Mit dem Kirchentag rückt der Glauben in den Mittelpunkt der Stadt. Wir haben Prominente befragt, woran sie glauben. Glauben – das bedeutet Vielfalt: Die Stuttgarter gehören mittlerweile über 200 Religionsgemeinschaften und weltanschaulichen Vereinigungen an.
Elvis-Interpret Nils Strassburg Comedian Michael Gaedt: Strassburg glaubt an die Liebe, Gaedt würde gern an die Sterne glauben, hat aber Zweifel ... Eine kleine Umfrage unter bekannten Stuttgartern finden Sie in unserer Bildergalerie.
Andrea Pelz
Michael Zeyer, Kickers-Sportdirektor, Barbesitzer: „Ich glaube, dass es sich lohnt, alles im Leben so gut wie möglich zu tun und alle Dinge mit Herz und Leidenschaft anzupacken.“
Pressefoto Baumann
Christoph Sonntag, Kabarettist: „Ich glaube an Gott. Nicht an Religion. Meiner Meinung nach sind Religionen der Versuch, die Farbenpracht einer Blumenwiese in einem Schwarz-Weiß-Film darzustellen, oft genug unscharf und verwackelt.“
Frl. Wommy Wonder, Travestiekünstler: „Ich glaube, dass es eine übergeordnete Macht gibt, der wir uns verantwortlich zeigen sollten, die manche Gott, andere anders nennen, die aber sicherlich anders ist als das, was uns Rom & Co. lehren.“
Ines Aufrecht, Wirtschaftsförderin der Stadt: „Ich glaube, die zehn Gebote sind gute Leitlinien für das menschliche Miteinander.“
Michael Steinert
Jelena Wlk, Bundesliga-Volleyballerin: „Ich glaube an nichts, was mit Religion zu tun hat. Ich bin kein gläubiger Mensch. Ich glaube aber daran, dass man nach Rückschlägen immer wieder aufstehen und weiter kämpfen muss. Und ich habe ein Tattoo, mit einer Art Motto, an das ich mich halte: ,Live, Laugh, Love‘.“
Pressefoto Baumann
Eric Gauthier, Ballett-Intendant: „Ich glaube an Karma. Als gläubiger Mensch spreche ich jeden Abend, wenn ich ins Bett gehe, ein kurzes Gebet, danke Gott für meine Familie und bete für unsere Gesundheit – aber auch für die anderer Menschen. Wenn ich das nicht tue, schlafe ich buchstäblich unruhig.“
Tatjana Geßler, TV-Moderatorin: „Ich glaube, dass wer glaubt, hofft. Wer also vertrauen kann, lebt glücklicher – ganz gleich ob außer- oder innerhalb der Kirche.“
SWR
Mia Gray, Playmate und Model: „Ich glaube daran, dass jeder für sein eigenes Glück verantwortlich ist. Aber ich glaube auch, dass es dort oben jemanden gibt, der auf uns schaut und der uns Kraft gibt in schweren Zeiten!“
Michele Danze
Susanne Eisenmann, Sport- und Kulturbürgermeisterin: „Ich glaube an die Möglichkeit, Dinge zu verändern, ohne dabei unsere christlichen Werte aus den Augen zu verlieren.“
Lichtgut/Achim Zweygarth
Heiko Volz, Autor vonÄffle Pferdle: „Theoretisch glaube ich dem Sprichwort ,Glaube nicht alles, was du denkst!’ In der Praxis glaube ich mal zu viel und mal zu wenig.“
Michael Gaedt, Comedian: „Ich würde gerne an Astrologie glauben, aber das Sternzeichen Löwe glaubt nicht an Astrologie.“
dpa
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Stuttgart - Woran glaubst Du? Eine einfache Frage, auf die es unzählig verschiedene Antworten gibt. Selbst Menschen, die der gleichen Religion angehören, sagen dazu Unterschiedliches. Auch bei den Protestanten und Katholiken, die mit rund 155 000 beziehungsweise 143 000 Kirchenmitgliedern jeweils ein Viertel der Stuttgarter Bevölkerung ausmachen, ist nicht auf einen Nenner zu bringen, was Glaube und Gott für sie bedeutet.
Ganz anders als noch im Mittelalter. Durch die Reformation im 16. Jahrhundert wurde Stuttgart mit seinen damals 10 000 Einwohnern protestantisch. Alles was katholisch war, wurde verworfen. Pfarrer, die nicht evangelisch werden wollten, wurden entlassen. Bis in die 1950er Jahre blieb Stuttgart weitgehend protestantisch.
In Folge des deutsch-italienischen Anwerbeabkommens stieg die Zahl der Katholiken stark an: „1971 hatte die katholische Kirche mit 211 000 Mitgliedern durch die Zuzüge von Gastarbeitern aus Italien, Spanien, auch Jugoslawien und deutschstämmigen Aussiedlern einen Höchststand erreicht“, sagt Ansgar Schmitz-Veltin vom Statistischen Amt der Stadt.
Während die Zahl der Protestanten und Katholiken durch Kirchenaustritte und dem demografischen Wandel bereits seit Jahren sinkt, wächst die Zahl der Muslime durch Zuwanderung stark an. Mit derzeit geschätzten 65 000 Glaubensangehörigen liegen sie nach den Protestanten und Katholiken auf Platz drei.Die Entwicklung wird in der Stadt sichtbar: Muslime betreiben in Stuttgart 25 Gebetsstätten.
In Wangen gibt es seit kurzem die erste Moschee mit Minarett in der Landeshauptstadt. Außerdem engagieren sich muslimische Vereine für den Bau einer repräsentativen Moschee. Wie die Anhänger des Buddhismus, Hinduismus und vieler anderer Glaubensrichtungen kann die Zahl der Muslime nur geschätzt werden, da der Islam keine öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaft, sondern eine Religionsgemeinschaft ist und die Mitglieder deshalb nicht statistisch erfasst werden.
Parallel zu den Kirchenaustritten nimmt die Zahl der Menschen zu, die keiner Religion angehören. Das statistische Amt geht dabei von etwa 90 000 Einwohnern aus. Ob die tatsächlich nicht glauben, ist ungewiss. Religiöse Einstellungen, und die können auch ohne Zugehörigkeit zu einer Religion vorhanden sein, lassen sich laut Schmitz-Veltin statistisch aber nicht erfassen.