Ex-Trigema-Chef in Stuttgart
: Wolfgang Grupp: „Das Schönste im Leben ist das Gefühl, gebraucht zu werden“

Der Ex-Trigema-Chef gibt sich beim Unternehmergespräch in Stuttgart nahbar und offen. Er spricht über das Loslassen, warum er täglich im Büro sitzt und darüber, ob Trigema als VfB-Sponsor infrage kommt.
Von
Imelda Flaig
Stuttgart
Ex-TrigemaChef Wolfgang Grupp im Gespräch (auf Einladung von Thalia, Osiander und der FAZ): Ex-TrigemaChef Wolfgang Grupp im Gespräch (auf Einladung von Thalia, Osiander und der FAZ)

Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp erhält in Stuttgart viel Applaus.

Lichtgut/Ferdinando Iannone
  • Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp spricht in Stuttgart über Übergabe der Firma Anfang 2024.
  • Er kommt mit 84 Jahren täglich ins Büro – „Man muss sich beschäftigen“, sagt er.
  • Produktion läuft wöchentlich mit rund 80.000 Teilen, auch in schwachen Zeiten.
  • Er lehnt Berater ab und setzt auf Verantwortung in Familie und Unternehmen.
  • Sportwerbung schließt er aus, Trigema kommt für den VfB als Ausrüster nicht infrage.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Was sich im Leben ändert, wenn man die Firma an die nachfolgende Generation übergibt? Die Kinder und seine Frau hätten das Sagen, „und ich bin froh, dass ich nicht wegen jedem Scheiß gefragt werde“, sagt Wolfgang Grupp, der Trigema Anfang 2024 übergeben hat.

Der frühere Chef des Burladinger Unternehmens gibt sich am Mittwochabend beim Unternehmergespräch in Stuttgart offen und direkt, nahbar und schlagfertig und erntet viel Applaus. Seinen Suizidversuch, den er zutiefst bereut, spricht er selber an. „Das Schönste im Leben ist doch das Gefühl, gebraucht zu werden“, sagt er.

Dass er auch mit 84 Jahren noch täglich ins Büro kommt, sei für ihn eine Selbstverständlichkeit. „Man muss sich beschäftigen“, sagt Grupp, der auch die wöchentliche Produktionsplanung macht. Trigema fertigt pro Woche rund 80.000 Teile. „Die Produktion muss laufen – ob Aufträge da sind oder nicht“, sagt er. Denn wenn man in schwachen Zeiten voll produziere, könne man auch in guten Zeiten liefern.

Vieles, was Wolfgang Grupp an diesem Abend in Stuttgart sagt, ist bekannt. Rund 300 Gäste sind zum Unternehmergespräch mit Grupp auf Einladung der Buchhandlungen Thalia und Osiander gekommen. Es geht um seine Biografie, die 2026 erschienen ist, sein Unternehmerleben, seine Werte, seine Haltung, wie er die Firma vor mehr als 50 Jahren vom Vater mit damals zehn Millionen D-Mark Bankschulden übernommen und auf Erfolgskurs gebracht hat.

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Wolfgang Grupp: „Bin nicht so gescheit, dass ich Beratung mache“

Ob er die Beraterfunktion im Unternehmen habe, will Moderator Jan Hauser, Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ wissen. „Ich bin nicht so gescheit, dass ich Beratung mache“, sagt Grupp, setzt gleich noch eins drauf und macht keinen Hehl daraus, dass er Unternehmensberater nicht sonderlich schätzt. Die durften bei ihm nie ins Haus, sagt er.

Es sei die Aufgabe der Inhaber, zu sehen, was sich in der Firma ändern müsse, um weiterhin mit dem Wandel der Zeit mithalten zu können. Das wäre ja gerade so, also ob man zum Eheberater gehe, um zu erfahren, wie man seine Frau behandeln solle. Grupp kommt gut bei den Zuhörern an, immer wieder gibt es Zwischenapplaus.

Ex-TrigemaChef Wolfgang Grupp im Gespräch (auf Einladung von Thalia, Osiander und der FAZ): Ex-TrigemaChef Wolfgang Grupp im Gespräch (auf Einladung von Thalia, Osiander und der FAZ)

Firmeninhaber müssten den Wandel der Zeit erkennen und sich anpassen, sagt Unternehmerlegende Wolfgang Grupp (links), daneben Moderator Jan Hauser von der FAZ.

Lichtgut/Ferdinando Iannone

Dass es seine Kinder anders machen als er, ist für ihn kein Problem. „Die schauen in den Bildschirm und ich hab alles im Kopf“, sagt er. Wichtige Themen würden freilich in der Familie diskutiert.

Vertrauen, Verlässlichkeit und Verantwortung sind ihm wichtig. „Wir brauchen wieder mehr Verantwortung“, fordert er, nicht nur in den Unternehmen, auch in Gesellschaft und Familie. Sein Sohn Wolfgang Grupp junior haftet persönlich mit seinem Privatvermögen für die Firma.

Trigema als VfB-Ausrüster? Das sagt Wolfgang Grupp

Auch die Zuhörer dürfen Fragen stellen. „Wann sehen wir Trigema bei unserem VfB als Ausrüster?“,  fragt ein Fußballfan. „Sportwerbung kommt für mich nicht infrage“, sagt Grupp prompt, denn damit habe er sehr viel negative Erfahrungen gemacht – einst im Tennissport, später im Fußball.

Dann plaudert er aus dem Nähkästchen, spricht beispielsweise auch darüber, warum ein mit „Handschlag“ besiegelter Deal mit dem FC Bayern einst nicht geklappt hat und man einst mit 13 verschiedenen Bundesligisten Verträge hatte.

„Eine faszinierende Persönlichkeit“, ist sich ein Ehepaar im Anschluss an die Veranstaltung einig. Ihren Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen, stellen sich lieber in die lange Reihe, um sich von Grupp das Buch signieren zu lassen.