Fernsehserie „Huck“
: Gedreht, gefloppt und abgewickelt

Wie ein Flohmarkt sieht die Lagerhalle auf dem Speditionsgelände Christ in Zuffenhausen aus. Ein Regiestuhl mit der Aufschrift „Huck – Patrick von Blume“ weist darauf hin, worum es hier geht: Die Produktionsfirma Polyphon löst das Requisitenlager der gefloppten ARD-Krimiserie „Huck“, die in Bad Cannstatt spielte, auf.
Von
Julia Kost
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Alle Requisiten der ARD-Krimiserie „Huck“ werden in Zuffenhausen versteigert

factum/Granville

Stuttgart - „Huck“ – der ruppige Privatdetektiv, der keinen Vornamen braucht und zusammen mit seinem türkischen Kumpel Cem nach der ersten Staffel bereits die Segel streichen musste. Es wird keine zweite Staffel geben. Die acht Folgen des Vorabend­krimis haben dem hohen Quotendruck zwischen 18 und 20 Uhr nicht standgehalten – trotz Cannstatter Kulisse und schwäbischer Mundart. Nur schwache fünf Prozent Marktanteil hat „Huck“ erreicht – in der maßgeblichen Gruppe der 14- bis 49-Jährigen sogar nur 3,4 Prozent. Das ist für Programmmacher zu wenig.

„Ich hätte eine zweite Staffel gedreht“, sagt Stephanie Strecker, die Szenenbildnerin der Serie. Stattdessen organisierte sie am vergangenen Samstag die Lagerauflösung. „Ich hoffe, wir kriegen alles los – der Rest landet im Müllcontainer.“ Feste Preise gibt es nicht. „Ich frage einfach: Was ist es dir wert, und was kannst du mit deinem Gewissen vereinbaren?“ Denn „alles muss weg, für den guten Zweck“, so steht’s auf dem Zeitungsaufsteller am Eingang der Halle. Der Erlös wird für einen guten Zweck gespendet. „Vermutlich ein Flüchtlingsprojekt“, so Strecker. Die finale Entscheidung trifft die Produktionsfirma selbst.

Zwischen vielen kleinen Objekten wie Hausschuhen, Taschentüchern, Nagellacks, Geschirr und Kleidungsstücken stehen auch viele Möbel. Darunter findet sich auch die gesamte Einrichtung aus Cems Gemüse­laden – samt Kühltheke und dem kleinen ­roten Lieferwagen, für den sich ebenfalls ­Interessenten melden. Strecker kennt jedes Stück, hatte alles beim Einrichten der Drehorte mal in der Hand und weiß auch zu jedem Stück eine Geschichte – welche Folge es war, wie das Set dazu aussah. „Der schlimmste Moment ist immer das Wegpacken der Requisiten – aber das ist ja schon ein Jahr her.“ Jetzt sei es eher witzig, die Sachen noch mal zu sehen und sich zu erinnern.

Für „Huck“ wurde mehr als üblich zugekauft

Lagerauflösungen wie diese kommen nur selten vor. Filmrequisiten werden im Normalfall geliehen, aber für die sechsmonatigen Dreharbeiten an „Huck“ wurde viel zugekauft. Nun gibt es ein Lagerhaltungsproblem: Den SWR-Fundus in Stuttgart gibt es nicht mehr, die Mieten in Stuttgart sind zu hoch. Die Requisiten durchs Land zu schicken, das würde sich einfach nicht lohnen. Deshalb muss alles weg.

Kurz nach 10 Uhr fahren die ersten Autos vor, viele Freunde und Bekannte der Helfer. Kaum einer ist speziell wegen der Serie gekommen. Kistenweise werden Sachen zur Seite gelegt und ins Auto gepackt, nach und nach trauen sich die Besucher auch an die größeren Gegenstände, und der erste Tisch wird eingeladen. „Es läuft super“, freut sich Strecker.

Die Kunstlehrerin Linda Eberle hat für den Unterricht viel gefunden: türkische Fahnen und Pizzakartons für Architektur, Schwämme und Wäscheleinen für Objektkunst, selbst die Alu-Folie kann sie gebrauchen. „Außerdem habe ich noch ein paar Lampen als Requisiten für die Theater-AG mitgenommen – und für mich selbst eine Salatschüssel samt Abtropfsieb.“ Ihr gefällt der Gedanke, dass alles für einen guten Zweck ist.

Immer wieder wird ein Schatz entdeckt

Genau wie beim echten Flohmarkt gibt es zwischen viel Gerümpel auch immer wieder einen richtigen Schatz zu entdecken. Auch Kamran Kahn von Camino-Film ist fündig geworden. „So einen Metalleimer suche ich schon lange. Und die Kamera funktioniert zwar nicht, ist aber toll für meinen Sohn zum Spielen.“ Es hat sich also gelohnt vorbeizukommen, trotz Erkältung.

Marc Wallberg und seine Freundin Steffi Erdmann haben sich für ein türkisches Teeservice mit Goldverzierung entschieden – und den VfB-Schal.

StN Kompakt - Der Morgen
Montag - Sonntag um 6.30 Uhr
Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.