Testspiel des VfB Stuttgart: 1. Auftritt im neuen Trikot – Torfestival mit 3500 verzückten Fans in Fellbach
Die beiden Männer vom Sicherheitsdienst hatten Mühe, Ermedin Demirovic und Jeff Chabot den Weg durch die Menschenmenge zum Parkplatz zu bahnen. Die vielen kleinen und großen Fans, die Autogramme oder Fotos wollten, machten es ihnen schwer. Auch die Fußballprofis vom VfB Stuttgart erleichterten den Securityleuten die Arbeit nicht gerade. Denn sie blieben immer wieder stehen, um hier auf einem Trikot zu unterschreiben und dort in eine Handykamera zu grinsen.
Das neue Trikot des VfB – und der gemeinsame Trikotsponsor – wurde im Vorbereitungsspiel am Samstag im Max-Graser-Stadion in Fellbach erstmals präsentiert. Und es kommt gut an. „Das ist absolut Stuttgart, ich finde es super, dass unserer Stäffele mit drauf sind, das zeigt die Identität des Vereins mit der Stadt“, sagte Michele Vulcano vom SV Fellbach. Erich Hägele, der ehemalige Vorsitzende des Sportkreises Rems-Murr und VfB-Edelfan, verriet, er habe zwölf Trikots mit Spielerunterschriften zu Hause. Ob das Trikot mit den Stäffele zur Sammlung dazukommt? „Ich muss es mir erst noch einmal genau anschauen“, sagte er am Samstag augenzwinkernd.
Der VfB Stuttgart kommt mit fast allen Stars nach Fellbach
Der Star war ganz klar die Mannschaft des deutschen Pokalsiegers, die in nahezu kompletter Besetzung am Samstag – inklusive Maskottchen Fritzle, aber noch ohne Enzo Millot – beim Nachbarn anreiste. Dass die Bundesliga-Fußballer die in der Verbandsliga spielenden Gastgeber vom SV Fellbach mit 7:1 (4:0) schlugen, wobei der Ehrentreffer lautstark bejubelt wurde, war auch nur eine Randnotiz.
Am wichtigsten war den 3500 Fans, dass sie für ein paar Stunden hautnah an ihren Stars dran sein konnten. Denn die hatten sich zwar durch die Hintertür ins proppenvolle Max-Graser-Stadion geschlichen, doch das blieb der einzige Moment, in dem sie ihren begeisterten Anhängerinnen und Anhängern entkommen konnten – und auch wollten.
„Nübel, Nübel!“-Rufe erschallten, als der etatmäßige Stuttgarter Torwart in T-Shirt und Shorts winkend auf der Laufbahn stand. Er war, wie die Nationalspieler Deniz Undav und Maximilian Mittelstädt sowie Demirovic und Chabot, nur als Zuschauer in Fellbach dabei. Im Nu war er von den Einlaufkindern umzingelt und stellte sich bereitwillig und mit breitem Lächeln zum Gruppenfoto auf. Wie auch Undav, Chris Führich und alle anderen VfB-Stars.

Ein Star zum Anfassen: Deniz Undav
Foto: Gottfried StoppelEin positiv überraschtes Raunen ging durch die Menge, als der Stadionsprecher Jens Zimmermann, ansonsten Hallensprecher bei den Bundesliga-Handballern des TVB Stuttgart, verkündete, dass Dan-Axel Zagadou die Stuttgarter als Kapitän aufs Feld führt. Es das erste Spiel des Verteidigers seit seiner schweren Knieverletzung im September vergangenen Jahres.
Kein Kommentar über den Stand der Woltemade-Verhandlungen
Während der Abwehrhüne überraschend die Binde trug, die er für die zweiten 45 Minuten an den rechtmäßigen Spielführer Atakar Karazor übergab, war vorab klar gewesen, dass Nick Woltemade fehlen würde. Nach seinem Einsatz bei der U-21-Europameisterschaft weilt der 23-Jährige noch im Urlaub. Seitens des VfB gab es offiziell auch keinen Kommentar über den scheinbar abwanderungswilligen Angreifer oder über den Stand von Verhandlungen mit dem FC Bayern München, lieber ließ sich Fabian Wohlgemuth, der Sportvorstand der Cannstatter, in der Halbzeit eine Rote schmecken.
Nur Emilio, zehn Jahre, konnte ihm einen Satz zum Thema entlocken. Der glühende VfB-Anhänger mit eigenem Tik-Tok-Kanal und fast 2500 Followern, der bei den Profis und ihrem gesamten Umfeld bestens bekannt ist, hatte vor dem Spiel mit Wohlgemuth geplaudert und ihn auch auf Woltemade angesprochen, verriet Emilio. „Er hat gesagt, der Nick bleibt noch drei Jahre bei uns.“
Ob Verein und Spieler beieinander bleiben, ist ungewiss. Wichtiger war, dass die kleine Mia, die in dem großen Trubel ihren Papa verloren hatte, wieder zu ihrer Familie fand. Und dass die Riesenveranstaltung – „In der Oberliga hatten wir maximal 800 Zuschauer“, sagte Frank Weinle vom Orga-Team – ohne Vorfälle über die Bühne ging. Die Verantwortlichen freuten sich über das gelungene Fußballfest, den Fellbacher Ehrentreffer, erzielt von Maximilian Bresic, und über das Lob der Gäste aus Bad Cannstatt für die gute Organisation. „Im Remstal wird man immer herzlich empfangen“, sagte Günter Schäfer, VfB-Urgestein und Mannschaftsbetreuer. Auch wenn die Fellbacher Herzlichkeit den zwei Sicherheitsmännern es nicht leichter machte, Ermedin Demirovic und Jeff Chabot schnell durch die Menschenmenge zu ihren Autos zu bugsieren.






