Hunde an Badeseen
: Kein kühles Bad für kalte Nasen

Mensch und Hund lockt es bei sommerlichen Temperaturen gleichermaßen, sich im Wasser abzukühlen. Doch ist gemeinsames Planschen in den Badeseen rund um Stuttgart überhaupt erlaubt? Und welche Alternativen gibt es? Ein Pro und Contra.
Von
Luitgard Schaber
Stuttgart
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Der sehnsüchtige Blick dieses Hundes spricht Bände. Doch am Aichstrutsee heißt es für ihn, wie auch an allen anderen Badeseen in der Region: Ich muss draußen bleiben

Gottfried Stoppel

Stuttgart - Wer sich gemeinsam mit seinem Hund an heißen Sommertagen im kühlen Nass erfrischen will, muss erst einmal einige Kilometer im Auto schwitzen und beispielsweise an den Bodensee fahren. Dort, das empfehlen einem auch Ratgeberseiten im Internet, ist das gemeinsame Planschen für Hund und Herrchen beziehungsweise Frauchen stellenweise möglich – dort, wo keine Badestrände sind, kann man die Vierbeiner problemlos ins Wasser lassen.

Auch im Schwarzwald und im Rheintal steht an einigen Gewässern dem Badevergnügen kein Verbotsschild im Weg: etwa am Tumlinger, Gifiz-, Schluch- und Kollersee. Doch an sämtlichen Badeseen im Rems-Murr-Kreis heißt es für vierbeinige Wasserratten: Wir müssen draußen bleiben. Warum eigentlich?

"Mögliche Belästigung anderer Badegäste"

„Weil das durch die Polizeiverordnung am Ebnisee so geregelt ist“, antwortet die Kaisersbacher Bürgermeisterin Katja Müller auf diese Frage. Gründe für das Verbot kann sie keine nennen, sie hat die Vorgaben von ihren Amtsvorgängern übernommen. Der Bauamtsleiter von Plüderhausen, Ludwig Kern, schlägt extra noch einmal in der Benutzerordnung des örtlichen Badesees nach. Darin heißt es eindeutig: Das Mitbringen von Hunden in den Liegewiesenbereich ist nicht gestattet, im Umfeld müssen sie angeleint sein, und ins Wasser dürfen sie nicht. Gründe – auch hier Fehlanzeige.

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Uwe Matti, der Leiter des Murrhardter Amts für Wirtschaft, Kultur und Tourismus, kann dagegen für den Fornsbacher Waldsee gleich zwei Argumente anführen: die Hygiene und eine mögliche Belästigung anderer Badegäste. An der Leine dürfen Hunde aber mitgebracht werden. Diese Auskunft bekommt man auch vom Welzheimer Ordnungsamtsleiter Julian Schneider für den Aichstrutsee.

In Alfdorf hat man indes keine hygienischen Bedenken, wie der Hauptamtsleiter Wolfgang Fauth erklärt. „Weil sich die Mehrheit aber durch Hunde gestört fühlt, haben wir am Eisenbachsee ein solches Verbot eingeführt.“ Und was ist mit dem Hagerwaldsee? „Der ist kein offizieller Badesee. Daher ist es uns dort relativ egal.“

"Aus unserer Sicht gibt es ­keine hygienischen Bedenken"

Auf die Flüsse in der Region kann man ausweichen, sofern man beim eigenen Badevergnügen für seinen Vierbeiner zurücksteckt. Auch im Neckar dürfen die Hunde schwimmen, wo sie wollen. „Spezielle Regeln für Hunde gibt es nicht“, sagt Michael Brand vom Wasser- und Schifffahrtsamt Stuttgart. Somit sei es im Sinne des Gemeingebrauchs auch nicht untersagt. Für Menschen indes gebe es Badeverbote, etwa an Schleusen, Brücken und Wehren. Um niemanden zu behindern und sein Tier nicht zu gefährden, sollte man diese dennoch auch für Hunde beachten.

Die übrigen Badeseen in der Region Stuttgart stellen indes keine Alternativen dar. Weder in den Bissinger See noch in den Aileswasensee von Neckartailfingen, den Bürgerseen von Kirchheim unter Teck oder dem Oberen und Unteren Seewaldsee bei Vaihingen an der Enz dürfen sie rein. Auf Nach­frage hört man überall den gleichen Grund: die Hygiene. Der Gedanke, mit Hunden zu baden, gefällt offenbar nicht.

Doch was sagt eigentlich das Gesundheitsamt zu den hygienischen Bedenken? Sind sie gerechtfertigt? Und wenn ja, welche Gesundheitsgefahren gibt es für Menschen, wenn Hunde im selben See baden? „Die Entscheidung, ob Hunde in Badeseen zugelassen werden oder nicht, liegt bei der jeweiligen Kommune. Aus unserer Sicht gibt es ­keine hygienischen Bedenken“, erklärt dazu Peter Müller, der Fachbereichsleiter für Infektionsschutz und Umweltmedizin im Geschäftsbereich Gesundheit des Landratsamts Rems-Murr.

Sollen Hunde wenigstens in einigen Seen baden dürfen?

Pro: Sauberer als mancher Mensch

Es gibt Orte, da haben Hunde nichts verloren. Schicke Restaurants zum Beispiel, Spielplätze oder Friedhöfe. Badeseen gehören definitiv nicht dazu. Hier suchen die Menschen nicht nur Erfrischung. Sie wollen in der Natur sein. Mangelnder Komfort, ein bisschen Dreck – und ja, auch Tiere – gehören dazu. Wer das nicht will, ist im Freibad besser aufgehoben. Unhygienisch sind Hunde im See jedenfalls nicht. Erwachsene Hunde pinkeln so gut wie nie ins Wasser. Sie brauchen ihren Urin, um an Bäumen oder Straßenlaternen ihr Revier zu markieren. Erwachsene Menschen hingegen lassen es im Wasser gerne mal laufen (an Bäumen und Straßenlaternen mitunter übrigens auch). Das zeigen Messungen in Hallenbädern. Wen der Gedanke an Hundehaare im Wasser stört, sollte sich vergegenwärtigen, was sonst noch so im See schwimmt: Froschlaich, Entenkot, Hautschuppen. Und am Ufer kann kein Hund so störend sein wie das Tock-tock-tock einer Beach-Ball-Partie. Wenn etwas verboten gehört, dann das.

Contra: Der Mensch hat Vorrang

Hund bleibt Hund, Mensch bleibt Mensch, und wenn sich Mensch vom Hund gestört fühlt, dann muss der andere Mensch, der Hundebesitzer, Rücksicht nehmen. Das gilt für alle Bereiche menschlichen Zusammenlebens, also auch an Badeseen. Denn sich gestört zu fühlen ist kein diffuses Unbehagen, sondern entspringt in erster Linie dem Vorausahnen oft gemachter Erfahrungen: Vater, Mutter, Kind haben sich am Ufer eines Badesees ausgebreitet, kommt ein Hund angerannt. Der Halter kaum mehr in Rufweite. Was machen die Eltern? Versuchen ihr Kind im Zaum zu halten. Ins Wasser lassen sie es erst mal nicht, weil dort der Zottel schon wild planscht. Warum reagieren die Eltern so? Weil ihrem Kleinen schon öfter ein derart aufgedrehtes Tier nachgejagt ist. Zig mal erlebt hat man auch, dass Halter die Hinterlassenschaften ihre Hunde auf der Wiese liegen lassen. Hunde an Seen sind nur am Platz angeleint akzeptabel – weil es unter Hundehaltern zu viele Ignoranten gibt. Der Mensch hat Vorrang vor dem Tier.

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