Auf Besuch in Stuttgart
: Die Liebe zu Spätzle und zu Alaska

Lizzy Hahn ist 22, Journalistin und kommt aus einer anderen Welt: Alaska! Bei ihrem Besuch im Pressehaus erzählte sie, welche Themen sie bewegen, was das Leben in ihrer Heimat von dem in Deutschland unterscheidet und warum sie Spätzle und Maulaschen liebt.
Von
Jan Sellner
Stuttgart
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Die 22-jährige Journalistin Lizzy Hahn aus Alaska beim Besuch in Stuttgart

Die 22-jährige Journalistin Lizzy Hahn aus Alaska bei ihrem Besuch im Pressehaus in Stuttgart

Jan Sellner
  • Eine 22-jährige Journalistin aus Haines/Alaska besucht das Stuttgarter Pressehaus.
  • Sie arbeitet für die „Chilkat Valley News“ und spricht fließend Deutsch.
  • Eltern kauften die 1899 gegründete „Nome Nugget“, die Mutter schreibt, der Vater vermarktet.
  • Klimawandel prägt ihre Arbeit: schmelzende Gletscher, weniger Schnee, spätes Seeeis, Taifune.
  • Deutschlandbesuch bei Großeltern in Göppingen – Lob für Radwege und Liebe zu Spätzle und Maultaschen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Lizzy Hahn hat einen weiten Weg hinter sich: die 22-Jährige kommt aus Alaska, genauer aus Haines, einem 1650-Einwohner-kleinen Ort auf der Chilkat-Halbinsel im Südosten des US-Bundesstaats, wo sie als Reporterin bei der „Chilkat Valley News“ arbeitet, einer Wochenzeitung, die etwa so viel Auflage hat, wie es im Bezirk Haines Borough Einwohner hat, nämlich 2100. Geboren ist sie in Nome an der Südküste der Seward-Halbinsel, ebenfalls im US-Bundesstaat Alaska gelegen. Rund 3700 Einwohner zählt diese direkt am Beringmeer und der Mündung des des Snake River gelegene Stadt. Studiert hat Lizzy in Fairbanks, etwa auf halber Strecke zwischen Haines und Nome gelegen. Science and Enviromental Journalism nennt sich ihr Fach. Seit Frühjahr hat sie ihren Abschluss in der Tasche.

Das alles klingt so weit weg, dass man ganz verblüfft  ist, wenn Lizzy erzählt, dass sie Spätzle und Maultaschen liebt und obendrein Schwäbisch versteht. Fließend Deutsch spricht die junge Frau aus Alaska ohnehin. Da zeigt sich dann: Alaska ist groß, aber die Welt ist klein, mögen zwischen Haines und Göppingen auch 7600 Kilometer liegen.

Lizzy  hat soeben einige Tage bei ihren Großeltern in Göppingen verbracht. Sie ist mit Freuden nach Innsbruck gereist und hat zwei Alpen-Etappen der Tour-de-France besucht. Jetzt sitzt sie, die Koffer halb schon wieder gepackt, im Stuttgarter Pressehaus, um über etwas über die Stuttgarter Zeitungen zu erfahren und über ihr eigenes Blatt zu sprechen. Auch über Alaska, „meine Heimat“.

Ihre Eltern kauften die älteste Zeitung Alaskas

Dazu gehört eine kleine Vorgeschichte: Lizzys Eltern sind gebürtige Deutsche. Ihr Vater hatte sich mit Mitte zwanzig entschlossen, Göppingen zu verlassen und auszuwandern. Der Grund: Er wollte Hundeschlitten fahren. So kam er nach Alaska. Dort traf er seine künftige Frau, ebenfalls eine Deutsche, die aus Frankfurt stammte. Sie heirateten, gründeten eine Familie, fuhren gemeinsam Hundeschlitten („bis zu fünf mal die Woche“) und kauften sich nach dem Tod der bisherigen Besitzerin eine Zeitung mit dem klangvollen, an buchstäblich goldene Zeitung erinnernden Namen „Nome Nugget“, die 1900 gegründete, älteste Zeitung Alaskas.

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Lizzys Mutter (59) schreibt, ihr Vater (55) kümmert sich um die Anzeigen. Dazu kommt eine weitere Reporterin. Viel größer ist die Redaktion der Wochenzeitung nicht. Auch nicht die der „Chilkat Valley News“ in Haines, wo Lizzy arbeitet: zwei Reporterinnen, eine Editorin und der Auftrag, ganz nah bei den Menschen zu sein. Das begann schon bei der Titelfindung. Als die Zeitung 1966 von einem Lehrer und einem Drucker gegründet wurde, erschien sie zunächst ohne Titel; die Leser durften darüber abstimmen und entschieden sich für „Chilkat Valley News“. Die Leser legen bis heute Wert auf die Printausgabe. Sie wollen etwas in der Hand haben, meint die junge Journalistin.

„Der Klimawandel ist unübersehbar“

Lizzy fühlt sich dort am richtigen Platz. Sie hat, inspiriert von den Eltern, früh angefangen zu schreiben und  schätzt den Lokaljournalismus, ohne den es haufenweise „News Desserts“ geben würde, wie sie sagt. Also Orte, von denen nicht berichtet würde, weil die Großen oft andere Prioritäten haben. In den „Chilkat Valley News“ findet sich alles Wichtige aus Haines. Berichtet wird über eine Kanufahrt von Haines in die 50 Meilen entfernte Hauptstadt Juneau, über die Lage der Lachsbestände oder die Rettung eines Seemanns. Und viel über Umweltthemen, Lizzys Spezialgebiet.

Gletscher in Alaska: 01.08.2026, USA, Juneau: Der Mendenhall-Gletscher, gesehen vom Mount McGinnis aus. Foto: Becky Bohrer/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Klimawandel macht sich auch an den Gletschern in Alaska bemerkbar. Hier der Mendenhall-Gletscher in der Nähe der Hauptstadt Juneau.

Becky Bohrer/AP/dpa

Die 22-Jährige ist gerne draußen bei den Leuten und in der Natur. Sie stellt dort gravierende Veränderungen fest: „Der Klimawandel ist unübersehbar. Die Gletscher schmelzen, es fällt weniger Schnee, das für uns wichtige Seeeis kommt später.“ Im Westen Alaskas würden zudem seit vier Jahren Taifune wüten: „Das gab es vorher nicht.“ Als Folge hätten Menschen im Yukon-Kuskowin-Delta ihre Häuser verloren und müssten nach Anchorage umziehen.

Lizzy liebt Alaska, zugleich hat sie einen professionellen journalistischen Blick. Sie will „gute Geschichten schreiben“, berichten, was ist, die Menschen informieren, nicht in die Rolle einer Aktivistin schlüpfen. Zugleich macht sie deutlich, wie drängend das Thema ist: Die Probleme, die der Klimawandel mit sich bringen würden, stellten sich in Alaska viel unmittelbarer  „Wir wohnen mit der Natur. Wir lernen schon in der Grundschule alles rund um das Meer. Du fischst einfach, das ist dein Leben.“

Lob für die deutschen Radwege

Alle paar Jahre kommt Lizzy nach Deutschland, um ihre Großeltern in Göppingen und Verwandtschaft im Raum Frankfurt zu besuchen. Jetzt war es wieder soweit. Sie ist gerne hier, auch wenn der Temperaturunterschied zu ihrer Heimat zuletzt 20 Grad betrug. Stuttgart findet sie schön, nur etwas zu laut. „Der Verkehr ist ziemlich wild.“ Dafür seien die Radwege in der Region großartig - und die Maultaschen der Großeltern!

Am Freitag flog sie über Seattle zurück nach Anchorage und fuhr von dort zurück nach Haines. Ihr nächstes Thema hat sie schon gefunden. In den Wäldern um Haines sind Tierkameras installiert. Solange Bären oder Elche auf den Bildern erscheinen, ist alles okay. Nun aber fingen die Kameras eine Art Hermelin ein. Ein Tier, das es dort eigentlich nicht gibt. Was es damit auf sich hat und was die Biologen dazu sagen? Demnächst mehr in den „Chilkat Valley News“!