Freizeitsport: Kunst des "Blobs"
: „Der Adrenalin-Kick ist immer da“

Seit drei Jahren betreibt Patrik Baumann einen Sport, von dem man als Kind nur zu träumen vermochte: Er springt von Türmen auf ein im Wasser liegendes Luftkissen oder lässt sich von jenem ins Wasser katapultieren. Was nach Hüpfburg, Spaß und Freibad-Action klingt, benötigt jedoch viel Training.
Von
Nadja Dilger
Stuttgart
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Blobbing: Zwei springen von einem Turm aus auf ein Luftkissen, ein Dritter wird dadurch in die Luft katapultiert und zeigt Tricks

Montage: Andreas Mohaupt

Seit drei Jahren betreibt Patrik Baumann einen Sport, von dem man als Kind nur zu träumen vermochte: Er springt von Türmen auf ein im Wasser liegendes Luftkissen oder lässt sich von jenem ins Wasser katapultieren. Was nach Hüpfburg, Spaß und Freibad-Action klingt, benötigt jedoch viel Training.

Stuttgart - Herr Baumann, schön, dass ich Sie erreiche.

Ja, ich bin am Wochenende immer am Trainieren fürs Blobbing.

Was trainiert man denn da?

Na ja, wie man zum Beispiel richtig abspringt, wie man sein Gewicht verlagern sollte, um den Blob zu beeinflussen, und dann kann man noch an seinen Saltos und Tricks feilen – dabei ist zum Beispiel auch Körperbeherrschung wichtig.

Blob? Saltos? Tricks? Ich dachte, man springt nur auf ein Luftkissen und lässt sich ins Wasser fallen . . .

Nein. Beim Blobbing besteht ein Team aus drei Leuten. Zwei springen von einem Turm auf ein im Wasser liegendes Luftkissen, der Dritte sitzt vorne auf dem Luftkissen und fliegt durch das Aufkommen der anderen zwei in die Höhe . . .

. . . und dann ins Wasser?

Genau. Dabei kann er Saltos und Schrauben machen, bevor er im Wasser landet. Was Einfluss auf die Wertung der Jury hat.

Das ist ja wie beim Sprungbrett-Springen im Schwimmbad!

Ein wenig, nur dass man Blobbing meist nicht im Freibad machen kann, dafür ist das Becken nicht lang genug. Das Luftkissen, genannt Blob, ist zehn Meter lang.

Und wo trainieren Sie dann?

In Österreich bei Ötztal gibt es eine Extremsportanlage. Dort gibt es einen fest installierten Blob. Ansonsten trainiere ich derzeit bei den Tourstops der diesjährigen Orangina-Blobbing-Tour. Am Gederner See in Hessen wird es ab diesem Sommer die erste fest installierte Blobbing-Anlage in Deutschland geben.

Haben Sie denn schon einmal gewonnen?

Ja, 2013 wurde ich mit meinem Team von Blob Germany bayerischer Meister sowie Zweiter der Österreichischen Staatsmeisterschaft.

Sind Sie auf den Blob gesprungen? Oder wurden Sie ins Wasser katapultiert?

Da das Team so aufgebaut wird, dass zwei große Leute hinten reinspringen und der Leichteste vorne drinsitzt und sich hoch katapultieren lässt, wurde ich leider nicht katapultiert. Aber mein Teamkollege hatte aufgrund seiner Größe viel Zeit in der Luft, um seinen vierfachen Salto zu zeigen.

Was gibt den größeren Kick?

Das kann ich so nicht pauschalisieren. Je nachdem, was einem lieber ist. Ich würde aber sagen, die meisten lassen sich lieber vorne rausblobben.

Kann man beim Rausblobben auch mal seine Badehose oder seinen Bikini verlieren?

Also mir ist das noch nie im Freibad passiert – auch nicht beim Blobben. Da trägt man übrigens einen Helm und eine Schwimmweste.

Wie kamen Sie zum Blobbing?

Ich war früher aktiv im Klippenspringen und Splashdiving. Da zeigt man ebenfalls Saltos und Schrauben. Da lag es nahe, sich auch mal auf das Luftkissen zu legen.

Braucht man Vorkenntnisse fürs Blobbing?

Nein. Jeder kann sich daran versuchen. Bei der Blobbing-Tour gibt es offene Runden, in denen man sich ausprobieren kann. Für den Contest in Schorndorf ist ebenfalls eine Anmeldung für solch eine Runde zu finden, unter www.blobbingbattle.de. Wer hier gewinnt, kann sich für die Deutsche Meisterschaft in Schweinfurt qualifizieren. Einfacher ist das Blobbing vielleicht für Turner, da diese in Saltos und Schrauben geübt sind.

Bei welchem Tourstopp waren denn bisher die meisten Blobber?

In Köln. Da waren um die 35 Grad, und die Anlage war voll. Generell ist es aber schwer einzuschätzen, wie viele Teilnehmer kommen, da es immer wetterabhängig ist.

Und für den Contest, auf was kommt es da an?

Beim Contest kommt es auf die Performance an: Wie ist der Style des Blobbers, wie die Landung, was für einen Trick zeigt er, und wie sind seine Kollegen auf das Luftkissen aufgekommen? Insgesamt gibt es vier Runden, in denen die Teams gegeneinander antreten. Das Team, das gewinnt, qualifiziert sich automatisch für die Deutsche Blobbing-Meisterschaft am 26. Juli in Schweinfurt.

Das Ganze scheint nicht so leicht wie Hüpfburg-Springen zu sein . . .

Auch nicht so leicht wie Sprungbrett-Springen (lacht). Aber es kommt darauf an, was man erreichen will. Spaß kann jeder dabei haben, und das Gefühl beim Blobbing sollte man sich nicht entgehen lassen. Der Adrenalin-Kick ist immer da – egal, ob als Anfänger oder erfahrener Contestteilnehmer.

Am 5. Juli findet ab 10 Uhr die erste Orangina-Blobbing-Tour im Ziegelei-Seebad Schorndorf statt. Die Contestteilnahme und das Blobbing sind kostenlos, es muss lediglich der Eintritt in das Bad gezahlt werden. Weitere Infos unter www.blobbingbattle.de oder www.blob-tour.de

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