Hassparolen in der Stadtbahn
: Mann schreit „Sieg Heil“ in der U12 – Staatsschutz ermittelt

Ein Video zeigt einen Mann, der in der Stuttgarter U12 den Hitlergruß zeigt und Parolen ruft. Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung und sucht Zeugen.
Von
Eberhard Wein und Andreas Reiner
Stuttgart

In einer Stadtbahn am Nordbahnhof ist es zu einem rechtsradikalen Vorfall gekommen.

IMAGO/Arnulf Hettrich

Ein Mann sitzt in der Stuttgarter Stadtbahn, guckt in sein Handy, wird plötzlich gegenüber einem anderen Fahrgast ausfällig, schreit herum, dann ruft er mehrfach „Sieg Heil“ und hebt dabei seinen rechten Arm. Die Szene ist am Wochenende auf verschiedenen Onlineplattformen aufgetaucht. Teilweise wurde der Kurzfilm wieder gelöscht – vermutlich von den Plattformbetreibern. Lediglich auf X, vormals Twitter ist es weiterhin verfügbar. Jetzt ermittelt der Staatsschutz der Stuttgarter Kriminalpolizei. „Wir suchen Zeugen, die dabei waren“, sagte ein Polizeisprecher.

In dem Video ist zu sehen, wie der Mann mit einem anderen Fahrgast in der fast leeren Stadtbahn spricht. Erst erklärt er offenbar seinem Gegenüber, dass dieser kein Deutscher sei – „sonst wären Sie nicht so negativ mir gegenüber eingestellt“. Dann schreit er unvermittelt los: Die Regierung gehöre „notfalls mit Gewalt beseitigt“. Seine Stimme überschlägt sich, als er von Gaskammern und einer „Wiederauferstehung des nationalsozialistischen Gedankens“ schwadroniert. Schließlich folgt dann der aggressiv ausgeführte „Hitlergruß“, bei dem er laut „Sieg Heil“ ruft, sich umdreht und durch die Stadtbahn blickt.

Wusste der Mann, dass er gefilmt wird?

Ob der Mann weiß, dass er gefilmt wird, wird nicht klar. Im Hintergrund des Videos sieht man, dass die Bahn an der Haltestelle Nordbahnhof anhält und dann weiter in Richtung Remseck fährt. Die Polizei geht deshalb davon aus, dass es sich um die U 12 handelt. Die Vorfall dürfte sich demnach am Sonntag gegen 10 Uhr abgespielt haben, glaubt die Polizei. Der Unbekannte sei 35 bis 45 Jahre alt und habe dunkle kurze Haare. Zur Tatzeit habe er ein blaues langes Hemd und eine dunkle Hose getragen. Insgesamt wirkt er in dem Video gepflegt.

Eine Sprecherin der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) erklärte, bisher keine Informationen über einen solchen Vorfall zu haben. Die Polizei geht dennoch davon aus, dass das Video authentisch ist. Bisher seien keine Hinweise auf eine Herstellung mittels Künstlicher Intelligenz gefunden worden. „Wir ermitteln wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen und wegen Volksverhetzung“, sagte der Polizeisprecher. Allerdings könnte auch derjenige, der das Video ins Netz gestellt hat, sich strafbar gemacht haben. Es bestehe zumindest der Verdacht eines Verstoßes gegen das Urhebergesetz.

Die Person, die das Video zur Dokumentation ins Internet stellte, wollte sich auf Anfrage nicht weiter äußern, auch wegen drohender Ermittlungen. Nur soviel: Er habe die Szene selbst erlebt und das Video erstellt, sagte der User. Zu dem Mann in dem Video könne er keine Angaben machen. Er habe ihn bis zu diesem Vorfall nicht gekannt.

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