Aktion Weihnachten
: Viele Engel in der Stadt

Eine Umfrage der Aktion Weihnachten unter Stuttgartern ergibt: In dieser Stadt sind viele Engel unterwegs. Auch viele Menschen zeigen im Umgang mit anderen Engelsqualitäten. Eine Beobachtung von Jan Sellner.
Kommentar von
Jan Sellner
Stuttgart
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  • Bunt wie das Leben: Holz-Engel aus dem Kreativatelier des BHZ in Feuerbach.

    Lichtgut/Leif Piechowski
  • Irene Armbruster, Geschäftsführerin der Stuttgarter Bürgerstiftung: Am wohlsten fühlen sich Engel in Scharen. Das ist meine Erfahrung. Dann verbreiten sie Glanz und Gloria. Es ist gut einen Schutzengel zu haben. Aber es leuchtet und tönt, wenn eine Engelsgruppe gemeinsam wirkt und Kaffee auf dem Friedhof ausschenkt, mit Kindern ins Theater geht oder mit Menschen in prekären Lebenssituationen kocht und isst. Engel lieben die Gemeinschaft und das Gute ist, sie nehmen immer wieder gerne neue Engel auf.

    Foto: Caroline Holowiecki
  • Stephan Schorn , Leiter der Abteilung gesellschaftliches Engagement bei der LBBW und Geschäftsführer der LBBW-Stiftung: „Mitte September ist mir nachts ein Krankenpfleger als Engel begegnet: Mein Vater und ich waren im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz am Bett meiner sterbenden Mutter. Der Pfleger schaute einmal in der Stunde vorbei, und als er merkte, dass mein Vater müde wurde, schob er kurzerhand ein weiteres Bett ins Zimmer, so dass er sich immer wieder kurz hinlegen konnte. Obwohl für zwei Stationen alleine zuständig, organisierte er noch einen kleinen Schwamm und den Lieblingstee meiner Mutter, damit wir ihre Lippen feucht halten konnten. Als sie schließlich in den Morgenstunden starb, tat sich das ruhig und ohne erkennbare Schmerzen. – Am gleichen Abend feierten wir den 40. Geburtstag der LBBW-Stiftung. Das konnte ich auch dank dieses irdischen Engels im Krankenhaus und in der Gewissheit tun, dass meine Mutter in der Geborgenheit Gottes gut angekommen war.“

    Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
  • Patrick Bopp, ehemals „Die Füenf“, Sänger, Leiter von diversen Chören, darunter dem Chor der Vesperkirche „Rahmenlos & Frei. Bopp ist auch Mitinitiator und musikalischer Moderator des Stuttgarter Weihnachtssingens am vierten Advent im Gazi-Stadion: Meine spontane Reaktion wäre: Nein, mir ist in diesem Jahr kein Engel begegnet. Aber wenn ich in mich hineinhorche, wird mir klar, dass ich diese Begegnung(en) nur nicht bewusst wahrgenommen habe. Ich durfte in diesem Jahr immer wieder Augenblicke der Dankbarkeit und des Glücks erleben und diese Momente der Bewusstwerdung sind für mich Nahtstellen für ,Engelsbegegnungen‘. Konkret ist mir in den letzten Wochen vor dem Abschiedskonzert der Füenf aufgefallen, dass wir in den 29 Jahren so unfassbar viele Kilometer quer durch Deutschland gefahren sind, ohne einen Unfall zu haben. Also wenn da kein Schutzengel am Werk war. Das lässt sich natürlich auch auf viele scheinbar selbstverständliche Zustände im Leben wie beispielsweise Familie oder Beruf übertragen.

    Fotot: Caroline Holowiecki
  • Dagmar Mikasch-Köthner , Direktorin der Stuttgarter Volkshochschule: Die Begegnung, von der ich erzählen möchte, liegt ein paar Jahre zurück. Aber sie ist mir so eindrücklich im Gedächtnis geblieben, dass ich sie hier gerne teilen möchte. Es war am 1. Weihnachtsfeiertag. Ich war morgens zu einer Joggingrunde aufgebrochen. Außer mir war an diesem kalten Weihnachtsmorgen noch niemand unterwegs, als auf einem Waldweg vor mir, im Nebel nur schemenhaft zu erkennen, ein kleiner Junge auftauchte. Er trug eine bei der Kälte viel zu dünne Jacke und einen Rucksack auf dem Rücken, aus dem ein Teddy herausschaute. „Bist Du ganz allein unterwegs?“ Kopfnicken. „Und wo kommst Du her?“ Sein Arm zeigte in Richtung Straßenbahnhaltestelle. „Ich begleite Dich ein Stück.“ Verlegen willigte der Junge ein. „Ich besuche meinen Papa, der wohnt da vorne am Sportplatz.“ Aha, daher der Rucksack. Wir gehen schweigend nebeneinander her.

    Foto: Wilhelm Mierendorf
  • Markus Eisenbraun , Stuttgarter Polizeipräsident: Engel schützen, bringen Licht in die Dunkelheit und Hilfe, wo sie benötigt wird. Unsere Beamtinnen und Beamten bringen Tag für Tag Ruhe in chaotische Momente, helfen und schützen, wo sie können, und geben so den Menschen vielleicht etwas Hoffnung zurück. Sie zögern nicht, in Notsituationen entschlossen einzuschreiten und dabei auch ihr Leben zu riskieren. Wir sind manchmal unsichtbar, manchmal sichtbar, aber „sicher“ immer da.

    Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
  • Markus Korselt, Geschäftsführender Intendant der Stuttgarter Kammerorchester: Engel können sicher heiter sein, aber so einen habe ich nicht gesehen. Dafür sah ich einen anderen, obwohl ich wegschauen wollte: zart, verletzlich, ganz bei sich, wie einer dieser von Paul Klee in schnellen Strichen gezeichneten Engel. Der in dreckstarrende Lumpen gehüllte etwa sechsjährige Junge lag mitten auf einer Straße. Schlief er? Diesen Engel bekomme ich nicht aus dem Kopf, ich hab’s versucht. Noch besser als Verdrängung: Lasst uns etwas tun, eine kleine Spende ist ein Anfang. Dann kommt beim nächsten Mal vielleicht ein heiterer Engel.

    Foto: Wolfgang Schmidt Ammerbuch
  • Irene Kolb-Specht, Vorstandsvorsitzende des bhz Stuttgart: Mir begegnen Engel immer dann, wenn ich allein nicht weiterkomme und unverhofft Hilfe von wohlmeinenden Mitmenschen erhalte. In den Einrichtungen des bhz Stuttgart sind es die Mitarbeitenden, die Menschen mit Behinderungen nicht nur bei der Alltagsbewältigung begleiten, sondern darüber hinaus deren Leben mit besonderen Angeboten und Aktivitäten bereichern. Es sind die Menschen, die das bhz Stuttgart bei der Erfüllung seines diakonischen Auftrags großzügig materiell und immateriell unterstützen. Diese Menschen stimmen mich zuversichtlich in dieser Welt voller Krisen.

     
  • Monika Renninger, Pfarrerin und Leiterin des Evangelischen Bildungszentrums Hospitalhof: Mit Engeln habe ich oft zu tun. Ich sehe einen ziemlich regelmäßig hier bei uns um die Ecke, der einem Mann, der auf der Straße lebt und auf keinen Fall in eine Unterkunft will, regelmäßig einen Kaffee vorbeibringt und etwas zu essen. Ich habe vor kurzem mit einem gesprochen, der neulich nachts stundenlang mit einem Freund in der Ukraine telefoniert hat, dessen Kind sehr krank ist. Zufällig bin ich kürzlich einem auf dem Wochenmarkt begegnet, der mich daran erinnert hat, dass ich noch einen Wunsch guthabe, weil ich vor Jahren einmal einer alleinerziehenden Familie geholfen habe, eine Wohnung zu finden. Da habe ich nicht gezögert und gesagt, nun bräuchte ich auch einen neuen Arbeitsplatz für diese Frau. Und gerade jetzt erst habe ich einen mir bereits bekannten Engel gesehen, wie er ein weinendes Kind getröstet und zum Lachen gebracht hat. Mich auch.

     
  • Matthias Vosseler, Pfarrer der Stuttgarter Stiftskirche: Er begegnet mir jede Woche, ja fast jeden Tag: der Engel an der Kanzelsäule der Stiftskirche. Er hält eine Posaune in seiner Hand. Wenn einmal die Posaune ertönt, soll diese Welt gerichtet werden. Aber dieser Engel bläst die Posaune noch nicht. Seine Augen sind auf Jesus am Kreuz gerichtet. Mir will das im Jahr 2024 sagen: Gib den Menschen Liebe und Zuneigung im Sinne Jesu. Setz dich ganz für ein gutes Miteinander in unserer Stadt ein. Mach auch mal Pause. Engel machen das auch.

     
  • Petra Mack, Leitung Werkhaus des bhz Stuttgart: Engel begegnen uns wahrscheinlich sehr oft im Alltag, wenn wir dafür offen sind und aufmerksam hinschauen. Wir sind umgeben von ihnen, es sind Engel mit unsichtbaren Flügeln, Menschen die uns nahestehen, die uns in schwierigen Situationen auffangen oder uns Freude bereiten und uns zum Lachen bringen. Da ist mein bester Freund, der einfach ohne zu fragen eine Tag Urlaub nimmt, um mich zur Beerdigung eines für mich wichtigen Menschen zu fahren. Der nicht sagt, ich habe keine Zeit, sondern da ist, wenn ich ihn brauche. Da sind unsere Menschen mit Behinderung, die mich nach drei Wochen Urlaub freudestrahlend empfangen und sagen: Unser Sonnenschein ist endlich wieder da! Wir haben dich so vermisst! Irdisch und ganz menschlich öffnen diese Engel das Herz und schenken Licht und Leichtigkeit in den oft nicht ganz einfachen Zeiten. Ich wünsche uns allen den offenen Blick für Engel im Alltag und den Schutz der himmlischen Engel im neuen Jahr 2025.

     
  • Michael Gaedt, Comedian: Die Frage nach dem Treffen mit einem Schutzengel im Jahr 2024 kann ich sehr präzise beantworten. Am 23. Oktober fuhr ich mit meinem kleinen roten Lkw zur Probe nach Berlin. Kurz nach Ludwigsburg, gegen 12.30 Uhr, fuhr ich auf einen stehenden Lkw auf. Als ich ausstieg, sah ich die Bescherung. Das Bild, das sich mir zeigte, kann man am ehesten mit folgendem weihnachtlichen Missgeschick illustrieren. Setzen Sie sich einfach auf die Tüte mit dem Christbaumschmuck! Dass ich unverletzt aussteigen konnte, dass niemand verletzt wurde, dass ich das Krankenhaus in Bietigheim nach 6 Stunden verlassen konnte . . . ist alles ein Wunder. Und für Wunder ist bei mir mein Schutzengel zuständig und nicht Parship oder Tinder! Dieses eine Mal hätte ich ihn fast gesehen, all die anderen Male im Jahr hat er sich sicher ganz unauffällig „eingemischt“. Im Namen aller Schutzengel, der Polizei Ludwigsburg und den Rettungssanitätern wünsche ich eine frohe Weihnachten und entschuldige mich nochmals für 5 Stunden Stau auf 15 Kilometern auf der A 81.

     
  • Eric Gauthier, Gründer von Gauthier Dance, Choreograph, Tänzer, Sänger: Mir hat dieses Jahr ein Engel namens Jens Mut gemacht – mein enger Freund und Band-Kollege Jens-Peter Abele, der vor zwei Jahren ganz plötzlich starb. Seitdem hatte ich meine Gitarre nicht mehr angerührt. Aber irgendwann war da dieses Gefühl, als ob Jens mir sagen wollte: Jetzt ist gut, schau nach vorn und mach wieder Musik. Und dann ging alles ganz schnell. Mit dem neuen Gitarristen Vitek Spacek und meinen alten Kollegen feiern wir nun unser Comeback mit einem Konzert im Theaterhaus Ende November – und als Show-Band für die Nacht der Lieder 2024.

     
  • Martina Rudolph-Zeller, Leiterin der Telefonseelsorge Stuttgart: „Was wir bei der Telefonseelsorge hören, ist oft schwer. Depressionen, Ängste und Einsamkeit belasten die Menschen und stehlen ihnen die Lebensfreude. Doch so oft ist es, als würde eine unsichtbare Kraft die Gespräche begleiten. Diese Kraft, die ich als unseren Hoffnungsengel empfinde, hilft uns, die Schwere des Gesprächs zu durchbrechen. Wir finden gemeinsam Wege, um die Dunkelheit ein Stück zu vertreiben. Erinnerungen an Momente des Lachens und der Leichtigkeit bedeuten Hoffnung und damit Zuversicht.“

     
  • Bettina Strohm, Sprecherin des Bosch-Chors: Ein Engel ist für mich meine Buchhändlerin in einem Viertel am Stuttgarter Stadtrand. Viele Kunden kommen nicht, um Bücher zu kaufen. Doch hier gibt es Unterstützung für viele Anliegen. Schulartikel, die den Großmärkten keinen Gewinn versprechen, geduldige Beratung beim Kauf von Cent-Artikeln, Passfotos für alle Anforderungen, ein offenes Ohr, ein Gespräch. Hund Maxi bekommt immer ein Leckerli. Der Buchladen ist eine Wärmestube in einem Viertel, in dem nun leider auch der Metzger und Bäcker aufgegeben haben. Hoffen wir, dass dieser Engel dem Viertel erhalten bleibt.

     
  • Werner Schmidt, Koordinator der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen: Engel beschützen und helfen uns, sie verbreiten Zuversicht und Hoffnung. Engel sind für mich in erster Linie unzählige Bürger:innen, die durch ihr ehrenamtliches Engagement unser Gemeinwesen trotz aller Widrigkeiten zusammenhalten. Nachbarschaftshelfer:innen, Fußballtrainer:innen und Menschen, die sich um Geflüchtete kümmern oder mit den Stolpersteinen eine lebendige Erinnerungskultur pflegen. Doch auch sie brauchen ihre Engel. Gerade wenn sie dauerhaft für andere da sein sollen/wollen, sind sie angewiesen auf die Unterstützung der Mitarbeitenden in karitativen Verbänden, Sportvereinen und anderen Organisationen. Ohne die Leiterin der Stadtteilbibliothek, die der örtlichen Stolperstein-Initiative offene Sprechstunden und Filmveranstaltungen in ihren Räumlichkeiten ermöglicht, oder die immer mit großer Umsicht und ganzem Herzen über das übliche Maß hinaus Arbeitenden im Lern- und Gedenkort Hotel Silber wären die vielfältigen Impulse für eine offene und tolerante Stadtgesellschaft nicht machbar. Damit auch in Zukunft viele Engel ihr gutes Werk verrichten können, müssen die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Miteinander von Ehren- und Hauptamt erhalten und – wo notwendig – sogar ausgebaut werden

     
  • Gabriele Ehrmann, Diakoniepfarrerin und Leiterin der Vesperkirche St. Leonhard: Ja, Engel gehören zu Weihnachten. Aber sie sind nicht immer an ihren Flügeln zu erkennen. Mal sind sie großartig. Manchmal sind sie völlig unscheinbar. Als ich angefragt wurde, eine Engelgeschichte aufzuschreiben, ist mir erst einmal gar keine eingefallen. So unscheinbar können Engel oft sein. Aber auf den zweiten Blick, da sind sie plötzlich da, die Engel und nicht nur an Weihnachten. Neulich stand ich in der Schlange im Supermarkt ohne Wagen so auf die Schnelle und war sehr in Eile. Die Dame vor mir schaute mich an und sagte: „Gehen Sie doch vor, ich habe Zeit.“ „Danke schön“, sagte ich erleichtert: „Sie sind ein Engel!“

     
  • Menja Stevenson, Leiterin der Jugendkunstschule, Stuttgart. Sie hat zusammen mit Schülern das Open Piano in der Unterführung am Charlottenplatz künstlerisch gestaltet: Der ganze „Charly“ (Charlottenplatz) ist von wunderschöner Klaviermusik erfüllt: Eine Virtuosin spielt mit geschlossenen Augen am Open Piano, das wir dort aufgestellt haben. Dazu quietscht eine einfahrende U-Bahn. Da höre ich einen lauten Schlag: Ein älterer Herr ist gegen die ankommende Bahn gefallen: Aber noch während er auf die Gleise hinunter taumelt, greifen in Sekundenschnelle acht Hände nach ihm und ziehen ihn zurück. Wie im Film spielt während all dem die Zaubermusik weiter.

     
  • Nils Runge, Nachtmanager Stadt & Region Stuttgart beim Pop-Büro Region Stuttgart: 2024 – ein Jahr, das uns vieles abverlangt hat. Die Welt brennt an vielen Ecken: Kriege, Krisen, wachsender Druck, Rechtsruck. Doch auch in der Dunkelheit gibt es viele Momente, die leuchten. Eine unerwartete Umarmung, ein fremdes Lächeln, ein Wort, das zur rechten Zeit kommt, ein Blick, der Mut macht. Engel? Sind für mich keine Wesen mit Flügeln, sondern Gesten der Menschlichkeit. Sie zeigen sich leise, durch andere Menschen, mitten im Alltag. Und manchmal sind es auch wir, wenn wir für andere da sind.

     
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Laut Statistik zählte Stuttgart Ende November exakt 609 702 Einwohner – 305 771 Frauen und 303 931 Männer. Nicht erfasst sind in dieser Erhebung des Statistischen Amtes die Zahl der Engel, die sich in Stuttgart aufhalten. Und vermutlich liegt man nicht falsch, wenn man annimmt, dass sie auch sonst in keiner Statistik auftauchen. Abgesehen von den Holz-Engeln aus dem Kreativatelier des BHZ, der Einrichtung für Menschen mit Behinderung, die für unsere Benefizaktion – die Aktion Weihnachten – unterwegs sind. Erfreulicherweise wurden schon mehr als 200 der bunten Engel bestellt.

In der Natur von Engelwesen liegt es jedoch, dass sie sich nicht erfassen lassen. Nicht mit dem Verstand und schon gar nicht mit Statistiken. Und trotzdem sind sie da – unsichtbar, wie es sich für Engel gehört, doch sehr präsent. Und das in stattlicher Zahl.

So viele Engel – Stuttgart könnte auch Los Angeles heißen

Diese Erkenntnis verdanken wir einer Umfrage unter Stuttgarter Persönlichkeiten im Rahmen der Aktion Weihnachten. „Wo ist Ihnen in diesem Jahr ein Engel begegnet?“, haben wir gefragt und die Befragten damit zum Nachdenken gebracht. Ihre Antworten, die wir bis Weihnachten täglich veröffentlichen, lassen keinen Zweifel daran, dass Stuttgart unter Engels-Gesichtspunkten auch Los Angeles heißen könnte. Mit anderen Worten: Die Stadt ist voll davon. Man begegnet ihnen fast auf Schritt und Tritt.

Das beginnt mit den lebensrettenden Schutzengel. Der Comedian Michael Gaedt hatte einen, als er im Oktober auf der Autobahn auf einen stehenden Lastwagen auffuhr und sein Fahrzeug danach aussah, „als hätte man sich auf die Tüte mit Christbaumschmuck gesetzt“. Dass er unverletzt blieb, nennt er „ein Wunder“. Seitdem ist er überzeugt davon, dass es einen Schutzengel gibt: „Dieses eine Mal hätte ich ihn fast gesehen. All die anderen Male im Jahr hat er sich sicher unauffällig ,eingemischt.“ Was nicht heißt, dass man Schutzengeln alles überlassen sollte.

„Eine unsichtbare Kraft“ hilft bei der Telefonseelsorge

Von Engeln ist oft auch die Rede, wenn Menschen gottverlassen zu sein scheinen. Martina Rudolph-Zeller von der so wichtigen Stuttgarter Telefonseelsorge, berichtet von einer „unsichtbaren Kraft“, die sich in Gespräche mit Anrufern plötzlich einstellt und hilft, „die Schwere des Gesprächs zu durchbrechen“. „Hoffnungsengel“ nennt sie diese Kraft. Dagmar Mikasch-Köthner, die Chefin der Volkshochschule, ist einem Kinder-Engel begegnet und Irene Armbruster von der Bürgerstiftung hat Engel erlebt, „die mit Menschen in prekären Lebenssituationen kochen und essen“ und dabei festgestellt: „Engel lieben die Gemeinschaft, und das Gute ist, sie nehmen gerne neue Engel auf.“ Monika Renninger, Leiterin des Hospitalhofs, hat nach eigenen Worten sogar „oft mit Engeln zu tun. Ich sehe einen regelmäßig bei uns um die Ecke, der einem Mann, der auf der Straße lebt und auf keinen Fall in eine Unterkunft will, Kaffee vorbeibringt und etwas zu essen.“

Diese und andere Beobachtungen lassen vermuten, dass es sich bei nicht wenigen der 609 702 Einwohner Stuttgarts eigentlich um Engel handelt. Zumindest um Menschen, die eine Engelsgeduld und andere Engelqualitäten haben, die zuhören können und bereit sind, Bedürftigen unter die Arme zu greifen. Sie brauchen ihrerseits Zuspruch, damit ihre Flügel nicht erlahmen. Als Aktion Weihnachten wollen wir ihnen Danke sagen!

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