Demokraten werden aktiv
: Von Party-Bus bis Mitsingkonzert – fast 200 Veranstaltungen bei der Langen Nacht der Demokratie

Demokratie in der Defensive. Die große Zahl der Angebote und Beteiligten bei der zweiten landesweiten Langen Nacht der Demokratie am 2. Oktober zeigt: Der Ernst der Lage ist erkannt.
Von
Jan Sellner
Stuttgart
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Lange Nacht der Demokratie: Stuttgart, PK zum Thema Lange Nacht der Demokratie, mit:

Sibylle Thelen, Dr. Tobias Diemer(Brille) Dr. Michael Lesky, Tobias Rieger(rechts im Bild)

Vorfreude auf die zweite Lange Nacht der Demokratie: Michael Lesky, VHS-Programmchef Politik, Gesellschaft und Umwelt, Tobias Diemer, Direktor des Volkshochschulverbandes, Sibylle Thelen, Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung, und Tobias Rieger, Fachreferent der Landeszentrale (von links).

Max Kovalenko
  • Zweite Lange Nacht der Demokratie findet am 2. Oktober in knapp 90 Kommunen statt.
  • 184 Einrichtungen bieten fast 200 Veranstaltungen – deutlich mehr als bei der Premiere.
  • Ziel ist ein sichtbares Zeichen für Demokratie, mit breitem, überparteilichem Programm.
  • Geplant sind Konzerte, Poetry-Slams, Theater, Sport, Pub-Quiz und „Realtalks“.
  • In Stuttgart gibt es 19 Angebote, darunter ein Party-Bus und ein Mitsingkonzert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Demokraten zeigen Gesicht und setzten der Demokratie-Skepsis im Land gemeinsam etwas entgegen! Das ist das Anliegen der Ausrichter der zweiten „Langen Nacht der Demokratie“ in Baden-Württemberg, die am 2. Oktober, dem Vorabend des Tags der Deutschen Einheit, in knapp 90 Städten und Gemeinden stattfindet. Das sind fast 40 Kommunen mehr als bei der Premiere vor zwei Jahren.

Auch die Zahl der beteiligten Einrichtungen und angebotenen Veranstaltungen hat sich stark erhöht. 2024 waren es rund 70 Einrichtungen, jetzt machen 184 mit, die in dieser Nacht fast 200 Veranstaltungen anbieten. „Das Interesse ist sehr groß“, verkündeten Sybille Thelen, Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung, und Tobias Diemer, Verbandsdirektor des baden-württembergischen Volkshochschulverbandes (VHS), am Dienstag bei der Vorstellung des Programms in Stuttgart erfreut. Michael Lesky, Programmchef Politik, Gesellschaft und Umwelt beim VHS-Landesverband, sprach gar von einer „Welle, die übers Land rollt“. Viele Menschen wollten ein positives Zeichen für die Demokratie setzen.

Weckruf nach den Landtagswahlen

Darin spiegelt sich nach Auffassung Diemers auch der Ernst der politischen Lage in Deutschland. Der VHS-Direktor sieht eine wachsende Neigung in Teilen der Bevölkerung, „die Demokratie gegen etwas anderes einzutauschen“. Die jüngsten Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wirken da wie ein Weckruf. Eine demokratische Mobilisierung hat nach der Beobachtung von Tobias Rieger, Fachreferent bei der Landeszentrale, jedoch bereits rund um die Landtagswahl im März in Baden-Württemberg eingesetzt.

In dieser Zeit hätten sich zahlreiche Einrichtungen für die „Lange Nacht der Demokratie“ angemeldet. Getragen wird dieses Format, das es noch in sechs anderen Bundesländern gibt, außer von der Landeszentrale für politische Bildung und dem Volkshochschulverband, von der Allianz für Beteiligung, dem Demokratiezentrum, der Kirchlichen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung und dem Landesjugendring. Rund 200.000 Euro an Fördermitteln stehen dafür bereit.

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So angespannt die politische Situation ist, so unverzagt wollen die Initiatoren und Einrichtungen für die Demokratie als beste aller Regierungsformen werben, die nach einem Ausspruch des Soziologen Oskar Negt „jeden Tag neu erlernt werden muss“. Sie tun das mit Selbstbewusstsein, Dankbarkeit und Kreativität. „Wir müssen klarmachen, was für ein Glück es ist, in einer Demokratie zu leben, und dass das keine Selbstverständlichkeit ist“, betonte Diemer.

Das versuchen die Initiatoren bei der Langen Nacht greifbar zu machen, indem sie nicht nur über Demokratie reden, sondern die emotionale Verbundenheit stärken. Ein Blick in das überparteilich angelegte Programm zeigt, wie dies gelingen soll. Angeboten werden Konzerte, Poetry-Slams, Impro-Theater, Sport-Events, ein Pub-Quiz und sogenannte Realtalks als Orte der Begegnung und des gepflegten Streitgesprächs.

Die Initiatoren gehen bewusst „in die Breite“ und sprechen gezielt auch Jugendliche an. „Raus aus der Blase, rein ins Leben“, beschreibt Sybille Thelen die Zielrichtung. Und auch das Feiern soll in dieser Nacht nicht zu kurz kommen. Denn: „Demokratie ist ein Fest“, sagte Diemer. Dazu passt der Stuttgarter Party-Bus („Catch the bus“), der am 2. Oktober quer durch die Stadt pendelt und Jugendhäuser anfährt.

Allein in der Landeshauptstadt finden 19 Veranstaltungen statt – unter anderem von der Theodor-Heuss-Stiftung, den „Omas gegen Rechts“, dem Deutsch-Türkischen Forum, dem Forum der Kulturen und der Bürgerstiftung. Fritz Kuhn, Vorsitzender des Volkshochschulverbandes und Stuttgarter Alt-OB, ruft dazu auf, sich zu beteiligen: „Demokratie braucht Mut und Solidarität, sich einzubringen.“ Die Lange Nacht der Demokratie schaffe dafür Räume. So ist auch der Beitrag der Stuttgarter Volkshochschule an diesem Abend zu verstehen. Sie lädt zum „Mitsingkonzert“ mit Patrick Bopp und Marie Louise. Das Motto: „Alle Stimmen für die Demokratie!“

Alle Veranstaltungen sowie weitere Infos stehen unter www.langenachtderdemokratie-bw.de