Finanzminister Bayaz zu Anna Netrebko in Stuttgart
: „Wer nicht mit dem Kriegstreiber bricht, hat keinen Platz bei uns!“

Solange sich Opernstar Anna Netrebko nicht „glaubwürdig“ von Putin distanziert, hat sie keine Chance, im September auf dem Schlossplatz singen zu können. Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) fordert, dass sie „mit dem brutalen Kriegstreiber bricht“.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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  • Die aus Russland stammende Anna Netrebko steht in der Kritik.

    dpa//Barbara Gindl
  • Dieses von Maxar Technologies bereitgestellte Satellitenbild zeigt einen Militärkonvoi nordwestlich von der ukrainischen Stadt Invankiv.

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  • Eine Ukrainerin steht neben einem Haus, das bei einem Raketenangriff zerstört wurde.

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  • Rauch und Flamme in der Nähe des Flusses Dnjepr am 24. Februar 2022. Die russischen Truppen haben ihren erwarteten Angriff auf die Ukraine gestartet.

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  • Eine Frau und ein Kind schauen aus dem Fenster eines Busses, als sie Sievierodonetsk in der Region Luhansk in der Ostukraine verlassen.

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  • Eine Frau reagiert vor einem Supermarkt im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt auf Sirenen, die neue Angriffe ankündigen.

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  • Ukraine, Mariupol: Eine Frau und ihre Kinder liegen in einer provisorischen Unterkunft in einem Sportzentrum, das bis zu 2000 Menschen aufnehmen kann.

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  • Ukraine, Brovary: Ein Mann versucht ein durch Beschuss beschädigtes Fahrzeug außerhalb der ukrainischen Hauptstadt zu verlassen. Russische Granaten beschossen am Dienstag zivile Ziele in der zweitgrößten Stadt der Ukraine, Charkiw.

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  • Ukrainische Soldaten fahren in einem Militärfahrzeug.

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  • Russische gepanzerte Fahrzeuge werden auf einem Bahnhof in der Region Rostow am Don unweit der russisch-ukrainischen Grenze auf Bahnsteige verladen.

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  • Ukrainische Polizisten weisen einem Reisenden während eines Luftalarms in Kiew den Weg zum Bahnhofsterminal.

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  • In Uschgorod stellen Freiwillige Molotowcocktails her, um sie gegen russische Truppen einzusetzen.

    dpa/-
  • Freiwillige stellen in Uschgorod aus Stoffstreifen Tarnnetze für ukrainische Kämpfer her.

    dpa/-
  • Polen, Medyka: Mehrere Menschen wärmen sich an einem Feuer am Grenzübergang auf. Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) etwa 368 000 Menschen auf der Flucht.

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  • Ukraine, Lwiw: Fahrgäste warten am Bahnsteig des Bahnhofs.

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  • Menschen, die versuchen, aus der Ukraine zu fliehen, schlafen in einem überfüllten Bahnhof.

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  • Russland, St. Petersburg: Die Polizei nimmt eine Demonstrantin während einer Aktion gegen Russlands Invasion in die Ukraine fest. Trotz Massenverhaftungen gingen die Menschen in Moskau, St. Petersburg und anderen russischen Städten auf die Straße.

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  • Österreich, Wien: Menschen stehen um ein Herz aus Kerzen während sie gegen Russlands Invasion in die Ukraine demonstrieren.

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  • Ukrainische Soldaten beziehen Stellung vor einer Militäreinrichtung, während Feuerwehrleute zwei brennende Autos löschen.

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  • Botschafter und Diplomaten verlassen den Saal, während Sergej Lawrow (auf dem Bildschirm), Außenminister von Russland, mit einer aufgezeichneten Videobotschaft zur 49. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats am europäischen Hauptsitz der Vereinten Nationen spricht. Die Diplomaten verließen den Raum, um gegen den Einmarsch Moskaus in der Ukraine zu protestieren.

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  • Maria Potoschaniak mit Baby Alina (l) aus der Ukraine hat nach ihrer Flucht aus der Ukraine am Bahnhof von Przemysl ihr Lager aufgeschlagen. Zahlreiche Ukrainer verlassen nach Militäraktionen Russlands auf Ukrainischem Staatsgebiet das Land.

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  • Ein beleuchtetes Fenster eines Wohnhauses, dessen Beleuchtung aus Sicherheitsgründen ausgeschaltet ist, in der Stadt Kiew.

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  • Robert Habeck, Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, reist an Bord einer Maschine der Flugbereitschaft nach Washington D.C.. Neben dem Treffen mit seiner Amtskollegin stehen noch weitere Gespräche zu Energiesicherheit und Finanzsanktionen auf dem Programm.

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  • Ein Kind, das aus dem Fenster eines Zugwaggons schaut, während es auf die Abfahrt in Richtung Westukraine wartet, verabschiedet sich von einem Verwandten.

    dpa/Andriy Andriyenko
  • Teilnehmer der Friedensdemonstration am Rosenmontag tragen die ukrainischen Nationalfarben und Schilder mit der Aufschrift „No War“. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine wurde das Rosenmontagsfest abgesagt, stattdessen zieht ein Protestmarsch durch die Innenstadt.

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  • Das Rathaus der Stadt Stralsund wird zum Ausdruck der Solidarität und als Zeichen gegen den russischen Angriff auf das Land in den Farben der Ukraine angeleuchtet.

    dpa/Stefan Sauer
  • Das Brandenburger Tor wird bei einer Solidaritäts-Demonstration für die Ukraine angeleuchtet.

    dpa/Paul Zinken
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Stuttgart - In München und Baden-Baden ist sie bereits ausgeladen worden, für etliche andere Konzerte in Deutschland hat sie selbst abgesagt. Auch in Stuttgart schwinden nun die Chancen, dass die Sopranistin Anna Netrebko am 3. September im Ehrenhof des Neuen Schlosses ihr im vergangenen Jahr wegen Corona ausgefallenes Open-Air-Konzert vor 4000 Gästen nachholen kann. „Wer sich nicht vollständig von einem brutalen Kriegstreiber lossagt, hat bei uns in Stuttgart keinen Platz“, sagte Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion.

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Die Sängerin sei „nicht irgendeine Künstlerin“, erklärte der Hausherr des Neuen Schlosses (und damit der Vermieter des Platzes), „sondern eng mit Putin verbunden“. Bayaz will daher „verhindern, dass sie im Ehrenhof auftritt“, unterstreicht er. Unklar sei aber, ob sie nicht von sich aus das Konzert absagt.

Ihren Auftritt am Mittwoch in Hamburg hat die Diva bereits gestrichen sowie alle weiteren Konzerte in Deutschland bis Ende August. „Jetzt ist nicht die Zeit für Musik“, hieß es in ihrer Erklärung. Das Comeback nach einer sechsmonatigen Auszeit war mit ihrem Mann, dem Tenor Yusif Eyvazov, für den 3. September auf dem Schlossplatz geplant. Der Vorverkauf lief am Mittwoch weiter: Es gibt noch Sitzplatzkarten für 142,50 bis 292 Euro. Die Stehplatzkarten für 90 Euro sind alle weg.

„Halbherzige Distanzierungen reichen nicht aus“

Zwar hat sich Anna Netrebko vor wenigen Tagen gegen den Krieg in der Ukraine via Instagram ausgesprochen, sich aber nicht von Putin distanziert und seinen Namen nicht öffentlich genannt. Dafür ist sie heftig kritisiert worden und von etlichen Bühnen umgehend ausgeladen worden. Im vergangenen September hatte sie ihren 50. Geburtstag mit einem Gala-Abend im Kreml gefeiert.

Um doch noch auf dem Schlossplatz singen zu können, müsse sie „glaubwürdig und umfänglich mit Putin brechen“, erklärte Finanzminister Bayaz gegenüber unserer Redaktion. „Halbherzige Distanzierungen“ seien nicht ausreichend.

Opernfans diskutieren darüber, ob der Boykott zu weit geht ,

Dem Opernstar geht es sehr schlecht, ist aus dem Umfeld der Konzertagenten zu hören. Anna Netrebko habe Angst um ihre Familie in Russland, sei schockiert von den Kriegsbildern im Fernsehen und fürchte, nun in Deutschland den Boden unter den Füßen zu verlieren, also kein Bein mehr auf die Opernbühnen zu bekommen.

Opernfans diskutieren, ob der Boykott der Starsängerin richtig sei oder ob man nicht verstehen müsse, wenn sie aus Sorge um Repressalien ihrer Angehörigen zurückhaltend sei. Immer mehr Veranstalter und Politiker fordern von Netrebko ein unmissverständliches Statement zu Putins Schuld am Krieg und an den vielen Toten in der Ukraine. Auf Instagram hat die Sängerin am Mittwoch ein Foto von sich und dem Dirigenten Valery Gergiev in Jubelgeste nach einem Auftritt gepostet. Das wirkte wie ein Bekenntnis zur Putin-Treue. Kurz danach stellte sie den Account von öffentlich auf privat um.

Der örtliche Veranstalter Christian Doll hatte am Vormittag erklärt, er sei „entsetzt über den russischen Einmarsch“. Kultur und Musik sollten verbinden und Brücken schlagen. Nach dem klaren Statement von Bayaz war Doll bisher für uns nicht zu sprechen.

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