanlage der Welt, aber wir nennen sie nach außen nur die größte Europas, weil die Leute uns das sonst nicht glauben", sagt Heiko Wirringa und lächelt verschmitzt. Kleiner machen, als sie ist, muss der Geschäftsführer der Feuerbacher Mr.-Wash-Filiale seine Anlage aber eigentlich nicht. Schon von außen betrachtet flößt sie dem Besucher Respekt ein.
110 Menschen arbeiten hier, bis zu 4000 Außenwäschen schafft die 28 Millionen Euro teure Anlage pro Tag. Damit könnten theoretisch im Jahr knapp eineinhalb Millionen Autos vom Dreck befreit werden. Dazu könnte noch die halbe Zahl an Innenreinigungen kommen. Ausgelastet aber ist die Anlage noch nicht. Laut Wirringa sind in den ersten drei Monaten seit der Eröffnung 50000 Fahrzeuge durch die Waschstraße geschleust worden. "Damit sind wir erst einmal zufrieden", sagt er und lässt erkennen, dass die Zahl noch Luft nach oben lässt.
Zumindest freitags und samstags rollt jedoch schon jetzt die große Blechlawine an. Tankstelle, Ölwechsel, Innen- und Außenreinigung - die Kette setzt auf das Gesamtpaket. Zu Preisen zwischen fünf Euro für die Einfachwäsche und 45 Euro für das "Super-Sauber-Paket" können Autolenker ihrem fahrbaren Untersatz hier ein Wellness-Programm verpassen. Und tun sich damit nicht immer leicht. "Wir müssen noch viel erklären", weiß Wirringa.
Das ist kein Wunder bei den Ausmaßen der Anlage, die die größte der 31 Filialen der Düsseldorfer Kette ist. Zur Waschstraße geht es in den ersten Stock. Vorwäsche von Hand, Vorsprühbogen, Warmwasserlanze, Bürsten, Föhntunnel - der Weg ist lang. Per Lichtschranke erkennt die Technik das gewählte Programm auf dem Kassenbon mit Barcode, der in der Windschutzscheibe liegt. Mancher Fahrer ist angesichts der Dimensionen noch überfordert. Der ein oder andere ist schon mit offener Scheibe in die Waschstraße gefahren und wie ein begossener Pudel wieder herausgekommen.
Fließbandarbeit wartet in der Innenreinigung. Eine Schlange bildet sich vor dem Gebäude. "Moment", sagt Wirringa und zückt sein Telefon. Nur zwei der vier Bänder sind offen, "jetzt brauchen wir ein drittes, sonst warten die Kunden zu lange". Spricht's und weist einen der 14 Mitarbeiter, die auf dem Band Innenräume wienern, darauf hin, dass er sein Hemd in die Hose stecken solle. "Wir verkaufen hier Sauberkeit", sagt der Geschäftsführer, "da gehören auch die Mitarbeiter dazu. Die müssen ein gutes Bild abgeben. Die Vorarbeiter und ich müssen immer alles im Auge behalten."
Gerade in puncto Beschäftigte hat Mr. Wash allerdings immer wieder mit Vorwürfen zu kämpfen. Dumpinglöhne bezahle das Unternehmen angeblich, Mitarbeiter, die gerade nichts zu tun hätten, müssten sogar ausstempeln. "Das stimmt nicht", sagt Wirringa, "wir vergüten auch die Zeiten mit Leerlauf. Wir bezahlen mehr als Burger King oder McDonald's." So mancher verdiene "sehr gutes Geld", weil neben einer Grundvergütung auch leistungsbezogen bezahlt werde: "Wer fleißig ist, bekommt bei uns auch mehr."
Im Akkord wird dementsprechend auch in der Wachshalle gewienert. 49 Plätze gibt es hier. An diesem Vormittag sind deutlich weniger besetzt. Nebenan kann man das Öl wechseln lassen. "Hier können die Leute ohne Anmeldung herkommen", sagt Mitarbeiter Karsten Brietzke und erzählt amüsiert, dass Stuttgart wohl der einzige Standort der Gruppe sei, an dem doppelt so viele Mercedes-Fahrzeuge wie Volkswagen hereinrollen. Zudem steuern auch diverse Porsche-Sportwagen die Halle an.
Derweil wachsen die Schlangen vor der Waschstraße wieder. Wirringa schickt einen "Verkehrspolizisten" nach oben, um den Ansturm in die richtigen Bahnen zu lenken. "Die meisten Leute sind flexibel einsetzbar", erzählt er, "sie sollen und wollen unterschiedliche Dinge können."
Nach rund einer halben Stunde glänzt das Vehikel fast wie neu. Die großen Wassermengen, die dafür nötig waren, werden zu zwei Dritteln aufbereitet und wiederverwendet. Autowäsche am Fließband in Europas größter Waschanlage. Oder sogar in der größten der ganzen Welt.
