Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart: Wie sich vier Mädchen für eine Schule ohne Rassismus einsetzen

Die vier Schülerinnen Ida, Vivien, Helene und Anastasija (von links) engagieren sich am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium
Eberhard-Ludwigs-Gymnasium- Vier Schülerinnen organisierten am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium einen Aktionstag gegen Rassismus.
- Sie wollen Alltagsdiskriminierung sichtbar machen und jährlich Projekte an der Schule durchführen.
- Vorbereitung dauerte rund ein Jahr – teils neben Abiturphase und in der Freizeit.
- Prominente Gäste kamen, am Ende erhielten sie den Fritz-Bauer-Preis.
- Das Gymnasium gehört zum Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Eine Schule ohne Rassismus gibt es nicht, deshalb bin ich dafür, von einer Schule gegen Rassismus zu sprechen“, sagt Vivien. Sie ist eine von vier Schülerinnen des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums in Stuttgart, die einen Aktionstag zu diesem Thema organisiert haben.
Seit über 30 Jahren besteht das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, dem das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium angehört. Ziel ist es, Ausgrenzung, Beleidigungen, Diskriminierung und rassistische Anfeindungen an Schulen zu drosseln. Aktuell gehören 473 Schulen in Baden-Württemberg dem Netzwerk an. Um Teil davon zu werden, müssen 70 Prozent der Schulmitglieder in einer geheimen Abstimmung eine Selbstverpflichtung eingehen und erklären: „Ich werde mich aktiv gegen Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, einsetzen.“
Vor zweieinhalb Jahren fiel Anastasija, damals noch Schülerin am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, bei einem Wochenende der Schülermitverantwortung (SMV) auf, dass sich nur eine überschaubare Anzahl ihrer Mitschüler für das Thema „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ interessierte. Durch die Zeit der Coronapandemie sei das Bewusstsein für diese Problematik in den Hintergrund gerückt, so erklärte sie sich das damals.
Schülerinnen beobachteten „bedenkliches Verhalten“
Gleichzeitig beobachteten die Schülerinnen Vivien, Helene, Anastasija und Ida ein bedenkliches Verhalten von einigen Mitschülerinnen und Mitschülern gegenüber anderen Jugendlichen, das die vier nicht in Ordnung fanden. Einige der Jugendlichen wandten sich auch an Vertrauenslehrkräfte oder Schülersprecher.
2025 gingen bei der Antidiskriminierungsstelle des Landes (LADS) 385 Meldungen ein; wobei beachtet werden muss, dass die Zahl nicht alle Fälle widerspiegelt. Darauf weist das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit auf Nachfrage hin. Zum einen melden nicht alle Betroffenen die Vorfälle, manche würden sich an andere Beratungsstellen wenden, führt das Ministerium aus.
Schülerinnen und Schüler, die sich dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ anschließen, verpflichten sich auch dazu, jährlich Projekte gegen alle Formen von Diskriminierung und Rassismus an ihrer Schule durchzuführen. Die Schülerinnen entschlossen sich zu einem Aktionstag, der den Blick auch für die kleineren Diskriminierungen im Alltag schärfen sollte. „Wir sind ein humanistisches Gymnasium, bedeutende Persönlichkeiten sind hier zur Schule gegangen. Dieses Erbe sollten wir schätzen und weitergeben“, sagt Helene. Damit verweist sie auf Persönlichkeiten wie beispielsweise Friedrich Hegel oder die Gebrüder Berthold und Claus von Stauffenberg.
Für die vier Schülerinnen war es eine „Herzensangelegenheit“
Die Vorbereitungen der Schülerinnen haben rund ein Jahr gedauert. Sie haben viel Freizeit und auch Wochenenden geopfert. Anastasijas Abiturvorbereitungen fielen in die Zeit. Das Engagement der vier wurde mit der Anwesenheit prominenter Persönlichkeiten wie der Politikerin Muhterem Aras oder des Regisseurs Ernst Konarek beim Aktionstag belohnt und am Ende auch mit einer Auszeichnung: dem Fritz-Bauer-Preis, der ihnen vor Kurzem verliehen wurde.
Der Preis wird alle zwei Jahre von dem Verein Humanistischen Union (HU) an Menschen verliehen, „die unbequem und unerschrocken der Gerechtigkeit und Menschlichkeit Geltung verschaffen“, wie die HU schreibt. Er wurde 1968 von der Humanistischen Union gestiftet, in Erinnerung an ihren Mitbegründer Fritz Bauer, der auch ein Schüler des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums war.
Aber die jungen Frauen bleiben bescheiden: Sie hätten die Veranstaltung nicht auf die Beine gestellt, um einen Preis zu bekommen, sondern weil es ihnen eine Herzensangelegenheit gewesen sei, sagt Helene. Denn Schule ohne Rassismus, sei ihr gemeinsames Ziel, sagt Vivien. Daher planen alle vier, sich weiterhin aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung einzusetzen.

