Euro 2024 in Stuttgart: Stuttgart freut sich auf Deutschland gegen Spanien
Der Traum vom EM-Sieg lebt! Theatralisch verläuft die Nacht beim Spiel von Deutschland gegen Dänemark. Während in Dortmund ein Unwetter mit Sturm und Blitz aufzieht, das Spiel unterbrochen werden muss, nimmt der Sturm der Fans auf dem zeitweise geschlossenen Schlossplatz (30 000 dürfen rein) Orkanstärke an. „Berlin, Berlin, wir fahr’n nach Berlin“, ruft die Masse – erst einmal ist Stuttgart dran, wo das Viertelfinale am Freitag ausgetragen wird. Gegen Spanien geht es. Die sich am Sonntagabend gegen Georgien durchgesetzt haben. So emotional wie im Stadion in Köln war es auch auf dem Schlossplatz, Georgier und Spanier hatten sich in Fanblocks aufgeteilt im Ehrenhof versammelt und ihre Teams angefeuert.
Hoffen und Bangen Zunächst aber müssen die deutschen Fans zittern – nicht nur wegen des Spiels, sondern wegen des Wetters. Auch für Stuttgart sind die Aussichten unsicher. Als dann über Dortmund ein Gewitter nieder geht, blicken viele auf der Fanzone in Stuttgart bang in den Himmel. Manche nutzen die Spielunterbrechung, um in eine Kneipe zu wechseln, dafür strömen andere Fans nach und gelangen doch noch auf den zuvor wegen Überfüllung geschlossenen Schlossplatz. Es bleibt trocken, und die DFB-Elf in Stuttgart wird euphorisch bejubelt. Nur einen Buhmann haben die Fans ausgemacht: Bei der Einwechslung von Waldemar Anton, den abtrünnigen VfB-Kapitän, gibt es ein lautes Pfeifkonzert.
Abtasten und kontrollieren
Im Freudentaumel der Fans scheint die Messerstecherei vom Mittwochabend mit drei Verletzten auf dem Schlossplatz vergessen. Was auffällt: Die Kontrollen dauern nun etwas länger. Auch die Schuhe werden abgetastet, manche müssen sie auch ausziehen, was bisher nur selten der Fall war. Die Polizei kann in der Nacht nach dem Deutschland-Spiel „einen absolut friedlichen Verlauf“ melden. Fußball at his best!
Erfrischen und anstoßen
Kostenloses Wasser gibt es im Inneren der Fanzone an Trinkbrunnen. Mitbringen darf man nur Tetrapacks und faltbare Trinkbehälter mit bis zu einem halben Liter Fassungsvermögen. Das hat kaum einer dabei. Wer bei der starke Hitze in Schwitzen gerät, muss aus der Hand trinken – oder sich Getränke an den Ständen kaufen. Mit Stuttgarter Wein von den Rebhängen über der Stadt kann man übrigens nicht auf den deutschen Sieg anstoßen. Der Alkoholgehalt darf nur eine gewisse Grenze erreichen, weshalb es nur Weinschorle gibt. Auch müssen alle Wirte auf Uefa-Geheiß ihre Namen oder ihr Firmenlogo von den Ständen entfernen – dies gilt ebenso für den SWR. Ein schwarzer Containerblock steht auf dem Ehrenhof – der Sender musste das SWR-Logo abnehmen.
Zittern und Jubeln
Mit slowakischer Fahne über den Schultern steht Vlado (48) vor der Leinwand. Zusammen mit seinem Kumpels Pavol (58) aus Bratislava und Pavel (44) aus der Nähe von Prag ist er unterwegs nach Düsseldorf. Dort haben sie Karten für das morgige Spiel Frankreich gegen Belgien. Ein Kracher, aber für die drei eher ein Betriebsunfall. „Wir hatten gedacht, da spielt die Slowakei.“ Aber nun landete Belgien in der Gruppe auf Platz zwei und ihr Land nur auf drei. Sie machen das Beste draus und stoppen beim Public Viewing in Stuttgart, um ihrem Team zuzusehen. Der Besuch artet zu einer Achterbahnfahrtaus. Führung, Verlängerung, Rückstand. „Es ist keine Schande, gegen England zu verlieren. Das slowakische Team war exzellent“, sagt Pavol. Ganz anders sieht die Lage bei Tom aus. Der Engländer lebt in Mannheim, ist nach Stuttgart gefahren zum Fußballschauen. „In Mannheim gibt es kein Public Viewing“, sagt er. Unfassbar findet er, wie schlecht die englische Mannschaft spielt. Noch unfassbarer, dass sie sich in die Verlängerung rettet, und dort gleich in Führung geht. „So gute Spieler, aber kein Team“, sagt er. Wichtig ist nur, dass es kein Elfmeterschießen gibt, „sonst verpasse ich meinen Zug!“
Anfeuern und leiden Moritz kommt aus Aalen und feuert seine Spanier auf dem Schlossplatz an. Er freut sich besonders aufs Viertelfinale, sein Vater ist Deutscher, seine Mutter Spanierin. „Da gibt es in der Familie bis Freitag jetzt schon einige Frotzeleien“, sagt er. Er selbst, betont er aber, sei „auf jeden Fall Gewinner“!
Zuschauen und zahlen
Der Kampf um die letzten freien Plätze beim Viertelfinale in Stuttgart hat begonnen. Im Netz werden Karten für die (mittlere) Kategorie 3 zum Preis von 800 Euro (regulär: 100 Euro) angeboten. Das günstigste verfügbare VIP-Ticket liegt momentan bei brutto 3867,50 Euro. Wenn man zwei Karten zu diesem Preis nimmt, bekommt man einen Parkplatz am Stadion dazu.











