50 Jahre Muskelkult in Stuttgart
: Schwarzeneggers Muskelspiel

Vor 50 Jahren kam der Muskelkult nach Stuttgart, als Peter Gottlob am Löwentor ein Fitness-Studio eröffnete. Sein Sohn Axel hat dort alle kleinen und großen Kraftmeier erlebt.
Von
Klaus Eichmüller
Stuttgart
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Stuttgarter Nachrichten

Den Gewerbeschein hält Peter Gottlob in Ehren. Er trägt das Datum 15.September 1959 und steht für die Geburtsstunde der Kraftmeierei in Stuttgart. Das Fitness-Studio in einer einfachen Holzbaracke am Löwentor wird damals zum Treffpunkt der Eisenfresser und Muskelmänner.

Bereits ein Jahr später kennt ganz Deutschland das Studio Gottlob. Der Fitness-Tempel ist Thema der tönenden Wochenschau, die in allen Kinos vor dem Hauptfilm läuft. Mit staunenden Augen sehen die Menschen, wie sich in Stuttgart breitschultrige Männer an schweren Hanteln abarbeiten. Axel, der gerade geborene Sohn von Peter Gottlob, findet das allenfalls zum Schreien.

Während der Vater als Bodybuilder von Erfolg zu Erfolg eilt und 1961 Dritter bei den Europameisterschaften wird, entwickelt sich bei Axel die Begeisterung für die Athletik zögerlich. An den Saal des Hotels Schönblick am Killesberg, wo der Vater Anfang der 60er Jahre die ersten Bodybuilding-Meisterschaften Deutschlands veranstaltet, hat das Kind keine konkreten Erinnerungen. Umso gegenwärtiger ist ihm der Auftritt der Muskelmänner im Wulle-Festsaal, wo Peter Gottlob seit 1964 regelmäßig internationale Meisterschaften organisiert. "Bestgebauter Athlet" kann sich der Sieger dort nennen.

"Mein Liebling war Franco Colombo"

Dieser Knalleffekt, der Axel noch heute im Ohr klingt, stellte in seiner Erinnerung den ersten internationalen Auftritt eines Nachwuchs-Bodybuilders etwas in den Schatten. "Mit Arnold Schwarzenegger kam 1965 im Wulle-Saal ein Unbekannter in der Juniorenklasse aufs Siegerpodest." Vater Peter dagegen erinnert sich noch gut an den ersten Auftritt des knapp 18-Jährigen aus Thal in der Steiermark vor einem großen Publikum. Talentiert und ehrgeizig wird er beschrieben. Dass Schwarzenegger für seinen Auftritt auf der Bühne des Wulle-Saals in Stuttgart seinen Posten als Rekrut beim österreichischen Bundesheer verlassen hat, ist keine Erfindung fantasiebegabter Biografen. "Arnold war so etwas wie ein Deserteur", erinnert sich Peter Gottlob. "Er musste hinterher 14 Tage in den Arrest."

Schwarzeneggers steile Karriere leidet darunter nicht. Schon 1966 wird er im Wulle-Saal als bestgebauter Athlet der Seniorenklasse gekürt, ein Jahr später ist er in Stuttgart bereits Gaststar und erringt in London seinen ersten Weltmeistertitel.

Doch Schwarzenegger bleibt bodenständig. "1966 bis 1968 war Arnold regelmäßiger Gast im Haus Gottlob", sagt Axel. Der Junge bewundert den Hünen und darf beim Training zuschauen. Und zwischendurch nimmt der muskelbepackte Riese den Kleinen schon mal auf die leichte Schulter.

Bei einem dieser Kontakte mit Schwarzenegger wird Axel wohl mit dem Bodybuilding-Virus infiziert. Als Schüler des Wagenburg-Gymnasiums stemmt er die ersten Gewichte. "Dabei hatte sich zu dieser Zeit das Ansehen des Bodybuildings radikal verschlechtert", sagt Axel. Von den Mitschülern wird er nur deshalb nicht verspottet, "weil der Name Gottlob eine Marke war."

Längst vom Bodybuilding-Fieber gepackt

Inzwischen ist Axel Gottlob, von keinerlei Zweifel angekränkelt, längst vom Bodybuilding-Fieber gepackt. Als 16-Jähriger reist er zu Schwarzenegger nach Kalifornien, um dort zu trainieren. Ein Ritual, das er bis 1982 beibehält. "Kalifornien war das Mekka der Bodybuilder", erinnert sich Axel Gottlob. Die Athleten sind nicht nur am Muscle Beach die Stars. Die Sonne scheint, es gibt frischen Fisch, viel Gemüse, Obstsäfte. "In Kalifornien konnte man leicht gesund leben." Und außerdem lässt sich Axel vom Ehrgeiz eines Weltstars anstecken.

1980 trainiert der inzwischen 33-jährige Schwarzenegger wie ein Wilder, um nach fünf Jahren Pause an die Weltspitze zurückzukehren. "Waast, Axel, du musst immer brutal sei." Mit diesem Motto animiert der Star seinen jungen Bewunderer ebenfalls zu höchsten Trainingsleistungen in den Studios Gold's und World Gym. So angefeuert lässt sich sogar der gefürchtete "Schwarzenegger-Drink" aus Bierhefe und rohen Eiern ertragen. 1980 wird Schwarzenegger in Sydney erneut Weltmeister und 1982 mit der Hauptrolle als "Conan der Barbar" belohnt.

Im selben Jahr holt Axel Gottlob als Bodybuilder den Deutschen Meistertitel - und wirft anschließend die Hanteln erst mal in die Ecke. "Das Studium hat mich aufgefressen." Axel wechselt in Stuttgart vom Fach Physik zum Maschinenbau. Von ihm entwickelte moderne Trainingsgeräte, die er mit seinem Vater und dessen Firma Galaxy Sport vertreibt, werden in den Krafträumen des VfB Stuttgart, von Bayern München und Mönchengladbach aufgestellt. Der talentierte junge Mann hängt in Heidelberg ein Studium der Sportwissenschaften an, promoviert, wird Lehrbeauftragter für Krafttraining, Biomechanik und Rückenrehabilitation. Parallel dazu gründet Axel das Institut Gottlob und bildet dort Physiotherapeuten und Fitness-Trainer aus.

Und wie sieht es mit der eigenen Fitness aus? Mit seinen langen Haaren und den breiten Schultern könnte Axel Gottlob immer noch eine Filmrolle als leicht gealterter Jung-Siegfried übernehmen. "Ich jogge und bin zwei- bis dreimal pro Woche im Kraftraum", sagt Axel. Und wie hält es die nächste Generation der Gottlob-Kraftmeier? Sohn Kevin ist ein "Computer-Fan", sagt Vater Axel. Und sportlich? "Er dürfte ruhig etwas mehr machen."

Vielleicht kommt ja mal Schwarzenegger durch die Tür, nimmt Kevin auf den Arm und bringt ihn auf den Geschmack. Es muss ja nicht Bierhefe mit rohen Eiern sein.

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