Gastronomie in Stuttgart
: Was die Plieninger Garbe-Wirte für die Planie in der City planen

Seit 350 Jahren ist die Garbe in Plieningen ein Gasthaus – seit 15 Jahren führen die heutigen Wirte die Tradition fort. Bald schreiben sie als Betreiber der Planie ein neues Kapitel.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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Das Wirtshaus Garbe in Plieningen geht auf das 18. Jahrhundert zurück.

Garbe

Unter den ausladenden Kronen alter Kastanienbäume ist die Luft erfüllt von Stimmengewirr, vom Lachen gutgelaunter Menschen, vom Klacken der Steinkrüge, die aus dem Kühlschrank kommen und in dem nun das eiskalte Augustiner perlt. Im Biergarten der Garbe in Plieningen hat der Duft von frisch gebackenen Dinneten etwas Verführerisches. Warme Hefenoten mischen sich mit dem leicht rauchigen Geruch des neuen Buchenholzofens und dem herzhaften Aroma der Beläge, ob Käse, Speck oder Kräuter.

Die traditionsreiche Garbe zählt zu den schönsten Sommertreffpunkten in Stuttgart. Die beiden Betreiber Marius Tim Schlatter und Robert Ruthenberg haben vor genau 15 Jahren das Wirtshaus aus Herzogs Zeiten übernommen – und in die Zukunft geführt, sprich: zu einem Ort für Genuss in Bio-Qualität und Geselligkeit für alle Generationen gemacht.

Das Duo wird im kommenden Jahr das nächste Kapitel schreiben: Die beiden, die außerdem in Kirchheim unter Teck das Stadthotel Waldhorn mit dem Restaurant Holz & Feuer betreiben, übernehmen das lange verwaiste Grand Café Planie am Karlsplatz in der City. Es scheint, als warte ganz Stuttgart auf den Neustart. Die Planie mit ihren ständig wachsenden Verzögerungen ist Stadtgespräch.

Die Garbe war früher einmal ein Studierendenwohnheim

Aber jetzt feiern die beiden Gastronomen erst einmal den 15. Geburtstag der Garbe unter ihrer Führung. Kaum ein Gast ahnt, dass an diesem Ort schon seit über 350 Jahren Menschen einkehren. 1768 erhielt Herzog Karl Eugen den damaligen „Garbenhof“ und richtete dort eine Wirtschaft ein – samt Genehmigung zum Tanzen. Über die Jahrhunderte blieb das Haus ein Anziehungspunkt, auch wenn sich seine Nutzung zeitweise wandelte: In den 60er-Jahren etwa wurde das Gebäude zum Studierendenwohnheim. 1978 kehrte die Gastronomie zurück – und ist bis heute aus Plieningen nicht wegzudenken.

Auf diesem Foto aus dem Jahr 1942 erkennt man das Wirtshaus Garbe sofort.

Foto: Stadtarchiv Stuttgart

Bis 1967 fuhr die Straßenbahn direkt an der Garbe vorbei. Ein kleines Bahnhofsgebäude, die Wartehalle und ein Lokschuppen standen hier. 2009 hat Robert Ruthenberg das Wirtshaus übernommen, liebevoll renoviert, den Biergarten verschönert und das gastronomische Konzept mit seinem heutigen Partner Marius Tim Schlatter geschärft. Beide legen großen Wert auf handwerkliche Kochkunst.

In der Garbe reift der Teig für die Dinneten 36 Stunden lang

Den hausgemachten Teig für die schwäbischen Dinneten lassen sie 36 Stunden reifen, damit er besonders bekömmlich wird. Da werden keine tiefgekühlten Packungen aufgerissen. Einheitssoßen und Einheitsgeschmack sind verpönt, auch die Maultaschen stammen aus der eigenen Produktion. „Unser Lammfleisch beziehen wir ausschließlich aus Schlat bei Göppingen“, sagt Schlatter, „die Tiere leben dort auf Streuobstwiesen, was sich in der Qualität des Produkts deutlich widerspiegelt.“ Besonders wichtig ist den Garbe-Gastronomen „die enge Zusammenarbeit mit regionalen Partnern“, unter anderem mit der Manufaktur von Jörg Geiger.

Trotz wachsender Bebauung hat Plieningen seinen dörflichen Charakter bis heute behalten. Die Garbe ist dabei mehr als nur ein Restaurant und Hotel – sie ist Treffpunkt für Studierende der Uni Hohenheim, für Geschäftsleute, für Familien, für Ausflügler, die im angrenzenden Park (der gerade saniert wird und deshalb geschlossen ist) spazieren gehen. Zum Personal zählen etliche Mini-Jobber, die ganz in der Nähe studieren.

Das frühere Grand Café Planie wird schlicht Planie heißen

Dass Schlatter und Ruthenberg auf Bio-Qualität setzen und sich damit einen Namen gemacht haben, dürfte mitgeholfen haben, dass sie den Zuschlag für das frühere Grand Café Planie bekamen. Den darauf legte das Finanzministerium als Eigentümer in der Ausschreibung großen Wert.

Im kommenden Jahr übernehmen die Garbe-Betreiber das Traditionshaus am Karlsplatz und werden es schlicht Planie nennen. Der genaue Eröffnungstag steht noch nicht fest, anvisiert ist das Frühjahr. Mit ihrer Erfahrung in regionaler Bio-Küche und Gastlichkeit wollen die Wirte auch dort einen neuen Anziehungspunkt schaffen. Einen Holzofen wie in Plieningen können sie in der Stuttgarter City jedoch nicht installieren, das verbietet das Baurecht. „Es wird ein Gasofen“, sagt Schlatter.

Die Planie werde „eine Mischung aus der Garbe und dem Holz & Feuer“, erklärt der Gastronom. Auch Veganer und Vegetarier sollen sich „bei erschwinglichen Preisen“ wohl fühlen. Wie in der Vergangenheit solle das Kaffeehaus mit einer großen Auswahl an Kuchen und Torten führend in der Stadt werden.

„Das wird ein Prestigeprojekt“, erklärt Marius Tim Schlatter. Das Land investiere viel Geld, „ein privater Investor hätte das nicht gestemmt“. Dass sich die Sanierung immer wieder verzögert habe, liege an der alten Immobilie, deren Bausubstanz für unerwartete Überraschungen sorge. „Es ist besser, man baut jetzt für die Zukunft“ findet er, „das dauert dann halt ein wenig länger, aber dann wird alles schön.“

Vor dem Neustart hat Schlatter mit seinem Kollegen Ruthenberg Ehrfurcht. „Wir wissen, dass wir in große Fußstapfen treffen“, sagt er, „die Erwartungshaltung wird groß sein.“ Er freut sich, dass etliche aus dem bewährten jungen Garbe-Team mit in die Planie wechseln werden.

Mit dem Start der Planie möchte das Betreiber-Duo nicht nur ein weiteres gastronomisches Highlight schaffen, sondern auch die Stuttgarter Stadtmitte beleben. Die Mischung aus Tradition, regionaler Qualität und urbaner Lebensfreude soll sowohl alte Garbe-Gäste als auch neue Besucher begeistern.

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