Weissenhofsiedlung in Stuttgart
: Tiny Häuser sollen neu erstrahlen

Die Minihäuser des niederländischen Stararchitekten J.J. Pieter Oud in der Weissenhofsiedlung in Stuttgart werden saniert. Warum die Mieter einige Geduld aufbringen müssen.
Von
Nicole Golombek
Stuttgart
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  • Ikonisch, aber renovierungsbedürftig – die kleinen Häuser von J.J. Pieter Oud in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung.

    imago images/Westend61
  • Im Pankokweg in der Weissenhofsiedlung stehen . . .

    LICHTGUT
  • . . . die Reihenhäuser des niederländischen Architekten Jacobus Johannes Pieter Oud (1890-1963) und sind aktuell eingerüstet, . . .

    Ferdinando Iannone
  • . . . Dach und Fenster werden unter anderem saniert.

    Ferdinando Iannone
  • Am Eingang der Weissenhofsiedlung direkt neben der Kunstakademie entsteht derzeit das Weissenhof.Forum – ein Besucherzentrum mit Ausstellungsfläche und eine Anlaufstelle für die Besucher der Internationalen Bauausstellung IBA 27.

    LICHTGUT/Max Kovalenko
  • Der wegen seiner nachhaltigen Planung bereits vor Fertigstellung . . .

    Lichtgut/Ferdinando Iannone
  • . . . preisgekrönte Bau entstammt der Entwurfsfeder des Büros Barkow Leibinger Architekten aus Berlin

    rendering barkow leibinger
  • Bis heute gibt es keine Haltestelle, die den Namen der berühmten Wohnsiedlung trägt, wer zur Weissenhofsiedlung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, muss wissen, dass man an der Bushaltestelle „Kunstakademie“ auszusteigen hat. Auch im Haus des Tourismus findet sich bis auf einen Ausstellungsflyer kein Hinweis auf die Siedlung oder . . .

    Lichtgut
  • . . . auch auf diese Unesco-Welterbestätte (samt Museum): Das Haus Le Corbusier in der Weissenhofsiedlung Stuttgart.

    Lichtgut / Ferdinando Iannone
  • Die Mäuerchen am Eingang der Siedlung werden saniert und manches Haus ist eingerüstet, nicht nur die Oud-Reihenhäuser. Bis 2027 zum 100. Geburtstag wird einiges im neuen Glanz erstrahlen in der Siedlung.

    Lichtgut/Ferdinando Iannone
  • Bereits saniert ist Mies van der Rohes Mehrfamilienwohnhaus direkt neben den Oud-Reihenhäusern.

    Lichtgut/Achim Zweygarth
  • Die Häuser von Mart Stam noch vor der Sanierung, die aber bald abgeschlossen sein soll.

    LICHTGUT/Max Kovalenko
  • Hans Scharouns Wohnhaus in der Weissenhofsiedlung steht gut da.

    LICHTGUT/Zophia Ewska
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Gutes Schuhwerk braucht, wer dieser Tage in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung unterwegs ist. Heftig gearbeitet wird auf der Baustelle zum Weissenhof.Forum, das innovative Info- und Empfangsgebäude soll 2027 spätestens fertig sein, wenn die IBA 27 beginnt. In dem Jahr feiert dann bekanntlich auch die Weissenhofsiedlung ihren 100. Geburtstag und auch dort sind jede Menge Bauzäune errichtet.

Die komplette Siedlung steht unter Denkmalschutz. Teil der Siedlung sind zwei Bauten des Architekten Le Corbusier, die Unesco-Welterbestätten sind. Das Land Baden-Württemberg gab 2025 im Zuge der Denkmalschutz-Förderung 12000 Euro für ein Ausstellungs-Film-Kooperationsprojekt „Le Corbusier-Häuser:„Wie wohnen?“.

Stuttgarter Weissenhofsiedlung – ein Renovierungsprojekt

Auch die Wüstenrot Stiftung unterstützt die Siedlung seit Jahren. Sie wird, seit sie im Besitz der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) ist, peu à peu saniert – mit Unterstützung der Wüstenrot Stiftung, die reichlich Expertise im Denkmalschutz besitzt.

Fast fertig saniert sind die Mart-Stam-Häuser, deren Fassade schon wieder in einem sehr besonderen Blauton leuchten. Die Mäuerchen am Eingang der Siedlung Am Weissenhof aber sahen zuletzt arg mitgenommen aus, sie werden jetzt ausgebessert. Und nun sind die fünf schmalen Reihenhäuser des niederländischen Architekten J.J. Pieter Oud im Pankokweg 5-9 eingerüstet.

Tiny Houses in der Weissenhofsiedlung Stuttgart

Eingerüstet – Die Reihenhäuser in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung von der Gartenseite aus gesehen.

Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Das Dach und die Fenster sind an der Reihe, wie Frank Riethmüller, der Leiter Baumanagement Bestand der SWSG, bei einem Besuch auf der Baustelle berichtet. Der Wärmedämmputz, der in den 1980ern schon mal neu aufgebracht wurde, hat eine Erneuerung nötig, die Betonstützen am Eingangsbereich, neue Dachabdichtung ist nötig, Oberlichter und Fenster werden bearbeitet. „Und auch die Mauern sanieren wir“, sagt Frank Riethmüller.

Natürlich wird alles nach Denkmalschutzregeln aufgearbeitet. Die Stahlrahmen der Fenster, die auch aus den 1980ern stammen, werden repariert oder ersetzt und größtenteils vor Ort aufgearbeitet, die Scheiben werden ausgetauscht gegen besonders dünne Isolierglasscheiben. Da wird den Bewohnern der berühmten Bauten einiges an Geduld und Lärmtoleranz abverlangt.

Mäuerchen in der Stuttgarter Siedlung werden aufgearbeitet

Der Eingang auf der Gartenseite, an der ein öffentlicher Spazierweg vorbeiführt (der Belag soll ebenfalls ausgebessert werden), war ursprünglich der eigentliche offizielle Eingang, berichtet Riethmüller beim Baustellenrundgang.

Inzwischen aber befinden sich die Klingelschilder und Haupteingänge auf der Straßenseite, was praktisch ist, da man mit Einkäufen gleich in den Wirtschaftsraum gelangt. Die Gärten sind je nach grünem Daumen der Bewohnerschaft aktuell unterschiedlich gestaltet und dürfen bleiben wie sie sind; wer aber will, bekommt etwa neue Terrassenplatten.

Energetisch sanieren ist im Denkmal eine knifflige Angelegenheit und kostspielig, die Sanierungskosten für die Oud-Häuser betragen voraussichtlich rund 1,7 Millionen Euro, weil oft keine günstige Massenware verbaut werden kann. Bis zum Frühling 2026 werden die Mietenden in den kleinen Reihenhäusern dort noch mit der Baustelle leben müssen.

Auch wenn man sie nicht von innen besichtigen kann, da sie bewohnt sind, zeugen die Bauten des niederländischen Architekten davon, dass das Wohnen auf relativ geringer Grundfläche möglich ist. Aktuell ist der Durchschnitts-Wohnraumverbrauch in Deutschland 47 Quadratmeter pro Person, die Oud-Häuser sind für Familien geplant gewesen und kommen mit 72 Quadratmetern pro Haus aus.

Info

Ausstellung
Die zwei Le Corbusier Häuser – bekanntlich Unesco-Weltkulturerbestätte – in der Weissenhofsiedlung sind immer einen Besuch wert, das Museum in einem der beiden Gebäude hat geöffnet.

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