Malaria in Deutschland
: Stuttgarter Gesundheitsamt rät wegen Malaria-Fällen zu Mückenschutz

Am und um den Frankfurter Flughafen häufen sich Malaria-Fälle. Kann es auch in Stuttgart zu Infektionen kommen? Und welche Rolle spielt die Asiatische Tigermücke, die sich zunehmend in der Stadt ausbreitet?
Von
Bettina Hartmann
Stuttgart
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HANDOUT - Eine weibliche Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), aufgenommen im Jahr 2002. Photo: James Gathany/Centers for Disease Control/dpa (ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung bei vollständiger Nennung der Quelle «James Gathany/Centers for Disease Control/dpa») (zu dpa "Mexiko gibt Impfstoff gegen Dengue-Fieber frei") +++(c) dpa - Bildfunk+++

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) breitet sich auch im Stadtgebiet von Stuttgart aus.

James Gathany/Centers for Disease Control/dpa
  • Rund um den Frankfurter Flughafen häufen sich Malaria-Fälle, drei Menschen starben.
  • Stuttgart meldet keine lokalen Infektionen – das Gesundheitsamt rät dennoch zu Mückenschutz.
  • Reiserückkehrer sollen DEET- oder Icaridin-Sprays nutzen und Schutz drei Wochen fortsetzen.
  • Anophelesmücken sind in Deutschland vorhanden, Flughafen-Importe von Erregern sind möglich.
  • Tigermücke breitet sich in Stuttgart aus – Brutstätten entfernen, Bti in betroffenen Bezirken nutzen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Rund um den Frankfurter Flughafen sind zuletzt mehrere Menschen an Malaria erkrankt, drei sind gestorben. Experten rechnen damit, dass Infektionen in Deutschland künftig zunehmen. In Stuttgart und der Region gibt es derzeit zwar keine Hinweise auf Fälle von Flughafen-Malaria oder lokale Infektionen. Das Stuttgarter Gesundheitsamt sensibilisiert trotzdem die Bevölkerung.

Da die Bürgerinnen und Bürger erst seit kurzem aus dem Urlaub zurück seien, empfiehlt Simon Friz von der Abteilung Infektionsschutz und Umwelthygiene Reiserückkehrern auch für die erste Zeit daheim konsequenten Mückenschutz. Dafür geeignet seien etwa Sprays auf Basis von DEET oder Icaridin. Diese Präparate seien deutlich wirksamer als Produkte mit pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Citronella, Lavendel oder Geraniol. Hilfreich sei auch, helle, lockere, lange Kleidung zu tragen. Ein Mückennetz über dem Bett und Fliegengitter an den Fenstern helfen zusätzlich, die Insekten fernzuhalten. „Man sollte so wenig wie möglich gestochen werden“, erläutert Friz.

Infektionsrisiko in Stuttgart ist äußerst gering

Wer in Infektionsgebiete reise, solle sich einprägen, dass Mückenschutz in drei Phasen erfolge. „Auf den Schutz am Urlaubsort achten viele“, so der Experte. Dass der Schutz auch während der Rückreise in Flugzeug, Auto oder Schiff nötig ist, rücke inzwischen zwar immer mehr in den Fokus, werde aber oft vergessen. Und was kaum jemand im Blick habe: „Selbst nach der Rückkehr ist es wichtig und sinnvoll, den Mückenschutz noch etwa drei Wochen fortzusetzen.

Zwar kommt es hierzlande extrem selten zu Infektionen. Es gibt aber laut Friz Szenarien, bei denen es dennoch passieren kann. „Wenn Menschen aus Mitteleuropa sich mit tropischen Krankheiten infizieren, geschieht das meist im Ausland auf Urlaubs- oder Dienstreisen in Endemie-Gebieten.“ Anophelesmücken, die Malaria übertragen, gibt es inzwischen aber auch in Deutschland. „Stößt eine bei uns in der Region geschlüpfte, nicht infizierte Anophelesmücke auf einen infizierten Reiserückkehrer, kann sie beim Blutsaugen die Erreger aufnehmen und bei einem Stich an andere weitergeben.“ Zudem können Mücken, die Erreger tragen, als blinde Passagiere im Flugzeug, Schiff oder Auto eingeschleppt werden, unterwegs oder am Zielort Menschen stechen und mit Malaria infizieren.

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Gleiches gilt für andere tropische Krankheiten wie Chikungunya, Dengue und Zika. Die Viren werden  von der Asiatischen Tigermücke übertragen, die sich im Süden Deutschlands und speziell in einigen Stadtteilen Stuttgarts ausbreitet. „Noch ist hierzulande das Risiko gering, durch ihren Stich an einer Infektionskrankheit zu erkranken“, beruhigt Simon Friz. Doch je weiter sich die invasive Art hier ausbreite, desto größer werde das Risiko

Was kann man in Stuttgart tun?

Doch wie kann man das verhindern? „Im ersten Schritt durch effektiven Mückenschutz“, mahnt Friz. Infizierte Reiserückkehrer könnten auch symptomfrei sein, hier gestochen werden - und so den Erreger über die Mücke an andere weitergeben. „Der zweite ebenso wichtige Schritt – und ein zentrales Anliegen für die Stadtgesellschaft: gemeinsam und konsequent gegen die Ausbreitung der Tigermücke vorzugehen.“ Die aktive Beteiligung der Bevölkerung sei der wichtigste Baustein. Diese Maßnahmen sollten getroffen werden:

  • Die Zahl geeigneter Brutstätten auf dem Balkon und im Garten deutlich reduzieren, um eine Plage zu verhindern. Dabei helfen vor allem regelmäßige Kontrollen von allen stehenden Wasseransammlungen.
  • Unnötige Gefäße, in denen sich Wasser ansammeln kann, sollten entfernt oder unter einem Dach gelagert werden. Dazu gehören etwa Gießkannen, Blumentopfuntersetzer, Eimer, Schubkarren, Planen, Kinderspielzeug, Zisternen und Gullys.
  • Vogel- und Igeltränken sollten mindestens einmal pro Woche vollständig geleert, gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden.
  • Regentonnen müssen lückenlos mit einem geeigneten Deckel oder einem engmaschigen Moskitonetz verschlossen sein.
  • Auch vermeintlich trockene Gefäße sollten nicht vergessen werden. Die Tigermücke legt ihre Eier am Rand von Gefäßen oberhalb der Wasseroberfläche ab. Die Eier können Trockenheit überstehen - und wenn sie bei Regen oder Ansteigen des Wasserspiegels geflutet werden, schlüpfen die Larve.
  • Wo Brutstätten nicht verhindert werden können – soweit es sich nicht um Gartenteiche, Bäche oder andere naturnahe, belebte Gewässer handelt –, kann zusätzlich der biologische Wirkstoff Bti eingesetzt werden. In den nachweislich betroffenen Stadtbezirken Weilimdorf, Vaihingen und Mühlhausen bekommen Anwohnern Bti-Tabletten nach einem Beratungsgespräch in den Bezirksrathäuser.