179. Cannstatter Volksfest: Eine Premiere auf dem Wasen: Eine Frau in tragender Rolle

Haben das Volksfest eröffnet: Marion Gentges und Frank Nopper.
Andreas Rosar- Cannstatter Volksfest eröffnet: OB Frank Nopper zapfte nach vier Schlägen das erste Fass an.
- Erstmals stand mit Ministerin Marion Gentges eine Frau auf der Eröffnungsbühne.
- Nopper nannte das Volksfest „schönstes und großartigstes Fest in Deutschland, Europa und der Welt“.
- Gentges vertrat das Land und die Landwirtschaft – parallel läuft das 102. Hauptfest.
- Historie betont: Fest entstand nach Hungerjahren und soll Zuversicht und Lernen fördern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Eine Frau hat das Volksfest mit eröffnet. Dafür hat es nur 206 Jahre gebraucht. Gut, die Wähler tragen ihren Anteil daran, haben sie Stadt und Land doch bisher nie eine Oberbürgermeisterin oder eine Ministerpräsidentin beschert. Noch hat mit Stuttgarts OB Frank Nopper ein Mann den Schlegel in der Hand und stach nach vier Schlägen das erste Fass an, doch Landwirtschaftsministerin Marion Gentges spielte als Vertreterin des Landes die zweite Hauptrolle.
Ob dies nun ein Ausweis besonderer „Emanzipation“ ist, wie Nopper betonte, sei mal dahingestellt, aber immerhin, es bewegt sich was, wenn auch mit der trägen Geschwindigkeit eines Riesenrades. „Erstmals in der über 200-jährigen Geschichte des Cannstatter Volksfestes und erstmals in der fast 75-jährigen Geschichte des Landes Baden-Württemberg hat das Land keinen Mann auf die Volksfest-Eröffnungsbühne entsandt“, sagte Nopper, „erstmals entsendet das Land endlich mal eine Frau – eine Ministerin und dazu noch eine waschechte Badnerin aus Haslach im Kinzigtal zu uns in die Herzkammer Württembergs.“
Wer im Bindestrich-Land Karriere macht in der Politik, der weiß natürlich wie man Herzen gewinnt. Und wer das Cannstatter Volksfest „als schönstes Volksfest“ der Welt adelt, der macht den vermeintlichen Geburtsfehler mehr als wett. Da wird man in Schwaben auch als Badenerin herzlich beklatscht. Natürlich ließ es sich auch Nopper nicht nehmen, das Volksfest „als schönstes und großartigstes Fest in Deutschland, Europa und der Welt“ zu bezeichnen. Da ist noch Luft nach oben, das Universum, die Galaxis und der ganze Rest fehlen noch. Aber man muss ja Ziele haben.

Der OB bei der Arbeit.
Lichtgut/Ferdinando IannoneUnd weil in jedem Schwaben auch ein Hegel und ein Schiller stecken, wurde der OB zum Poet. „Bei guter Führung gibt’s a Volksfescht-Bier, sogar für Hagel, Strobl, Özdemir“, reimte er. Wobei nur der Landtagspräsident Thomas Strobl da war. Özdemir war in Berlin, Regierungsgeschäfte. Und machte so Platz für Marion Gentges auf der Bühne bei Michael Wilhelmer im Schwabenbräu-Zelt. Und als Vertreterin der Landwirtschaft war sie ohnehin die richtige Abgesandte der Regierung, schließlich findet heuer ja auch auf dem Wasen das 102. Landwirtschaftliche Hauptfest statt. Jene Agrarmesse, aus der das Volksfest erwachsen ist.
Haben König Wilhelm I. und Königin Katharina doch nach schlimmen Hungerjahren das Fest gestiftet. Nach dem gewaltigen Ausbruch des Vulkans Tambora auf Indonesien 1815 verdunkelte sich auch über Württemberg der Himmel. Die Asche in der Stratosphäre ließ keine Sonnenstrahlen durch. Es regnete in einem fort, die Ernte faulte, die Menschen hungerten. Tausende starben. Zehntausende wanderten aus. Aus Dankbarkeit, dass die schlimme Zeit vorbei war, stiftete das Könispaar 1818 das Fest. Es sollte zum Vergnügen dienen, und zum Lernen und Verbessern der Landwirtschaft. Beim Landwirtschaftlichen Hauptfest sind diese Wurzeln zu spüren.
Entstanden aus einer Hungersnot
„Es ist ein Fest der Zuversicht“, griff Nopper diese Geschichte auf. Es war ein langer Weg. Von einem Fest, bei dem man sich freute überhaupt wieder etwas zu essen zu haben, zu einem Fest des Überflusses. Ein 206 Jahre langer Weg. Und nun spielte erstmals eine Frau eine Hauptrolle. Auch noch eine von der CDU und als Vertreterin des Bauernstandes. Zwei Organisationen, die nicht gerade als Hort des Feminismus und der Gleichberechtigung bekannt sind. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.
