Filmschau feiert Stuttgarter Ballettstar
: Eric Gauthier trägt seine schwangere Frau auf Händen

Seine schwangere Laura trägt er über den roten Teppich auf Händen, scherzt mit allen, ist besessen davon, neue Fans für den Tanz zu gewinnen: Eric Gauthier scheint alles richtig zu machen. Die Filmschau hat ihn hochleben lassen.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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Stuttgarter Nachrichten

Stuttgart - Um Eric Gauthier, den kanadischen Tausendsassa des modernen Balletts, zu verstehen, der seit fast 20 Jahren Wahl-Stuttgarter ist, muss man nur genau zuhören, was seine Mutter sagt. In der SWR-Doku „Dancing Beyond“, für die Autorin Elisabeth Hamberger und Kameramann Fritz Moser den reihum verehrten Chef der Theaterhaus-Compagnie über sechs Monate hinweg begleitet haben, erzählt Erics Mama, wie ihr Junge schon als Kind für den Tanz gebrannt hat: Mit neun sah er das Musical „Cats“ und beschloss, Tänzer zu werden. Die Ballettschule befand sich in Toronto, die Familie lebte im 500 Kilometer entfernten Montreal. Noch vor der Pubertät ging der junge Eric aufs Tanzinternat, sehr weit von den geliebten und vermissten Eltern entfernt. Er musste es tun. Einer wie er ist nicht zu stoppen, wenn er seinen Träumen folgen will.

Nicht anders ist es heute. Seine Ziele sind nur immer noch größer geworden. Und alle lieben ihn. Frisch, witzig, überraschend, perfekt – so ist sein 14-köpfiges Tanzensemble heute. Für die Premiere des Films, der im Februar im SWR-Fernsehen ausgestrahlt wird, hat sich Erics Theaterhaus-Truppe in Schale geworfen. Die Abendrobe ist glamourös, als gehe es zur Oscar-Verleihung. Die Macher der Filmschau Baden-Württemberg haben Spaß daran, vor dem Metropol großes Kino zu inszenieren. In schwarzen Limousinen mit dunkel getönten Scheiben werden die Tänzer und Ballettmeister herangefahren, auch Kollegen vom „großen“ Stuttgarter Ballett wie Jason Reiley sind dabei.

Eric Gauthier hat zwei „Papas“

SWR-3-Moderatorin Nicole Köster empfängt sie und überhöht mit ihrer Live-Berichterstattung für die wachsende Zahl der Zaungäste den eigentlichen Anlass auf sympathische Weise. Am Schluss kommt der Star des Abends. Der 37-jährige Gauthier trägt seine schwangere Frau Laura über den roten Teppich auf Händen, küsst sie mehr für die Fotografen als für Laura immer wieder. Nach zwei Jungs erwarten die beiden im März ihr erstes Mädchen. Eric liebt es, ein Hohelied auf die Familie anzustimmen – zu seiner Familie gehören alle Tänzer und sein zweiter „Papa“, Intendant Reid Anderson, der ihn 1996 von Toronto nach Stuttgart holte. Im Kino umarmt Gauthier den Kultur-Staatssekretär Jürgen Walter. Auch wenn die Umfragen nicht danach aussehen: Der grüne Politiker glaubt, nach der Wahl im März im Amt zu bleiben. „Ich mach’ Termine für die Zeit danach aus“, sagt er. Das Baby, das die Gauthiers erwarten, ist nicht der einzige Nachwuchs, über den gesprochen wird. Am Abend davor sei Moritz Bleibtreu zur Premiere seines Films „Die dunkle Seite des Mondes“ nicht gekommen, ist zu hören, weil er in Kürze zum zweiten Mal Vater wird.

Perkins Park feiert 35. Geburtstag

Ein Jahr alt ist ein Kind geworden, das noch nicht aus dem Gröbsten raus ist: Im Friedrichsbau wurde am Freitagabend der erste Geburtstag des neuen Theaters auf dem Pragsattel gefeiert. Nach Anfangsschwierigkeiten habe es die traditionelle Bühne geschafft, dem neuen Gebäude „eine Seele und ein eigenes Flair zu geben“, sagte Geschäftsführer Timo Steinhauer in seiner Rede. Nun wolle man für die hinteren Reihen eine Erhöhung einbauen. „Als für den Spielbetrieb nicht subventioniertes Theater ist es uns leider nicht möglich, diese Kosten selbst zu tragen“, so Steinhauer. Weiterhin sei man auf Spenden angewiesen.

Den 35. Geburtstag feierte am Freitagabend der Perkins Park mit Stammgästen und Beschäftigten vergangener Zeiten. Dresscode: „Alles ist möglich.“ Oliver Joos, der viele Jahr an der Tür stand, nutzte diese Ansage aus – er kam in der Jogginghose. Früher hätt’ er niemanden damit reingelassen. Doch alles ist anders geworden. Nur der Perkins Park, der bleibt. Betreiber Michael Presinger hat den Vertrag mit der Stadt, der Eigentümerin der einstigen Veranstaltungsstätte der Reichsgartenschau, bis ins Jahr 2035 verlängert. Dann ist er 83 .

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