Grafiken in der Galerie Henn: Stuttgart, wie es ganz früher einmal war

Fürstlicher Lustgarten Stuttgart - ein Kupferstich von Matthäus Merian der Ältere von 1616
Jan Sellner- Galerie Henn zeigt Druckgrafiken zu Stuttgart und Württemberg – Ausstellung bis 12. September.
- Titel „Das Pferd des Herzogs II“: Reiterbildnis von 1616, im Hintergrund die Residenzstadt.
- 40 Exponate vom 16. bis 19. Jahrhundert, darunter seltene Blätter und eine Karte von 1814.
- Archivar a. D. lobt „historisch Greifbares“ und die Aura der Objekte zwischen 1590 und 1870.
- Motive reichen von Lustgarten, Königstraße, Karlsplatz mit Obelisk bis Schloss Rosenstein.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wie Stuttgart früher ausgesehen hat, lange bevor der Fotoapparat erfunden wurde, ist glücklicherweise nicht unserer Fantasie überlassen. Vielmehr kann sich der interessierte Betrachter anhand von Druckgrafiken ein Bild davon machen. Das vorhandene geschichtliche Interesse steht allerdings in einem seltsamen Kontrast zu dem in den vergangenen Jahren stark nachlassenden Interesse an dieser Art Darstellungen, namentlich an Kupferstiche, an Radierungen, Aquatinten und Lithografien.
Die Galerie Henn in der Wagenburgstraße 4 nimmt nun einen neuen Anlauf, Druckgrafiken Aufmerksamkeit zu verschaffen. „Das Pferd des Herzogs II“ lautet der Titel einer jetzt eröffneten Ausstellung, die bis zum 12. September zu sehen ist. Namensgebend ist ein Reiterbildnis des württembergischen Herzogs Johann Friedrich von 1616. Im Kern geht es jedoch um Stuttgart. Auch schon im Titelbild, denn im Hintergrund ist die Residenzstadt zu sehen. Damals noch mit Stadtmauer.
Galerist Andreas Henn knüpft damit an eine gleichlautende Ausstellung von 2013 an. Er räumt ein, dass Druckgrafiken „ein Orchideengebiet geworden sind“. Bundesweit gäbe es nur noch drei große Versandantiquariate. Weil ihm diese Kunstform aber eine „Herzensangelegenheit“ sei, stellt er aktuell 40 Exponate aus, die Stuttgart und die Geschichte des Hauses Württemberg zum Thema haben, darunter seltene Arbeiten oder Unikate, wie ein mit Tusche handgezeichnete Karte von Ludwigsburg und Umgebung aus dem Jahr 1814.
Objekte von „faszinierendem Zauber“
Albrecht Ernst, der bis zu seinem Ruhestand verantwortlicher Archivar im Hauptstaatsarchiv war, lobte die Ausstellung bei der Eröffnung als „bemerkenswerten Beitrag, die Geschichte Württembergs und Stuttgarts in kunstvollen Blättern aus Papier anschaulich werden zu lassen“. Henn biete damit dem mutmaßlichen Zeitgeschmack die Stirn und unterstreiche die Bedeutung des „historisch Greifbaren“ in der heutigen digital geprägten Welt. Ernst sprach von der „Aura“ und „faszinierenden Zauber, der die jahrhundertealten, zwischen 1590 und 1870 geschaffenen Objekte umgibt“.

Das königliche Landhaus Rosenstein, heute Schloss Rosenstein, thronte um 1853 noch einsam in der Landschaft.
Jan SellnerBei der Sichtung der Exponate ist er „auf spektakulären Neuzugänge“ gestoßen, „die das vorindustrielle Stuttgart aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen in den Blick zu nehmen: Mal von Osten mit der Hohen Karlsschule im Vordergrund, mal von der ungewohnten ,Abendseite'. Die Ausstellung, lobte Ernst, zeige aufschlussreiche Stadtpläne und etliche Stuttgart-Motive – vom Lustgarten bis zum Bärensee, von der frühen Königstraße bis zum einsam über dem Neckar thronenden Schloss Rosenstein“.
Überraschend zu sehen: Auf dem Karlsplatz stand 1795 ein etwa zehn Meter hoher Marmorobelisk. Überraschend auch: drei Lithographien verschiedener Rinderrassen, die König Wilhelm I. zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus der Steiermark und Ägypten zu Zuchtzwecken hatte herbeischaffen lassen. Reichlich Auswahl, um der Empfehlung von Albrecht Ernst zu folgen und sich „von Faszination des Authentischen“ in den Bann ziehen zu lassen.

