Joggen in Stuttgart mal anders
: Trinkclub mit einem Laufproblem

Mit Freunden gemeinsam beim Laufen Spaß haben: Darum geht es bei den Hash House Harriers Stuttgart, einer internationalen Laufgruppe, die ihren Sport durch eine Schnitzeljagd zum Event macht. Und dabei auch Bier trinkt
Von
Constantin Pläcking
Stuttgart
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Magnus Lorenz (links) und Ramanathan Tenkasi laufen gerne, machen gerne Schnitzeljagden und trinken gerne Bier – und das machen sie am liebsten alles gleichzeitig

Peter Petsch

Mit Freunden gemeinsam beim Laufen Spaß haben: Darum geht es bei den Hash House Harriers Stuttgart, einer internationalen Laufgruppe, die ihren Sport durch eine Schnitzeljagd zum Event macht. Und dabei auch Bier trinkt

Stuttgart - „On, on“, ruft es durch die Weinberge, man hat einen herrlichen Blick auf die Mercedes-Benz-Arena und über die ganze Stadt. Der Ruf kommt von den Hash House Harriers Stuttgart, die sich selbst einen Trinkclub mit einem Laufproblem nennen. Eigentlich ist es eine internationale Gruppe, die sich jeden zweiten Sonntag zu einer speziellen Laufrunde trifft. Speziell, denn hier wird das einfache Joggen zur Schnitzeljagd. Doch auch das ist noch nicht genug, denn es gibt Bier. Das Getränk ist ein besonderer Bestandteil des Laufes. Viele haben Kleidung, die darauf hinweist.

An diesem Sonntag geht es durch Bad Cannstatt. Treffpunkt ist ein Parkplatz in der Nähe des Stadions, auf dem Boden sind bereits mit Kreide Zeichen aufgemalt, die auf den ersten Blick wirr wirken, außerdem liegen drei Haufen aus Mehl auf dem Asphalt. Die Zeichen, die während des Laufens wichtig werden, sind traditionell und werden weltweit genutzt. Diese Art des Zusammen-Laufens wurde 1938 von britischen Soldaten in Kuala Lumpur erfunden und existiert in ähnlicher Form in vielen großen Städten auf der ganzen Welt.

„Die Briten damals wollten sich vom durchgezechten Wochenende erholen und beim Laufen etwas Spaß haben“, sagt Magnus Lorenz, der diesen Lauf mitorganisiert hat. Aber alle dort nennen ihn nach seinem Hash-Namen: „Soft Lips“. Deswegen hätten sie damals den Sport nach der britischen Schnitzeljagd „Hare and Hounds“ ausgelegt.

Die Gruppe in Stuttgart existiert seit dem Jahr 1993 und besteht aus Stuttgartern mit dem unterschiedlichsten Hintergrund. Einige der Mitglieder kommen auch aus den Kasernen der US-Armee in Stuttgart.

Am Anfang steht man im Kreis, es wird Geld für das Bier eingesammelt, und den Neulingen, genannt „Virgins“, werden die Zeichen erklärt. Ein Pfeil mit drei Strichen bedeutet, dass man auf jeden Fall auf dem richtigen Weg ist. Sollte man den auf der Straße finden, ruft man „On, on“, damit alle wissen: Hier geht es weiter. Trifft man allerdings auf einen Kreis, kann man sich nicht sicher sein, wo es weitergeht. Jetzt heißt es suchen. Findet man einen Mehlhaufen? Oder einen Pfeil? Hier kann man sich nicht sicher sein, wo es weitergeht. Erst nach drei Haufen oder Pfeilen ist der Pfad richtig. Außer man findet die Buchstaben Y. B. F. die für „you’ve been fooled“ stehen und einem zeigen, dass man einer falschen Fährte aufgesessen ist. Dann muss man zurück zum Ausgangspunkt laufen und weiter suchen.

Wurde der richtige Weg gefunden, macht einer mit Kreide einen Strich in den Kreis, damit auch nachfolgende Läufer die richtige Fährte finden können. Aber eigentlich warten die Läufer nur auf ein Zeichen: „BN“ steht für „Beer near“ und zeigt, dass der Bierstopp in nächster Nähe zu finden ist. Hier kann man sich stärken und die verlorene Flüssigkeit mit dem Gerstensaft auffüllen. „Bier ist isotonisch“, sagt Ramanathan Tenkasi, Hash-Name: „Chief Ram“, einer der Organisatoren des Laufs. Aber natürlich steigt der Alkohol einem auch schneller zu Kopf. Es ist auch Wasser möglich, es gibt keinen Zwang, Alkohol zu trinken, die meisten machen es allerdings – was die Stimmung ziemlich auflockert. Nach dem Bierstopp geht es noch ein wenig weiter, doch die letzten Meter schafft man nach der Stärkung problemlos.

Überhaupt ist der „Hash“ am Sonntag eine Angelegenheit für alle. Es ist nicht wichtig, ob man ein guter Läufer ist. So wird die Strecke in drei Gruppen aufgeteilt, die unterschiedlich lange Strecken haben. Zwei Läuferstrecken werden angeboten. „Eagle“ ist mit etwa zwölf Kilometern die weiteste Strecke und wird von trainierteren Läufern genutzt, „Turkey“ laufen mit etwa neun Kilometern die etwas schwächeren. Außerdem gibt es eine noch kürzere Strecke für alle, die spazieren gehen wollen, die „Walker“.

Die Strecken sind so geplant, dass man am Ende nicht lange warten muss, bis alle wieder beisammen sind. Dann stehen noch einmal alle im Kreis. Es werden kleine Vergehen bestraft, die während des Laufens begangen worden sind: Die Strafe besteht freilich aus Bier. Hier wird die Sprache auch mal deftig, es ist aber alles spielerisch ironisch gemeint. Am Ende bekommt noch einer, der neu dabei ist, seinen Hash-Namen verpasst. Dabei bekommt er Mehl und Bier über den Kopf.

Die Gruppe trifft sich alle zwei Wochen zum Lauf – das nächste Mal am kommenden Sonntag um 14 Uhr. Wo es stattfindet, kann man der Webseite stuttgarthash.de entnehmen. Einigermaßen gute Englischkenntnisse sind vorteilhaft.

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