Frühlingsfest: 88 Meter ohne Seil in die Tiefe

Der riesige Affe thront hoch über dem Frühlingsfest
Max KovalenkoStuttgart - King Kong sieht winzig aus. Zumindest von unten. Tatsächlich ist der Riesenaffe – der die Spitze des Mega King Tower auf dem Frühlingsfest ziert – 6,70 Meter groß. King Kong mitgerechnet ist der Freefalltower 97 Meter hoch, 88 Meter legen die Besucher in freiem Fall zurück. Damit ist der Mega King Tower laut Hersteller der größte transportable Freefalltower der Welt.
Im Februar wurde er von der österreichischen Firma Funtime, die sich auf Fahrgeschäfte spezialisiert hat, fertiggestellt. Damit ist der 80 Meter hohe Skyfall, ebenfalls ein Fabrikat von Funtime, als höchster Freefalltower abgelöst. Beim diesjährigen Frühlingsfest ist der Mega King Tower zum ersten Mal in Betrieb – und schlägt auf den Magen.
Drei Millionen Euro haben Zinneckers investiert
Das hat auch Carolin Ocker aus Stuttgart erlebt. Man könnte meinen, die 16-Jährige leide unter Schnappatmung, als sie nach dem Sturz aus dem Turm steigt. „Achterbahn ist harmloser“, sagt sie. Ihre Hände zittern. Spaß hat es ihr trotzdem gemacht. „Kurz bevor es losgeht, ist es am schlimmsten“, sagt sie. Andere empfinden gerade das als angenehm: Es gibt keinen Startschuss.
Abwärts geht es in jedem Fall. Dabei werden die Insassen um das Sechsfache ihres eigenen Körpergewichts belastet – mehr als in jeder Achterbahn. Und im Gegensatz zu anderen Freefalltowern wird die Gondel des Mega King Tower nicht durch ein Seil gehalten. Die Gondel bremst durch zwei gleich gepolte Magnete, die sanftes Abfedern ermöglichen.
„Eigentlich werden so starke Magnete nur bei Magnetschwebebahnen eingesetzt“, erklärt Andreas Zinnecker, Betreiber des Fahrgeschäfts. 380 000 Euro der insgesamt etwa drei Millionen Euro teuren Anlage hat allein der Magnet gekostet. Aber wie kommt man überhaupt dazu, einen Freefalltower zu kaufen?
"Man ist gewohnt, ständig unterwegs zu sein"
„Er soll unser letztes Fahrgeschäft sein“, sagt Claudia Zinnecker, Andreas Zinneckers Ehefrau. Sie sitzt im Kassenhäuschen vor dem Freefalltower, bei dem über die Sommermonate ein Techniker, eine Kassierdame und vier Einweiser beschäftigt sind. Claudia Zinnecker kommt aus einer Zirkus-, ihr Ehemann aus einer Schaustellerfamilie, die schon im Europa der Königshäuser als Gaukler aktiv war. „Das hat gepasst, da man gewohnt ist, ständig unterwegs zu sein“, so die 43-Jährige.
Gepasst hat es bei ihr und Andreas vor allem früh: Mit 18 Jahren gab sie dem 23-Jährigen das Jawort, danach begann ohne Berufsausbildung die Schaustellerkarriere der beiden. Mit einer vier Meter langen Wurfbude. „Aus der Wurfbude wurde eine Käfigschaukel, aus der Käfigschaukel ein Schunkler, aus dem Schunkler ein ‚Breakdance‘ und ein Flugsimulator, daraus ein Loop Fighter, und heute haben wir den Mega King Tower“, sagt Zinnecker. Der sollte eigentlich King Kong Tower heißen, musste aus markenrechtlichen Gründen aber umbenannt werden.
Das Fahrgeschäft-Ungetüm beanspruchte eine Bauzeit von einem halben Jahr. „Da es einen Turm in dieser Größe noch nicht gab, musste vieles neu entwickelt werden“, sagt Zinnecker. Schließlich lief der insgesamt 250 Tonnen schwere Fahrgeschäftskahn aus der Werft. Und musste erst mal 5000 Testläufe bestehen, bevor er die Tüv-Zulassung erhielt. Insgesamt auf 13 Volksfesten quer durch Deutschland wird der Mega King Tower Mägen verdrehen, bei jedem Ortswechsel wird er drei Tage auf- und drei Tage abgebaut.
24 Personen passen in die Gondel
Dann geht es für den Freefalltower teilchenweise mit sechs Sattelschleppern zum nächsten Ort. Wenn man bedenkt, dass 24 Personen in die Gondel passen, eine Fahrt ohne Ermäßigung vier Euro kostet und selbst bei Dauerbetrieb nicht mehr als zwölf Fahrten pro Stunde drin sind – die Gondel will schließlich erst einmal 88 Meter hochgezogen werden –, wird es ein Weilchen dauern, bis sich die Drei-Millionen-Euro-Investition amortisiert hat.
Claudia Zinnecker sieht das gelassen: „Der Mega King Tower wird ewig halten, er ist sehr gut verbaut.“ Außerdem liebt sie das Adrenalin, selbst einzusteigen. „Ich bin Schaustellerin aus Überzeugung.“
