Lange Partynacht in Stuttgart
: Landespresseball steht auf der Kippe – wie geht es weiter?

Die Stimmung ist bestens beim 63. Landespresseball – aber von einer Sorge begleitet: Steht die Tradition vor dem Aus? Die möglichen Kretschmann-Nachfolger glänzen auf dem Parkett.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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  • Cem Özdemir (mit Partnerin Flavia Zaka) zeigt seine gebrochenen Finger, Manuel Hagel küsst seine Frau Franziska Hagel.

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  • Spitzenkandidat der Grünen Cem Özdemir mit seiner Partnerin Flavia Zaka.

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  • CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel mit Ehefrau Franziska auf dem roten Teppich.

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  • Landesinnenminister Thomas Strobl mit seiner Frau Christine.

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  • Küsschen für den CDU-Landeschef: Manuel Hagel mit seiner Ehefrau Franziska.

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  • Migrations- und Justizministerin Marion Gentges (CDU) und Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

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  • Finanzminister Danyal Bayaz mit Ehefrau Katharina Schulze.

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  • Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) und Ehemann Thomas Hoffmeister.

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  • Oberbürgermeister Frank Nopper mit seiner Ehefrau Gudrun.

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  • Landtagspräsidentin Muhterem Aras mit ihrem Ehemann Sami.

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  • Markus Pfalzgraf (rechts, Erster Landesvorsitzender des DJV) mit Partner Alwin Albert (links).

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  • OB Frank Nopper (CDU) mit seiner Ehefrau Gudrun sowie der Familie Hagel und Ministerin Nicole Hofmeister-Kraut mit ihrem Ehemann Thomas Hoffmeister.

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  • Präsident des Landesbauernverbands in Baden-Württemberg, Joachim Rukwied.

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  • Das Ehepaar Aras auf dem roten Teppich.

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  • Fraktionsvorsitzender der Grünen im Land, Andreas Schwarz mit seiner Frau.

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  • Schauspielerin Astrid Fünderich („Soko Stuttgart“) und Ehemann Mark Horyna.

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  • Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und Regierungssprecher Matthias Gauger

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  • Weitere Eindrücke vom Landespresseball in der Liederhalle

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  • Weitere Eindrücke vom Landespresseball in der Liederhalle

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  • Weitere Eindrücke vom Landespresseball in der Liederhalle

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  • Weitere Eindrücke vom Landespresseball in der Liederhalle

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  • Landtagspräsidentin Muhterem Aras tanzend mit ihrem Mann Sami.

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  • Auch Gudrun und Frank Nopper schwingen das Tanzbein.

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  • Ausgelassene Stimmung im Beethovensaal.

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  • Sie hat das Foyer gerockt: DJane Alegra Cole

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  • Im Saal sitzt fast niemand mehr.

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  • Die Band „Sm!le“ spielt zum Eröffnungwalzer

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  • Die Gäste sind in Feierlaune.

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  • Die Moderatoren Oliver Ostermann (Antenne 1) und Stephanie Haiber.

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  • Zum ersten mal auf den Landespresseball: Daliha 24 aus Stuttgart.

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  • Weitere Eindrücke des Landespresseballs

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  • Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut mit Begleitung.

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  • Gäste auf dem Ball

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  • Tatjana Geßler mit ihrem Ehemann.

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  • Weitere Eindrücke des Landespresseballs

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  • Topact des Abend war der Singersongwriter Kamrad.

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Diese Ballnacht ist nicht so steif wie in früheren Jahren. Fröhlich und beschwingt geht’s zu in der Liederhalle. Beim Stargast Kamrad, 28, werden selbst reifere Semester zu wild hüpfenden Rockfans und drücken nach vorne zur Bühne. „Das war unser bester Topact seit vielen Jahren“, jubelt der DJV-Landesvorsitzende Markus Pfalzgraf. Doch über dem Who’s who aus Medien, Politik und Wirtschaft liegt eine bange Frage: Ist’s gar der letzte Presseball?

Zukunft des Presseballs ungewiss

Rafael Binkowski, der Vorsitzende der Landespressekonferenz, macht deutlich, dass eine schwierige Entscheidung ansteht. „Der Ball steht auf der Kippe“, sagt er. Steigende Kosten, weniger Besucher, sinkende Erlöse für Pressestiftung und Sozialfonds – eine schwierige Gleichung. Die Abrechnung des Abends steht noch aus. Man habe den Ehrengästen Freikarten geschickt, aber mit dem Appell versehen, für die Pressestiftung zu spenden. Nun müsse man abwarten, was für eine Summe von der Politprominenz überwiesen werde. Erst dann werde die Ballkommision beraten, ob es weitergeht. Binkowski rechnet mit einer Entscheidung im Dezember.

„Die Erlöse werden immer geringer“, sagt Pfalzgraf, während die Stimmung immer besser werde. In aller Ruhe müsse man abwägen, ob sich der hohe Aufwand noch lohne. Vor Corona kamen um die 2000 Gäste, jetzt sind es 1500. Die Pressestiftung hat früher individuell Medienschaffenden in Not geholfen, jetzt liegt der Fokus mehr darauf, in die breite Gesellschaft hineinzuwirken und die Demokratie zu stärken.

Hagel und Özdemir sind sich einig

Manuel Hagel und Cem Özdemir, die Spitzenkandidaten der CDU und der Grünen für das Amt des Ministerpräsidenten, sind sich in einem Punkt völlig einig: Die jahrzehntelange Tradition des Balls sollte weitergeführt werden – im Interesse der Stadt, der Medien und einer lebendigen politischen Kultur. Und beide wollen im nächsten Jahr als Regierungschef und Schirmherr das gesellschaftliche Topereignis von Baden-Württemberg mit einem Walzer eröffnen.

Thomas Strobl eröffnet den Ball

Weil Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dem seit 2011 traditionell der erste Walzer des Abends gehört, krankheitsbedingt fehlt, fällt einem anderen politischen Schwergewicht die Rolle des Eröffners zu: Innenminister Thomas Strobl (CDU) tanzt mit der Journalistin Barbara Schlegel. Eigentlich hätte die langjährige LPK-Journalistin Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer an ihrer Stelle stehen sollen. „Ich hätte mit ihm getanzt“, sagt sie, „aber Herr Strobl wollte mit mir nicht.“ Strobls Sprecherin hingegen erklärt anderntags, ihr Chef hätte sehr wohl mit ihr getanzt, doch hinter den Kulissen sei es zu Differenzen gekommen. Mit verschiedenen politischen Ansichten habe dies jedenfalls nicht zu tun gehabt.

Der Blick ist an diesem Abend besonders auf zwei Männer gerichtet: Sowohl Manuel Hagel als auch Cem Özdemir machen eine gute Figur auf dem gesellschaftlichen Parkett. Der 37-jährige Hagel legt sich ins Zeug – und ist auf dem roten Teppich sogar der Einzige, der seine Frau Franziska Hagel für die Fotografen auf den Mund küsst.

Özdemir zeigt dagegen seine verletzten Finger, die nach einem Unfall beim Handballspiel mit einem Tape verbunden sind. Damit kann er niemanden die Hand geben und bittet um Entschuldigung dafür. Mit seiner Partnerin Flavia Zaka tanzt er, auch Free Style im Foyer, wo es bei DJane Alegra Cole voll abgeht, sowie weit nach Mitternacht in der Bar Equipe, ganz unten in der Liederhalle. „Ich hab nur die Finger gebrochen, nicht die Beine“, sagt er schmunzelnd.

Hagel und Özdemir wollen Landespresseball 2026 eröffnen

Auf die Frage, ob sie den nächsten Landespresseball eröffnen wollten, reagieren beide augenzwinkernd. Hagel: „Ob ich es darf, müssen die Wähler entscheiden – aber ich hab richtig Lust drauf.“ Özdemir nickt: Auch er würde das Ehrenamt gern übernehmen.

Ein witziger Vorschlag kommt von Regierungssprecher Matthias Gauger (hier mit Wissenschaftsministerin Petra Olschowski).

Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Den scherzhaften Vorschlag von Regierungssprecher Matthias Gauger, beide könnten wegen Kretschmanns Krankheit doch gemeinsam den Eröffnungswalzer tanzen – dies wäre ein bundesweit beachtetes Bild, das für Diversität und Fairness im Wahlkampf stünde –, nehmen sie mit Humor. Der Grüne, der bei der CSD-Politdemo Stammgast auf dem VfB-Truck ist, antwortet prompt: „Warum nicht?“ Und Hagel sagt: „Beim Walzer bleibe ich doch mal lieber bei meiner Frau. Für Gerlinde Kretschmann habe ich letztes Jahr von Herzen gern eine Ausnahme gemacht.“ Damit müssten sich die Grünen schon begnügen, fügt er lächelnd hinzu.

Hagel und Özdemir: Unterschiedliche Familienauftritte beim Ball

Offen, charmant, jederzeit ansprechbar, witzig sind beide Spitzenkandidaten an diesem Abend. Und doch gibt es einen Unterschied. Manuel Hagel, 37, muss mit seiner Frau kurz nach Mitternacht aufbrechen, um das Kindermädchen abzulösen. Seine Familie übernachtet im benachbarten Maritim-Hotel. Cem Özdemir, 59, hingegen bringt seine Kinder mit zum Ball: Die erwachsene Tochter kommt mit ihrem Freund, während der jüngere Sohn früh geht.

Medienvielfalt als Grundbedingung für Demokratie betont

Trotz der Freude am Feiern geht es in dieser Nacht auch um die Rolle der Medien. Zum zweiten Mal findet die Presse-Lounge für Medien und Politik statt, diesmal im größeren Silchersaal. Die Botschaft: Journalismus muss raus aus den „Bubbles“, mitten hinein in gesellschaftliche Debatten.

Jens Schmitz, der Vorsitzende der Pressestiftung, kündigt sogenannte Bürgerforen an, mit denen man im nächsten Jahr Wünsche an die Politik einsammeln wolle. DJV-Landesvorsitzender Markus Pfalzgraf sagt: „Medienvielfalt ist nicht ein nettes Extra, sondern eine Grundbedingung für die Demokratie.“ So sieht es auch Holger Paesler, der Geschäftsführer beim Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger.

LPK-Vorsitzender Rafael Binkoswki formuliert es so: „Gerade in dieser Zeit ist es umso wichtiger, dass Journalisten das tun, was nur sie können: kritisch, unabhängig und mit der nötigen Zeit zu recherchieren, unbequeme Fragen zu stellen.“ Diese könne keine KI, kein Fake-News-Portal. „Echte Begegnungen, echte Geschichten – das ist unsere Kernaufgabe.“

Nachts um 3 Uhr in der Equipe-Bar des Landespresseballs: Stargast Kamrad (links) mit Magier Thorsten Strotmann.

Foto: Chlouba

Kamrad begeistert mit rockigen Hits beim Landespresseball

Die 1500 Gäste erleben eine Ballnacht, von der viele sagen, sie sei besser als früher. „Wir hatten eine hohe Promidichte und eine gute Mischung der Gesellschaft“, sagt der LPK-VorsitzendeBinkowski. Auf der Bühne begeistert Shooting-Star Kamrad, der direkt von der Bambi-Verleihung angereist ist. Seine rockig gespielten Hits reißen selbst ältere Gäste mit – selbst die, die ihn vorher nicht kannten.

Bis tief in die Nacht wird gefeiert. Noch um drei Uhr morgens trifft man Kamrad gut gelaunt in der Bar Equipe in der Liederhalle, wo Magier Thorsten Strotmann ihn mit einem Kartentrick verblüfft. Es war Kamrads erster Ball – und der hat ihm so richtig gut gefallen: Erst um 5 Uhr, so wird anderntags berichtet, sei der Sänger ins Maritim-Hotel gegangen.

Stuttgarts Finanzsorgen sind Thema in der Liederhalle

Außerdem gesehen: Bayerns Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze mit ihrem Mann, Finanzminister Danyal Bayaz, Oberbürgermeister Frank Nopper mit Ehefrau Gudrun – gut gelaunt, aber mit den Sorgen seiner Stadt im Hinterkopf. Die sinkenden Gewerbesteuereinnahmen belasten Stuttgart erheblich. Die Bitte, die Stadt möge die Miete der Liederhalle für den Presseball senken, dürfte in dieser Situation wenig Aussicht auf Erfolg haben.

Kaum einer will sich vorstellen, dass es der letzte Presseball war

Es ist eine Nacht der guten Laune, des Lachens, der Begegnungen über politische Grenzen hinweg. Politische Gegner kommen sich menschlich näher. Auch der AfD-Fraktionsvorsitzende Anton Baron ist unter den Gästen. Nicht gesehen wird der AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier. CDU-Landeschef Manuel Hagel macht auch in der Party-Nacht klar: Er pocht auf eine klare Abgrenzung zur AfD, will aber deren Wähler „zurück in die Mitte“ holen.

Weil die meisten Gäste so viel Spaß haben, mag sich kaum jemand vorstellen, dass es der letzte Presseball in der Liederhalle gewesen sein könnte. Genaueres wird man wohl erst im Dezember erfahren, wenn die Ballkommision entscheidet, ob sich die vor allem vom Ehrenamt getragene Benefiz-Veranstaltung noch lohnt – oder ob man neue Sponsoren gewinnen könnte.

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