Mercedes-Benz-Arena
: Die Laufbahn ist Geschichte

Der Umbau der Mercedes-Benz-Arena in ein Fußballstadion hat begonnen. Am Montag fuhren die Bagger auf und trugen Rasen und Laufbahn ab.
Von
Frank Rothfuss
Stuttgart
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Stuttgarter Nachrichten

So ein Bagger kann ein gefährliches Gerät sein. Erst knallte VfB-Kapitän Thomas Hitzlsperger beim forschen Sprung aufs Führerhaus mit dem Kopf an den Außenspiegel, anschließend pflügte OB Wolfgang Schuster schier einen Bauarbeiter unter den Rasen. Schließlich gelang es Schuster aber doch unfallfrei ein Stück Erde samt Leitungen der Rasenheizung aus dem Mittelkreis herausreißen. Der offizielle Auftakt des 60 Millionen Euro teuren Umbaus der Mercedes-Benz-Arena.

"Sie haben mit heute mit ihrer rechten Hand Vereinsgeschichte geschrieben", sagte VfB-Präsident Erwin Staudt hernach, "und uns einen Traum erfüllt." Zur großen Familie der VfB-Fans zählt sich neuerdings auch Schuster. "Ich hoffe doch, dass wir die Meisterschaft gewinnen", sagte er. Wir! Offenbar hat auch da Staudt ganze Arbeit geleistet. Doch so ganz konnte Schuster noch nicht von seiner alten Liebe lassen. Er gestand, "Wehmut" ob des Verlusts der Laufbahn zu verspüren. "Stuttgart verliert seine große Bühne für die Leichtathletik." Doch sei diese nur mit einer Weltmeisterschaft zu füllen und die finde heuer in Berlin statt. "Also hätten wir allerfrühestens wieder in zehn Jahren Aussicht auf eine WM gehabt." Und in der Gesamtabwägung hätten sich Verwaltung und Gemeinderat für den Umbau in ein Fußballstadion entschieden.

Dieser Umbau kenne keine Verlierer. Im Gegenteil, "es gibt drei Gewinner", rechnete Schuster vor: Den VfB; den Sport, weil mit dem Bau der 13,19 Millionen Euro teuren Sporthalle in der Untertürkheimer Kurve viele Vereine profitieren würden und es mit der Sanierung des Stadions Festwiese bessere Trainingsbedingungen für den Olympiastützpunkt gebe; den Bürger, weil der städtische Haushalt um 3,4 Millionen Euro entlastet werde. Dass das komplexe Vertragswerk aber durch den Verkauf von Grundstücken im Neckarpark an Daimler auch städtische Sportflächen kostet, erwähnte Schuster wohlweislich nicht. Aber es war ja auch kein Tag zum kritteln, man wollte feiern. Harmonischer ging es selten zu zwischen der Stadt und VfB. Die Vertreter der Stadt und des VfB auf dem Podium waren sich sichtbar in Liebe zugetan. Dazu passt auch die Nachricht, dass man nach dem Umbau im Stadion heiraten kann. Als Trauzeugen des ersten Paares boten sich sogleich VfB-Präsident Erwin Staudt und Finanzbürgermeister Michael Föll an.

Der sucht übrigens eine reiche Braut. Durch den Verkauf des Namensrechts sollen die Sportgeräte für die Halle finanziert werden. "Es gibt Interessenten", sagte Föll, "die wirtschaftliche Situation ist gerade nicht so, dass man die Gespräche zielführend abschließen kann." Aber man habe ja noch Zeit bis zum Ausbau der Halle Anfang 2011.

In den nächsten Tagen werden die Bagger die Erde bis auf zwei Meter Tiefe herausnagen, die Laufbahn abtragen und die Untertürkheimer Kurve abreißen. Bilder davon werden ins Internet übertragen. Anfang August soll dann das Spielfeld 1,30 Meter tiefer gelegt sein. Bis August 2011 werden die beiden Kurven abgetragen und mit zehn Meter Abstand zum Spielfeld neu errichtet. Während des Umbaus finden 41000 Zuschauer Platz.

http://www.mercedes-benz-arena.de

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