Buchprojekt der Helene-Schoettle-Schule: Comic als Reiseführer durch Stuttgart

Tim im Bassin der neuen Stadtbücherei.
StNStuttgart - Die Landeshauptstadt hat einen neuen Comic-Helden. Na ja, ein Held ist er eher nicht, eher sieht er aus wie ein Kobold. Doch vor allem in Stuttgart-Bad Cannstatt und dort speziell im Stadtteil Steinhaldenfeld könnten manche Bürger den Knirps mit der wilden schwarzen Hochstehfrisur schon öfter mal gesehen haben. Denn Tim ist eine Erfindung von Schülern und Lehrern der Helene-Schoettle-Schule.
„Wo ist Tim?“, so heißt das Buchprojekt, das in der Schule für geistig Behinderte in der Kolpingstraße zwischen September und November des vergangenen Jahres in der Berufsschulstufe entworfen wurde. Die Idee war, eine Art Stadtführer für die Schüler zu entwerfen und dabei Orte zu zeigen, die allgemein auch über Stuttgart hinaus bekannt sind und wo die Schüler auch selbst häufig zu finden sind. Alsbald kam der Vorschlag, dies doch zeichnerisch umzusetzen, berichtet Lehrer Peter Kauk.
Kommt ein Vogel geflogen? Nein, vielmehr ist es Tim, der, an einem gelben Luftballon hängend, direkt vor den Schülern landet. „Ich bin zwar nicht sehr groß, aber dafür sehr abenteuerlustig“, erklärt er gleich zu Beginn des Comics. Und: „Ich liebe es, neue Menschen und Orte kennenzulernen.“ Und die acht Schülerinnen und Schüler machen sich gleich daran, als Fremdenführer zu agieren, Tim die Stadt Stuttgart zu zeigen und alle seine Fragen zu beantworten. Und so macht er etwa mit Aziz Azlag einen Ausflug zu einem Neckarschiff, mit Tabea Hörmann besucht er den Hauptbahnhof, und Dennis Ismael zeigt ihm die neue Stadtbücherei am Pariser Platz: „Das sieht hier ja wie bei Harry Potter aus“, staunt Tim.
Eine weitere Station ist das Volksfest auf dem Wasen. „Du musst nicht so flüstern! Hier kannst du schreien, so viel du willst“, sagt Diana Benz zu Tim. Beim Besuch im Zoo denkt Tim: „Ich fühle mich wie im Urwald, aber ich bin doch mitten in Stuttgart.“ Wo ist er gelandet? Na klar, in der Wilhelma, klärt ihn Thomas Tekadiomona auf. In der Mercedes-Benz-Arena zeigt Sara Ferreira ihrem kleinen Begleiter das große Stadion ihres Lieblingsvereins VfB. Zum Schluss geht’s zum Cannstatter Wilhelmsplatz. Dass die Mehrzahl der Trips in diesen östlichen Stuttgarter Stadtteil führt, ist nicht verwunderlich – denn gerade hier kennen sich die 16- bis 18-jährigen Schüler besonders gut aus.
Bei den Ausflügen haben sich die Schüler gegenseitig fotografiert. Diese Bilder wurden dann gemeinsam mit einem Comic-Optik-Programm verfremdet, Lehrer Stefan Grabowski hat dann den kleinen Tim hineingezeichnet. Der Name Tim war übrigens eine spontane Eingebung, die eine Mehrheit unter den Schülern fand, nachdem zuvor Einfälle wie Karl oder Otto nicht so gut angekommen waren. Die Texte zu den einzelnen Bildern sind in der Diskussion mit den Schülern entstanden.
Auffallend sind die liebevollen Details. Auf der Rückseite des Buchs etwa fliegt Tim am Luftballon am achten Stock der Stadtbücherei vorbei. Auf dem Titelbild planscht er mit Taucherbrille und Schnorchel in einem Bassin – es ist das Becken mitten in der Bücherei, was der Leser aber erst herausfindet, wenn er das Heft durchblättert.
Den Comic gibt es in einigen Stuttgarter Buchhandlungen (etwa Steinkopf oder Büchergilde) und über die Schule selbst (Telefon 07 11 / 21 66 05 50) als einfache Heftvariante (3 Euro) wie auch mit Spiralbindung (6 Euro) und außerdem noch in einer Geschenkbox (10 Euro), auf der Tim als Holzfigur mit einem Magneten befestigt ist.