Heizen in Stuttgart
: Hunderte Stuttgarter suchen Rat beim Wärmepumpen-Papst

Welche Heizung ist die richtige für mein Haus? Steigende Energiepreise und neue Vorgaben schüren die Unsicherheit. Ein europaweit renommierter Experte hatte nun Tipps für Stuttgarter.
Von
Torsten Schöll
Stuttgart
Wärmepumpe: PRODUKTION - 01.03.2026, Baden-Württemberg, Stuttgart: Eine Wärmepumpe in einem privaten Einfamilienhaus. (zu dpa: «Hamburg stellt Entwurf zur kommunalen Wärmeplanung vor») Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Wärmepumpe allein dürfe man beim Heizungstausch nicht betrachten, sagt Thomas Nowak, der Experte aus Brüssel.

Bernd Weißbrod/dpa
  • Stuttgart informiert über Wärmeversorgung – erste Veranstaltung „Energieforum“ fand statt.
  • Viele Hauseigentümer sind verunsichert: leere Gasspeicher und steigende Energiepreise.
  • EHPA-Experte Thomas Nowak: Wärmepumpen passen oft, aber nur mit passendem Verteilsystem.
  • Test empfohlen: Läuft die Gasheizung mit 55 Grad Vorlauf, ist Umstieg gut möglich.
  • Tipps: Infos zu Kosten und Platz bereithalten, lokale Handwerker mit Referenzen wählen.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Die Nachricht verunsichert derzeit viele: Die Gasspeicher in Deutschland sind aktuell vergleichsweise leer. Gleichzeitig steigen die Preise für fossile Energieträger stetig an. Der dadurch entstehende ökonomische Druck lässt nicht wenige Hauseigentümer in Sachen Heizungstechnik umdenken. Immer dringlicher wird dabei die Frage: Was muss ich selbst beim Umstieg auf eine moderne Wärmepumpe wissen?

Genau davon fühlen sich viele jedoch überfordert. Nicht einfacher gemacht hat die Entscheidung zu einem Wechsel im Heizungskeller, dass der Gesetzgeber mit dem seit Juli dieses Jahres geltenden Gebäudemodernisierungsgesetz es nun auch wieder ermöglicht, moderne Gasheizungen neu einzubauen. Es zeigt sich: Noch mehr Möglichkeiten lösen eher noch mehr Unsicherheit aus.

Auch im Hinblick auf die eigenen Klimaziele bis 2035 reagiert die Stadt Stuttgart auf diese Gesamtentwicklung jetzt mit einer neuen Veranstaltungsreihe, die die Bürger über die bestehenden Möglichkeiten der Wärmeversorgung „intensiver und kontinuierlicher“ informieren möchte. Am Mittwochabend fand im Rahmen der neuen Reihe unter dem Titel „Energieforum“ die erste Informationsveranstaltung statt. Thema: „Wärmepumpe im Ein- und Zweifamilienhaus“.

Heizung: ARCHIV - 07.03.2019, Niedersachsen, Hannover: Eine Frau dreht am Thermostat einer Heizung. (zu dpa: «WWF-Untersuchung: Wann sich eine Wärmepumpe rechnet») Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Manchmal müssen die Heizkörper für eine Wärmepumpe getauscht werden – aber nicht immer.

Hauke-Christian Dittrich/dpa

Sind Wärmepumpen in jedem Haus möglich?

Dass mehr Information offenbar dringend Not tut, belegt der große Zuspruch zur Veranstaltung. Mehrere Hundert private Hausbesitzer sind in den Schiller-Saal der Liederhalle gekommen, um die eingeladenen Experten zu hören. Fast alle Zuhörer, so zeigt eine kurze Befragung, heizen noch immer mit Gas oder Öl.

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Thomas Nowak, tätig im Vorstand der European Heat Pump Association (EHPA) in Brüssel, gilt als europaweit anerkannte Koryphäe in Sachen Wärmepumpe. Ihn hat die Stadt vor allem für diesen Abend eingeladen, weil er überzeugend darzulegen verspricht, dass der Einbau einer Wärmepumpe in praktisch jedem Haus möglich ist.

„Die Wärmepumpe kann nie alleine betrachtet werden.“
Thomas Nowak
European Heat Pump Association Brüssel

Den oft gehörten Einwand „im Altbau kann man keine Wärmepumpe einsetzen“ lässt er nicht gelten: Der Experte betont jedoch auch: „Die Wärmepumpe kann nie alleine betrachtet werden“, sie müsse zum Haus und seinem Wärmeverteilsystem jeweils passen. „Dieses Wärmeverteilsystem muss am Ende genügend Energie ins Haus bringen“, sagt Nowak.

Reicht eine Vorlauftemperatur von 55 Grad?

Ob das Verteilsystem, also im Wesentlichen die Art und Größe der Heizkörper, bereits geeignet sei oder ebenfalls nachgerüstet werden müsse, um auch mittels Wärmepumpe für ausreichend Wärme zu sorgen, könne im ersten Schritt einfach überprüft werden, so der Fachmann: „Testen Sie, ob Ihre Gas-Brennwertheizung mit einer Vorlauftemperatur von 55 Grad funktioniert.“ Funktionieren heißt: Ist das Haus bei dieser Temperatur und bei Außenkälte immer noch komfortabel warm?

Sei das der Fall, so Nowak, „kann man zum Installateur gehen und loslegen“. Je tiefer man die Vorlauftemperatur in einer Testphase herunterregeln kann, ohne den Wärmekomfort zu verlieren, umso besser. Als wertvollen Leitfaden, um sich selbst mit wenig Aufwand in die Materie einzuarbeiten und die richtige Wärmepumpe für das eigene Haus zu finden, empfiehlt Nowak die Informationen, die die Non-Profit-Organisation Heat Pumps Watch aktuell auf ihrer Internetseite zur Verfügung stellt (https://heatpumpswatch.org). Hier werde in 18 verständlichen Kapiteln durch das komplexe Thema geführt.

Wie hoch sind die aktuellen Heizkosten?

Wer den Schritt zur Wärmepumpe anschließend gehen möchte, müsse Beratern wie denen des Energieberatungszentrums Stuttgart oder jedem Planer einige Informationen liefern, die es parat zu halten gilt: Welches Heizungssystem besteht aktuell? Welches Heizungsverteilsystem? Wie hoch sind die derzeitigen Heizkosten? Wie hoch liegen die Stromkosten? „Und Sie müssen wissen, wie viel Platz Sie ums Haus haben“, betont Nowak. Stichwort: Geothermie-Wärmepumpe: Eine Bohranlage für die Tiefenbohrung benötige etwas Platz, so der Experte. Wo dieser nicht vorhanden ist, kommen weiterhin die Luft-Wasser-Wärmepumpe zum Einsatz.

Eher den lokalen Handwerker wählen?

Eine weitere Perspektive bringt Hubert Schnüpcke an diesem Abend ein. Der Sillenbucher ist kein Fachmann, hat als Eigenheimbesitzer jedoch selbst viel Erfahrung bei der Haussanierung und der Installierung einer neuen Wärmepumpenheizung gesammelt. Er rät vor allem, bei der Wahl des durchführenden Unternehmens auf lokale Handwerksbetriebe zu setzen: „Ich hatte ein gutes Gefühl, wenn der Handwerker Referenzen aus der Umgebung hatte“, betont Schnüpcke. Soll heißen: War der Nachbar mit der Leistung zufrieden, ist man es selbst am Ende höchstwahrscheinlich auch.

Die Stadt hat alle Folien der Vorträge der Info-Veranstaltung unter https://www.stuttgart.de/aktion-gebaeudesanierung ins Netz gestellt.