Gastro-Test: Distelfarm auf dem Burgholzhof
: Allein die Aussicht auf­ die Aussicht ist verlockend

Der Blick hinunter nach Feuerbach ist atemberaubend, aber auch die Speisekarte kann sich sehen lassen. Wir haben die Distelfarm auf dem Burgholzhof besucht.
Von
Tom Hörner
Stuttgart
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Stuttgarter Nachrichten

Stuttgart - Ist es ein gutes Zeichen für ein Lokal, wenn man zuerst auf die Aussicht zu sprechen kommt? In dem Fall schon, denn auch das, was einem in der Distelfarm aufgetischt wird, braucht sich nicht zu verstecken.

Um die atemberaubende Aussicht aber bei dem Gasthaus an der Westseite des ­Robert-Bosch-Krankenhauses kommt man einfach nicht ­herum. Direkt zu unseren Füßen ­Gärten und Weinberge. Gleich ­dahinter: der Pragsattel mit seinem ­Reklamebunker, rechts ­davon die Auto­häuser-Meile ­Heilbronner Straße. Aus ­dieser Warte hoch über der Stadt wird selbst der zäh fließende Verkehr zur Augenweide, vor allem abends, wenn im Stau die Bremslichter leuchten.

Die Aussicht auf die Aussicht war es auch, die den Restaurantfachmann Andre ­Mechow, 43, Anfang des Jahres den Pachtvertrag mit dem Kleingärtnerverein Burgholzhof unterschreiben ließ. Zuvor hat er etliche Jahre in verschiedenen Lokalen auf der Ferieninsel Ibiza gearbeitet – und das mag auch der Grund sein, dass Distelfarm-Wirt Mechow mit seiner Speisekarte über den Tellerrand eines Vereinslokals hinausschauen will. Natürlich, auch Freunde schwäbischer Hausmannskost kommen auf ihre Kosten: Geschmälzte Maultaschen mit Röstzwiebeln, Trollingersoße und ­Kartoffel-Radieschensalat (10,80 Euro ) und Kässpätzle mit Speck, Röstzwiebeln und Salat (8,20 Euro) dürfen nicht fehlen.

Mit einer wechselnden Karte ­versucht der kochende Wirt auch andere ­Akzente zu setzen, mal Fisch, mal Fleisch, mal vegetarisch. Allein schon die Vorspeisen sind die Anfahrt aus dem Talkessel wert: Wunderbar würzig ist der auf krossen Brotscheiben servierte, überbackene Ziegenkäse; toll im Aroma sind die mit mediterranen Gewürzen zubereiteten, in Olivenöl schwimmenden Champignons. Nur beim Ackersalat mit ­Kartoffel- und Speckwürfeln hat es der Koch etwas zu gut mit uns gemeint. Etwas weniger Salatsoße wäre mehr gewesen. Preislich liegen die Vorspeisen zwischen 4,80 und 6,90 Euro.

Tadellos das Rehragout mit Mandel­spätzle (15,90 Euro), aber die eigentliche Sensation ist das Hirschfilet mit Rosenkohl (22,90 Euro): Das Fleisch ist butterzart, die dunkle Soße mit säuerlichen Granatapfelkernen erste Sahne. Um das dazu gereichte mächtige Kartoffelgratin packen zu ­können, hätte man allerdings auf den Burgholzhof stiefeln müssen.

Auch wenn man an diesem regnerischen Spätherbstabend nur durchs Fenster nach draußen schauen konnte, sind wir doch satt und zufrieden. Das Verlockendste aber ist die Aussicht auf den Sommer.

Der Service

Adresse: Distelfarm, Inhaber: Andre ­Mechow, Paul-Hahn-Weg 10, 70367 Stuttgart, Telefon: 07  11/85 17 82.

Öffnungszeiten: Mo bis Sa von 12 bis 23 Uhr. So von 11 bis 21 Uhr.

Extras: Innenbereich mit bis zu 140 Sitz­plätzen. Im Außenbereich mit tollem Panoramablick finden in der ­warmen Jahreszeit bis zu 220 Personen Platz. Gelegentlich gibt es sommers hier auch Livemusik. In einem ­lauschigen Zelt finden Raucher ein windstilles Plätzchen. Täglich wechselnder Mittagstisch mit Speisen zwischen 6,90 und 7,90 Euro.

Anfahrt: Mit der Buslinie 57 vom Pragsattel bis zur Haltstelle Robert-Bosch-Krankenhaus.

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