25 Jahre Lachyoga-Treff Stuttgart: Bitte alle mal vorbeugend lachen!

Hans-Martin Bauer hat gut lachen: Sein Lachyoga-Treff im Stadtteilhaus Mitte feiert 25. Geburtstag
Lichtgut/Ferdinando Iannone- In Stuttgart feierte der Lachyoga-Treff im Stadtteilhaus Mitte sein 25-jähriges Jubiläum.
- Initiator Hans-Martin Bauer leitet monatlich eineinhalb Stunden Lachen für 10 Euro.
- Er verbindet Humor mit Empathie und lehnt Schadenfreude sowie Wettbewerbe wie „Lacholympiaden“ ab.
- Bauer beruft sich auf Viktor Frankl und arbeitet in Seelsorge, Palliativ- und Hospizbereichen.
- Er kritisiert „leere Blicke“ in der Stadt und rät zu „vorbeugendem“ Lachen – „Hohohohahaha!“
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Sie gehen zum Lachen nicht in den Keller, sondern ins Stadtteilhaus Mitte in der Christophstraße: Die Rede ist von Hans-Martin Bauer und den Menschen, die sich seinem Lachtreff angeschlossen haben. Am Samstag hatten sie besonders gut lachen. Gefeiert wurden 25 Jahre Lachtreff mit Tanz, Buffet und natürlich mit besonders viel Humor. Mittendrin der Initiator, bei dem man schon beim Anblick seiner Visitenkarte schmunzeln muss: „Diplom-Sozialpädagoge, Familientherapeut, Therapeutischer Clown, Schauspieler, Humor-Coach, Lachyogalehrer.“ Und nicht zu vergessen: „Ein Pionier der Lachbewegung in Deutschland“.
Der 73-Jährige aus Neuenbürg im Enzkreis, der in München lebt und einmal im Monat zum Lachen nach Stuttgart kommt, hat an diesem Nachmittag einen Kreis von knapp 30, überwiegend älteren Gute-Laune-Menschen in einem Lachkreis um sich herum versammelt. Gemeinsam schütten sie sich aus vor Lachen, lachen sich ins Fäustchen, werfen sich weg vor Lachen oder grinsen in sich hinein. „Hohohohahaha!“, ruft Hans-Martin-Bauer. Dazu gehen die Arme in die Höhe und es wird rhythmisch geklatscht. Der Humor-Coach gibt den Takt vor und kichert, gluckst und prustet von einem Witz und von einer Pointe zur anderen. Unmöglich, dabei ernst zu bleiben.
Wie vieles, was so leicht daherkommt, hat auch das Laychyoga einen ernsten Hintergrund. Darauf deuten die Betätigungsfelder hin, in denen Bauer tätig war und zum Teil noch ist. Dazu gehören diverse Selbsthilfeorganisationen, die Telefonseelsorge, die Palliativ- und Hospizarbeit. Seit bald 30 Jahren bezieht er nach seinen Worten „das menschliche Phänomen Humor in berufsspezifische Fortbildungen für pädagogische und therapeutische Berufe mit ein“. Bauer orientiert sich dabei an dem bedeutenden Psychiater Viktor Frankl, stellt zu seinem Bedauern jedoch fest, dass der therapeutische Humor in Deutschland immer noch ein Schattendasein führt.

Sie lachen sich ins Fäustchen: Hans-Martin Bauer (Mitte) und die Teilnehmer seines Lachyoga-Treffs.
Lichtgut/Ferdinando IannoneLachen ist die beste Medizin – das ist nicht nur eines der vielen Bonmots, die Bauer an diesem zur allgemeinen Erheiterung auf den Tischen im Stadtteilhaus Mitte ausgelegt hat. Es wirkt tatsächlich. Das hat er am eigenen Leib erfahren. Ein Besuch bei einem Clown-Wochenende im Hospitalhof zum Thema „Werde der, der du bist“ gab seinem Leben vor bald 30 Jahren eine neue Wendung. Bauer litt damals unter Depressionen. Der Humor und das Lachen haben ihn davon befreit. Bald darauf gründete er den ersten Lachtreff Stuttgarts, fand mit dem von der Evangelischen Kirche betriebenen Stadtteilhaus Mitte eine aufgeschlossene Herberge und ausreichend Zuspruch, um dieses Angebot 25 Jahre lang aufrechterhalten zu können: einmal im Monat eineinhalb Stunden lachen für 10 Euro.
„Die Comedians haben Deutschland nicht humorvoller gemacht“
Bauer hat seinen eigenen Humor. Er ist an Werte geknüpft, an Empathie und Respekt. Schadenfreude, andere auslachen und Witze unter der Gürtellinie – das geht bei ihm nicht. „Was kränkt, macht krank“, sagt er. Kritisch sieht er auch kommerzielle Formate wie „Lacholympiaden“. Humor sollte kein Wettbewerb sein, findet Bauer. Auch über Comedians kann er oft nicht lachen: „Es gibt heute mehr Comedians denn je. Das hat Deutschland aber nicht humorvoller gemacht.“
Ganz anders die Großen von gestern: Karl Valentin, Joachim Ringelnatz, Eugen Roth oder auch Erich Kästner. Aus deren Sprüchen und Lebensweisheiten bedient er sich reichlich. „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt“, zitiert er Ringelnatz und mahnt mit Verweis auf Kästner, das Kind im Manne nicht zu vergessen. Martin Müller, einer der Teilnehmer der ersten Stunde, hält sich konsequent daran. Er ist überzeugt vom kindlichen „Lachen ohne Grund“ nach dem Vorbild des indischen Arztes Madan Katharia, der als Gründer der weltweiten Lachyoga-Bewegung gilt.
In der Stadt begegnen Hans-Martin Bauer vermehrt „leere Blicke“
Diese Art von Lachen erkennt Hans-Martin Bauer im Alltag immer weniger. Er stellt vielmehr eine Pandemie der Freudlosigkeit fest und einen allgegenwärtigen Zwang zur Perfektion. Am meisten irritieren ihn die „leeren Blicke“, die ihm in der Stadt begegnen. Der dauernde Blick ins Handy, so seine Vermutung, geht zulasten des Strahlens und der Heiterkeit. Ein Teil der Miesepetrigkeit ist seiner Ansicht nach auch anerzogen. Als Beispiel nennt er den „typisch schwäbischen Satz“: „Mit fremde Leut schwätzt mr net!“ Bauer, der Münchner Schwabe, schwätzt gerne und viel mit den Leuten und vor allem lacht er viel mit den Menschen.
Beim Jubiläum im Stadtteilhaus Mitte rät er, nachzuholen, was man in der vergangenen Woche an Lachen versäumt hat, und mit Blick auf die neue Woche schon mal „vorbeugend“ loszulachen. Das ist wörtlich gemeint. Auf Kommando geht die Gruppe in die Knie, streckt die Arme nach vorn und lacht voll Herzenslust auf Vorrat: „Hohohohahaha!“

