Montagsgespräch mit Katrin Bauerfeind: „Ich nehme einen Rotwein“

Lesereise in der Heimat: Katrin Bauerfeind
Jürgen Naber- Frau Bauerfeind, Ihr Buch „Hinten sind Rezepte drin – Geschichten, die Männern nie passieren würden“ ist eine humorvolle Bestandsaufnahme über das Verhältnis von Frauen und Männern im Jahr 2016. Wie ist die Lage?
Nun, es gibt nach wie vor jede Menge Unterschiede. Ich finde, dass Männer mit einem völlig anderen Selbstverständnis durch die Welt gehen.
Zum Beispiel?
Ein Mann, der nicht mit einem Drucker klarkommt, denkt sofort: Das Gerät ist kaputt. Er kommt gar nicht auf die Idee, dass es an ihm liegen könnte.
Eine Frau dagegen . . .
. . . glaubt, wenn der Lockenstab kaputt geht, dass ihre Haare eine Zumutung für das Gerät sind.
In den USA gibt es eine neue App für Frauen, die Mails auf zu devotes Vokabular checkt.
Ja, das funktioniert wie bei Word. Statt der Rechtschreibfehler werden entschuldigende Formulierungen markiert. Frauen haben untereinander im Job häufig diesen Harmoniezwang. Bevor sie sich kritisieren, glauben sie, sie müssten sich durch mehrere Liter Milchkaffee trinken und nach dem letzten Fußpilz fragen. Erst dann kommt die klare Ansage. Dabei könnten sich Frauen da ruhig mehr trauen.
Bei Männern funktioniert das anders?
Völlig. Männer schreiben beruflich kurz und knapp: „Donnerstag, 15 Uhr, geht klar“, niemand kommt auf die Idee, dass irgendwas nicht stimmen könnte. Unter Frauen kommt bei gleichem Mailinhalt gerne die Rückfrage: „Ist zwischen uns alles in Ordnung?“
In einer Kritik stand zu lesen, in Ihrem Buch sei Ihre Position zum Feminismus nicht deutlich zu erkennen. Wo stehen Sie denn? Mehr bei Alice Schwarzer oder bei der jungen Autorin Ronja von Rönne, die der „Feminismus anekelt“?
Ich finde, es ist ein großes Problem in Deutschland, dass man sich als Frau immer zu irgendeiner Form von Feminismus bekennen muss. Wenn schon, dann wäre ich gern bei den Humor-Feministinnen.
Warum wollten Sie dieses Buch unbedingt schreiben?
Ich erzähle gerne lustige Geschichten, und das Thema finde ich spannend. Da passieren auch im Jahr 2016 noch bemerkenswerte Dinge.
In Restaurants zum Beispiel.
Genau. Immer noch bekommt der Mann die Weinkarte, egal wo auf der Welt. Es spielt auch keine Rolle, ob er überhaupt Ahnung von Wein hat oder ich ihn locker unter den Tisch saufe. Dann gucken alle Männer aufwendig in die Karte und bestellen am Ende Grauburgunder. Ich habe mir vorgenommen, das nächste Mal zu sagen: „Bringen Sie mir einen schönen Roten, der schön lull macht, und ihm eine Fanta, er hat sowieso keine Ahnung und muss außerdem noch fahren.“
In Ihrem Buch geht es auch um das Erwachsenwerden. Sind Sie auf dem Weg?
Das kann ich schwer beurteilen. In jedem Fall geht es aber auch um Vernunft. Und die kommt auf jeden Fall mit dem Älterwerden.
Sie haben aufgehört zu rauchen.
Ja, ich habe auf einmal eine Stimme gehört, die gesagt hat: „Katrin, was denkst du denn? Glaubst du, die Falten in deinem Gesicht wollen nur mal Probe liegen und gehen dann weiter? Beim Treppensteigen klingst du wie der späte Johnny Cash, nur unmusikalisch.“ Diese Stimme der Vernunft klingt wie Frank Plasberg, also hart, aber fair. Und die geht nicht mehr weg. Es gibt keinen Weg zurück zur Unvernunft.
Sie haben dafür, ganz modern, eine App zu Hilfe genommen.
Ja, die zeigt einem, wann man wieder Flimmerhärchen hat, was man sich neben Nikotin sonst noch für Gift reingepfiffen hat und wie viel Geld man gespart hat. Das hilft. Ich kenne eigentlich niemanden mehr, der versucht, ohne App aufzuhören.
Auch Ihre Oma hat profitiert.
Das stimmt. Als ich ihr zeigte, wie viel Geld ich nach drei Monaten Nichtrauchen gespart hatte, sagte sie: „Was, so viel hasch du ausgäba? Jetzt hab i a Idee. Du gibsch mir des Geld, weil du brauchsch’s net, und i bin dann reich.“ Dann hat sie die ganze Kohle zu Weihnachten bekommen.
Vermutlich hat sie es gespart.
Nein, meine Oma ist viel cooler, sie hat sich nämlich ein Boxspringbett gekauft.
Sie kommen aus Aalen und haben sich Ihren Dialekt nicht ganz abtrainiert.
(Lacht) Finden Sie?
War das irgendwann mal ein Problem?
Nein. Obwohl der Schwabe so ein bisschen unter einem Minderwertigkeitskomplex leidet. Sobald jemand kommt, der Hochdeutsch spricht, versucht er es auch und klingt dann wie Lothar Späth. Ich konnte früher gar kein Hochdeutsch. Ich musste es lernen. Bis heute ist es eine Fremdsprache für mich. Ich sage immer noch Teppich statt Decke.
Was ist Schwäbisch an Ihnen?
Ich bin durch und durch Schwäbin. Ich finde Kehrwoche gut. Ich mag die Struktur, den Rhythmus und die Rituale daheim. Auch in Sachen Ordnung, Pünktlichkeit und Finanzen merke ich, wo ich herkomme.
Sie sind Angela-Merkel-Fan und hätten sie gerne zu Gast in Ihrer Fernsehsendung „Bauerfeind assistiert“ , wo Sie einen Tag bei einem Prominenten Mädchen für alles spielen.
Ich bin vor allem ein Fan davon, dass sie gegen Hysterie imprägniert zu sein scheint. Von dieser Eigenschaft hätte ich auch gerne mehr.
Was war die bisher schlimmste Aufgabe als Assistentin?
Ich finde, die waren eigentlich alle immer noch zu nett. Ich freue mich über Aufgaben, die mich überfordern. Das ist ja der Grundgedanke der Sendung. Bei Tim Mälzer musste ich Gemüse schnippeln. Darin bin ich wirklich nicht gut. Er hat mich ordentlich auflaufen lassen, und da muss ich sagen: Es gibt schönere Momente im Leben, als von Tim Mälzer geschimpft zu werden.
Sie schreiben, Frauen hätten immer Angst. Was ist Ihre größte?
Es ist eher ein Konglomerat an Ängsten. Mädchen wird schon früh beigebracht, dass sie ein potenzielles Opfer von Gewalt werden können. Das macht was mit einem.
Ihr Rat an die Frauen?
Zweifelt weniger und traut euch alles zu!