60 Jahre Stuttgarter Fernsehturm
: Historische Bilder der schwäbischen Betonnadel

Erst haben sie gebruddelt, dann haben die Schwaben ihn doch liebgewonnen, ihren Fernsehturm. Auch die Queen und Theodor Heuss waren auf der Stuttgarter Betonnadel, die am 5. Februar 60 Jahre alt wird. Wir haben die historischen Fotos.
Von
Bettina Breuer
Stuttgart
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  • Seit fast 60 Jahren gehört der Fernsehturm zu Stuttgart wie die Butter auf die Brezel. Dass es auch ohne geht, haben die Stuttgarter in den letzten drei Jahren lernen müssen. Dass es mit aber schöner ist auch. In unserer Bildergalerie zeigen wir historische Aufnahmen des Fernsehturms aus dem Archiv des SWR.

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  • Nachdem sich der Gemeinderat der Stadt und der Verwaltungsrat des damaligen SDR über die Kosten nicht einige werden können, beschließt die Rundfunkanstalt im Mai 1954 einen Alleingang auf eigene Kosten. Der Bau beginnt am 10. Juni 1954 mit dem ersten Spatenstich der Intendanten des Süddeutschen Rundfunk, Dr. Fritz Eberhard.

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  • Die Baugrube für das Fundament des Turms wird ausgehoben. Fritz Leonhardt, der Vater des Fernsehturms, legt das breite Fundament unter die Erde, um die optische Leichtigkeit des Turms nicht zu zerstören.

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  • Das von Leonhardt entwickelte Ringfundament hat eine Kernweite von 27 Metern. Auf dem Fundament lasten 4500 Tonnen.

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  • Ein radiales Drahtbündel aus festem Stahl verhindert, dass die Tonnenlast das Fundament sprengt.

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  • Schwindelfrei auf der Baustelle des Turmschafts: Der Außendurchmesser des Turms beträgt am Boden 10,80 Meter und verjüngt sich bis zum Korbansatz auf 5,04 Meter.

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  • Die feierliche Eröffnung des Bauwerks am 5. Februar 1956 mit SDR-Intendant Eberhard. Statt der kalkulierten 1,7 Millionen DM hatte der Bau 4,2 Millionen DM verschlungen. Der SDR hatte die Bausumme jedoch nach nur fünf Jahren mit den Eintrittsgeldern wieder drin. Der Eintritt betrug damals für Erwachsene 1,50 Mark und für Kinder 70 Pfennig.

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  • Am 5. Mai 1956 stattete der damalige Bundespräsident Theodor Heuss mit seiner Frau Elly Heuss-Knapp dem Stuttgarter Fernsehturm eine Besuch ab und trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

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  • Und noch ein hoher Besuch auf höchster Ebene: Am 24. Mai 1965 kam Queen Elizabeth II. mit ihrem Mann Prinz Philip zu einem Empfang auf den Fernsehturm. Der SDR übertrug das Spektakel natürlich live.

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  • Die Zeichnung für das von Fritz Leonhardt entwickelte Fundament für den Turm.

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  • Die Kanzel des 217 Meter hohen Turms in einer Zeichnung ...

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  • ... und im Modell.

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Stuttgart - Als am 27. März 2013 die Nachricht von der sofortigen Schließung des Fernsehturms die Runde machte, hielten das viele zunächst für einen vorgezogenen Aprilscherz. Doch Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn war nicht zum Lachen zumute. Aus Brandschutzgründen ließ er das Wahrzeichen Stuttgarts am Tag darauf für fast drei Jahre schließen. So lange zogen sich die Modernisierungsmaßnahmen hin.

Manch ein Stuttgarter hat die Betonnadel auf dem Hohen Bopser, die am 5. Februar ihren 60. Geburtstag feiert, in dieser Zeit sicher schmerzlich vermisst. Kommt Besuch nach Stuttgart, zeigt man den Schlossplatz, besucht vielleicht ein Kunst- und bestimmt ein Automuseum, fährt mit Zacke oder Seilbahn, ersteigt eine der Höhen mit Blick auf die Stadt - und fährt hoch auf den Fernsehturm.

Dabei war vor 60 Jahren der dringend benötigte Sendemast für das damals noch jungfräuliche Fernsehen zunächst gar nicht als Aussichtsturm geplant gewesen. Zunächst wollte man lediglich einen 200 Meter hohen Stahlgittermast auf dem Hohen Bopser, 483 Metern über der Stadt, errichten und damit weit über die Grenzen Stuttgarters den Empfang des neuen Mediums sichern.

Auch die Queen fährt hinauf

Doch Dank Fritz Leonhardt, damals Bauingenieur für Brücken- und Hochbau, erfolgte der erste Spatenstich am 10. Juni 1954 für einen Aussichtsturm mit Bewirtung statt für einen reinen Zweckbau. Weil man sich mit der Stadt über die Kosten nicht einig wurde, stemmte der damalige SDR das Projekt in Eigenregie. Auch so manchem Bürger war das Ungetüm aus Stahl und Beton, das da während der 20-monatigen Bauphase über die Baumwipfel wuchs, ein Dorn im Auge oder vielmehr ein Schandfleck in der Natur.

Dass der Fernsehturm in wenigen Jahren zum Wahrzeichen der Landeshauptstadt avancieren und sich selbst Königin Elizabeth II. auf ihrem Besuch in Stuttgart am 24. Mai 1965 mit dem Aufzug in die Kanzel des "Schandflecks" befördern lassen würde, hätten die Kritiker des visionären Bauprojekts wohl niemals geglaubt.

Am 30. Januar wird der erste Fernsehturm der Welt nach der langen Sanierungsphase wieder für Besucher freigegeben. Der Besuch von Außerhalb kann also wieder den gebührenden Blick über Stuttgart und die Region bis hin zur Schwäbischen Alb genießen und die Stuttgarter haben ihr Wahrzeichen wieder.

In unserer Bilderstrecke zeigen wir historische Fotos aus der Bauphase und den ersten Jahren des Stuttgarter Fernsehturms.

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