Bester Friseur aus Stuttgart
: Auf die Haarspitze getrieben

Der beste Friseur Deutschlands kommt auch dieses Jahr aus Stuttgart und heißt Adrian Xhaferi.
Von
Ingrid Sachsenmaier
Stuttgart
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Voll konzentriert: Adrian Xhaferi bei der haarigen Arbeit.

Leif Piechowski

Stuttgart - Adrian Xhaferi bekam die Trophäe schon einmal überreicht. Jetzt, nach zwei Jahren, ist er erneut zum besten Friseur Deutschlands gekürt worden. „Ich freue mich riesig“, sagt der 32-jährige Chef des Salons an der Fritz-Elsas-Straße.

Die besten Hair-Stylisten Deutschlands bewerben sich mit coolen Frisuren-Looks jedes Jahr um den German Hairdressing Award. Es ist die höchste Auszeichnung der Friseurbranche. Wieder einmal und nun sogar zum dritten Mal in Folge ist jetzt der Award nach Stuttgart gegangen.

Seit neun Jahren gibt es den markenunabhängigen Wettbewerb für Friseure, und bereits fünfmal hat eine hochkarätig besetzte Jury die Trophäe einem Stuttgarter Friseur verliehen. 2005 und 2006 ging sie an Ahmet Bilir vom Salon La Coupe, letztes Jahr an Daniele Pulia und das Jahr davor und heuer an Adrian Xhaferi. Das lässt einen kühnen Schluss zu: Die Elite der deutschen Friseure kämmt, stylt und färbt in Stuttgart.

„Stuttgart wird einfach unterschätzt“

Für Adrian Xhaferi ist Stuttgart eine tolle Stadt. „Irgendwie reden immer alle von Hamburg und Berlin. Stuttgart wird einfach unterschätzt. Hier tut sich nämlich eine ganze Menge.“ Mit 13 Jahren kam Adrian aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Stuttgart, seine Eltern waren schon hier. Er machte die mittlere Reife und fing dann mit 16 Jahren seine Ausbildung zum Friseur bei Tony & Guy in Stuttgart an. „Eigentlich wollte ich immer was mit Kunst machen. Über einen Friseur im Bekanntenkreis habe ich dann mitgekriegt, dass man mit Haaren kreativ sein kann.“

Jetzt mit 32 Jahren ist Adrian Xhaferi zum zweiten Mal der beste Friseur Deutschlands. Zudem wurde er in die Hall of Fame seiner Branche aufgenommen, weil er dreimal in Folge in der Kategorie Damen Süd beim Hairdressing Award als Sieger hervorging.

Schritt in die Selbstständigkeit hart erarbeitet

Seit 14 Monaten ist er Besitzer eines eigenen Salons. „Das ist schon noch mal ein anderes Gefühl, wenn man die Trophäe als Selbstständiger überreicht bekommt“, meint Adrian und denkt an das Jahr 2010 zurück, wo er zwar schon Meister war, aber eben als angestellter Artistic-Director bei Tony & Guy in Stuttgart am Frisierstuhl stand.

Tony & Guy sei für ihn eine tolle Schule gewesen, er habe dort viele Erfahrungen sammeln können, ist Adrian dankbar. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat er sich hart erarbeitet. Jetzt ist er Chef eines fünfköpfigen Teams und muss neben dem kreativen auch den wirtschaftlichen Teil des Friseurberufs stemmen. Eine Herausforderung. „Ich bin nach den ersten Monaten in meinem Salon sehr positiv überrascht und auch erleichtert. Es läuft wirklich gut“, sagt Adrian, der sogar daran denkt, im Sommer Azubis einzustellen.

Die Kollektion für die Teilnahme am diesjährigen Hairdressing Award ist für Adrian also unter ganz anderen Voraussetzungen entstanden als in den Vorjahren. Dieses Jahr musste Adrian haushalten – mit seiner Zeit und mit den Kosten für das Shooting, das er in München organisiert hat. Insgesamt vier Looks hat er in der Kategorie „Damen Süd“ mit dem Titel „Plastische Farben“ eingereicht. Sie überzeugten die Jury.

Bei seinem ganz kurzen, akkurat geschnittenen Bob lehnt sich Adrian an die 20er Jahre an und arbeitet mit kräftiger Minzfarbe. Kühles Violett kommt beim frechen Pilzkopf der 60er Jahre zum Tragen, und für die Riesenlocken seiner Langhaarfrisur setzt er silbriges Blond als kühlen Metallton ein. Er bleibt in dieser Farbfamilie auch bei der Hochsteckfrisur, die an Marilyn Monroe erinnert. Mit einer eleganten Wellenbewegung verleiht er dem Haar viel Glanz.

Wasserwellen und ganz kurze Ponys

„Schönes Haar, sehr feminin“, beschreibt Adrian seine Looks und freut sich, dass der Blick zurück in die 20er Jahre zum Beispiel wieder Techniken wie Wasserwellen und einen ganz kurzen Pony zulässt. Beim Bob sind dagegen androgyne Akzente erkennbar. „Ein bisschen Coco Chanel.“ Die Bonbonfarben und auch pastelligen Töne, die in diesem Sommer die Mode bestimmen, kämen auch bei den Haaren an, freut sich der Sieger auf die neuen Sommerfrisuren.

Für Adrian Xhaferi wird es ein geschäftiger Sommer werden. Zu den eigenen Seminaren und dem täglichen Salongeschäft werden noch viele Termine als Hairdresser of the Year hinzukommen. Er wird bei internationalen Shows auftreten, nationale Termine und Messen wahrnehmen, Fotoshootings machen und der Presse Rede und Antwort stehen.

Für Freizeit und Privatleben wird da die Zeit knapp. Gut, dass Adrian Xhaferi bei seiner Freundin Larissa Frömmrich auf Verständnis stoßen wird. Sie ist auch Friseurin, im Salon von Adrian tätig und von der Preisverleihung des German Hairdressing Award in der Kraftzentrale in Duisburg ebenfalls mit einem Preis in der Kategorie „Newcomer“ nach Hause gekommen. Die 24-Jährige hat bei ihrer Fotostrecke das Thema „Schwarz/Weiß“ interpretiert.

Zum Abschalten nach Barcelona

Vielleicht kommen aber Hobbys wie Laufen in der freien Natur und im Stuttgarter Schlossgarten oder Kampfsport künftig etwas zu kurz. Auf den Besuch seines Lieblingslokals „Oggi“ auf dem Kleinen Schlossplatz und die schwäbischen Gerichte in der Tauberquelle möchte er nur ungern verzichten.

Wenn er und seine Freundin allerdings so richtig abschalten und entspannen wollen, dann setzen sie sich in den Flieger nach Barcelona. „Wir reisen sehr gerne, und in der Stadt kann man sich herrlich inspirieren lassen.“ Und wenn das Schicksal es dann einmal ganz arg gut mit ihm meint, dann würde er gerne Lady Gaga die Haare stylen und föhnen. Als bester Friseur Deutschlands, ausgewählt unter 4000 Bewerbungen, stehen die Chancen dafür gar nicht so schlecht.

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