Aprikosen aus Stuttgart
: Geschmackvolle Sonnenanbeter aus dem Süden

Der Süden ist in Stuttgart angekommen: Das Sortiment auf dem Sonnenbühlhof zumindest bei der Cannstatter Theodor-Heuss-Kaserne steht in diesen Wochen dem eines Obsthändlers in Italien oder Spanien in nichts nach. Im Hofladen der Familie Heß sind momentan Aprikosen der Renner. Auch Pfirsiche und Nektarinen gibt es.
Von
Ingrid Sachsenmaier
Stuttgart
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Rote Bäckchen: Jochen Heß erntet die reifen Früchtchen

Sachsenmaier

Stuttgart/Fellbach - „Alles aus eigenem Anbau“, sagt Manfred Heß, und sein Sohn ­Jochen zeigt auf eine Kiste mit rotbackigen Aprikosen. Große, pralle Früchte. Vor zehn Jahren haben sie die ersten Aprikosen-Bäume gepflanzt. Den heißen Sommer von 2003 nahmen sie als Erfahrung, dass die Temperaturen in unseren Breitengraden sich denen in Südeuropa zusehends annähern. Jochen Heß, damals 20 Jahre jung, hatte gerade seine Prüfung als Obstbaumeister abgelegt und „wollte etwas anderes machen und ausprobieren“. Mittlerweile erntet er die südliche Frucht auf insgesamt vier Grundstücken am Stuttgarter Stadtrand. Aus dem Versuch, ob es klappt, wurde Gewissheit. Die Markt­lücke mit heimischen Aprikosen bedient er in Fellbach und Umgebung derzeit alleine.

„Rote Bäckle“ sollten sie nach den Wünschen der hiesigen Kundschaft haben, beobachtet Vater Manfred Heß. Den sonnen­gelben Früchten macht die Hitze nichts aus, „man muss ihnen aber fast täglich Wasser geben“. Jochen Heß schwört auf Tröpfchenbewässerung, dazu hat er sich Schläuche aus Israel besorgt. „Dort ist es sehr heiß und das Wasser knapp, diese Schläuche sind effektiv und gleichzeitig sparsam.“ Wenn Aprikosen nicht genügend Flüssigkeit bekommen, fehlt der Frucht der Saft, und sie wird „notreif“.

Die Setzlinge für die Aprikosenbäume holt Heß bei einem deutschen Händler, „der 300 Kilometer weit entfernt sitzt“. Der Anbau von Aprikosen braucht viel Fachwissen und erfordert ausschließlich Handarbeit. „Mit der Maschine geht da nix.“ Im Frühjahr, während der Blüte, werden die Äste ausgedünnt, wenn der Baum Früchte angesetzt hat, wird auch hier die Menge reduziert – „sonst bleiben die Aprikosen sehr klein“, sagt Jochen Heß und zeigt stolz auf einen Ast mit großen, rotbackigen Aprikosen.

Der Aprikosenbaum reagiert empfindlich auf Frost

In den Jahren hat er viel gelernt, aber auch Lehrgeld zahlen müssen. Im Winter streicht er mittlerweile den Stamm mit weißem Kalk an. Das verhindert, dass die Rinde aufbricht und sich Keime und Pilze festsetzen können. Der Aprikosenbaum ­reagiert empfindlich auf Frost und Stress, ausgelöst zum Beispiel durch Staunässe im Boden. „Sieben Bäume haben wir deshalb schon mal in einem Jahr verloren. Das ist dann wie ein Herzinfarkt, erst stirbt ein Ast ab, dann der zweite und dann der ganze Baum“, beschreibt Manfred Heß ein Phänomen, das er von anderen Bäumen so nicht kennt.

Erst vor ein paar Tagen war Sohn Jochen in der Nähe von Wien im Burgenland auf einem zweitägigen „Aprikosen-Symposium“. Dort haben sich Anbauer aus ganz Europa getroffen, viele kamen aus Österreich und Frankreich, wo die Frucht schon lange zu Hause ist. Heß verkauft das Kilo für 5,20 Euro. Seit Anfang Juli läuft die Ernte, etwa sechs Wochen – bis Mitte August.

Für Jochen Heß sind die Bedingungen hierzulande gut, um Aprikosenbäume zu pflanzen. Nicht nur. Seine Erfolge machen ihn mutig, die Neugier ist da, das Know-how auch – und die Kundschaft ebenfalls. Mittlerweile hat er auch Pfirsichbäume, die so große und aromatische Früchte tragen, wie man sie aus Italien kennt. Bei ihnen kostet das Kilo 2,80 Euro. Auch Nektarinen gedeihen hervorragend auf Fellbacher Boden, seit etwa einer Woche erntet Heß die ersten, faustgroßen Früchte. Das Fleisch ist fest, der Geschmack süß. Das Kilo kostet 3,20 Euro. Selbst an Platt-Pfirsichen, seit ein paar Jahren in Mode, hat er sich versucht. „Das ist sehr schwierig, sie wachsen ohne Stiel und reißen deshalb schnell auf“, verdeutlicht er an einer Frucht, die am Ast hängt. Er wird daher die Produktion nicht weiter ausbauen.

Für Südfrüchte aus Stuttgart zahlen die Kunden auch einen höheren Preis

Ganz im Gegenteil zu Melonen. Zum ­ersten Mal hat er dieses Jahr die Charentais-Melone ausgesät, sie hat schon die ersten Früchte angesetzt. Noch ist die raue Schale der kleinen Melonen eher dunkelgrün. „Wenn sie reif ist, wird die Schale ein bisschen heller und längs gestreift“, freut sich Vater Heß auf die Ernte. „Es ist die beste Melone, die es gibt, süß und sehr aromatisch“, schwärmt er.

Früchte, die bisher dem Süden Europas zugeordnet wurden, werden also weiter ihren erfolgreichen Vormarsch in hiesigen Anbaugebieten machen. Bei Tafeltrauben ist das ja schon vor Jahren passiert. „Die Kunden wollen das, sie wünschen sich Produkte von hier, der Geschmack ist einwandfrei.“ Dafür zahlen sie auch einen höheren Preis. Manfred Heß vom Sonnenbühlhof ist Selbstvermarkter, er liefert nicht an den Großmarkt.

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