Mordfall Göppingen
: Der mutmaßliche Mörder schweigt

Das Motiv und der Ablauf der Tat liegen auch nach der Festnahme des Verdächtigen im Dunkeln. Mutmaßlich handelt es sich um das dramatische Ende eines sogenannten Stalking-Falls.
Von
Wolf-Dieter Obst
Stuttgart
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Drei Tage nach dem Mord in Göppingen konnte die Polizei den Tatverdächtigen festnehmen.

FRIEBE|PR/ Sven Friebe

Göppingen - Der Tatverdächtige macht keine Angaben. Seit Mittwoch verbringt er die Untersuchungshaft im Vollzugskrankenhaus Hohenasperg, wo seine Brandverletzungen behandelt werden. Der 53-Jährige ist dringend tatverdächtig, seine 46-jährige Ex-Freundin am späten Samstagabend in Göppingen ermordet zu haben. Laut Obduktion hatte er sie mit einem Brandbeschleuniger übergossen und angezündet.

Das Motiv und der Ablauf der Tat liegen auch nach der Festnahme des Verdächtigen am Dienstag im Dunkeln. Mutmaßlich handelt es sich um das dramatische Ende eines sogenannten Stalking-Falls: Der offenbar psychisch kranke 53-Jährige aus Börtlingen-Zell (Kreis Göppingen) hatte nach einer mehrmonatigen Beziehung wahrscheinlich nicht hinnehmen wollen, dass die 46-Jährige nichts mehr von ihm wissen wollte. Er soll die Frau mehrfach bedroht haben – bis das Amtsgericht Göppingen am 12. Januar ein Annäherungsverbot erließ.

Der 53-Jährige, der vor kurzem in einer psychiatrischen Klinik untergebracht gewesen sein soll, hielt sich nicht daran. Am Samstag gegen 21 Uhr kam es in Göppingen im Rubensweg vor dem Wohnhaus der 46-Jährigen zum tödlichen Finale. Nach den bisherigen Feststellungen dürfte der Mann mitten auf der Straße seine Ex-Freundin überwältigt, mit Benzin übergossen und angezündet haben. „Diese Verletzungen waren tödlich“, so Polizeisprecher Rudi Bauer, „andere Verletzungen konnten bei der Obduktion nicht festgestellt werden.“ Der 53-Jährige erlitt dabei selbst Brandwunden.

Warum der Ex-Freund anschließend nicht sofort flüchtete, sondern sein eigenes Auto anzuzünden versuchte, ist ein Rätsel, zu dem der Täter bisher keine Angaben macht. Er hatte in der Tatnacht weitere Flaschen mit Brandbeschleunigern mitgebracht, mit denen er das Heck des Kleinwagens in Brand setzte. Warum das Heck? „Da gibt es Theorien, doch das soll uns der Verdächtige schon selbst erklären“, sagt Polizeisprecher Bauer.

Hatte der Ex-Freund etwas im Kofferraum verbrennen wollen? Oder hatte alles überhaupt keinen Sinn, weil sich der ­mutmaßliche Mörder in einem psychischen Ausnahmezustand befand?

Rätselhaft ist auch die massive Beschädigung der Windschutzscheibe – als wäre ein Fußgänger mit dem Kopf dagegengeprallt. Inzwischen kann die Polizei aber ausschließen, dass der 53-Jährige sein Opfer vor der Tat angefahren oder bei einem Gerangel mit dem Kopf dagegen geschlagen hatte. „Eine solche Verletzung wurde bei der Obduktion nicht nachgewiesen“, so Bauer. Eine Kollision wäre zudem in der Wohnstraße aufgefallen. Freilich war die Tote lange Zeit unbemerkt am Straßenrand gelegen. Selbst die Feuerwehr, die sich auf den Autobrand konzentrierte, hatte die Leiche zunächst nicht gesehen.

Wie ausgeprägt die psychische Erkrankung des 53-Jährigen ist, darüber gab es am Mittwoch keine Angaben. Bis zum Beziehungsstreit war der Mann bei der Polizei ein unbeschriebenes Blatt. Ob er zur Tatzeit unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand, steht nicht fest. Nach der Tat war der 53-Jährige noch bis Dienstag in Göppingen unterwegs. Bei seiner Festnahme war er, so der Polizeisprecher, „in einem desolaten körperlichen und psychischen Zustand“.

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