Sperrung bei Waiblingen
: Wie geht’s weiter mit dem Remstalradweg? Stadt stellt zwei Varianten vor

Die Sperrung des schönsten Teils des Remstalradwegs frustriert Radfahrer und Spaziergänger. Die Stadt Waiblingen hat zwei Konzepte erarbeitet, wie das Problem gelöst werden könnte.
Von
Annette Clauß
Rems Murr Kreis
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Seit März versperrt ein Zaun den Zugang zum Radweg zwischen Waiblingen und Remseck. Das frustriert Radler und Spaziergänger.

Dirk Herrmann

Seit dem Frühjahr geht auf dem beliebten Remstalradweg im Bereich zwischen Waiblingen-Hohenacker (Rems-Murr-Kreis) und Neckarrems (Kreis Ludwigsburg) rein gar nichts mehr. Denn im März hatte die Stadt Waiblingen den Radweg kurz hinter der Vogelmühle bei Hohenacker durch einen fest im Boden verankerten Zaun gesperrt. Aus Sicherheitsgründen: Die Wassermassen, die im Zuge des Hochwassers Anfang Juni 2024 durch das idyllische Naturschutzgebiet Unteres Remstal schossen, haben den Radweg an drei Stellen zum Teil komplett unterspült.

Es bestehe die Gefahr, „dass durch eine Belastung weitere Teile des Radwegs plötzlich in die Rems abbrechen“, begründete die Waiblinger Rathaussprecherin Gabriele Simmendinger die drastische Maßnahme, die bei vielen Radlern Frust auslöste. Die Sperrung sei „für den Radverkehr ein sehr schwerer Verlust“, klagte beispielsweise Andreas Schwager vom Verein Pro Velo in Waiblingen. Das umso mehr, als es sich schon um die zweite langwierige Sperrung handelt: Fast das gesamte Jahr 2023 durfte dieser Abschnitt des Radwegs nicht genutzt werden – wegen des Eschentriebsterbens herrschte eine akute Gefahr durch Astbruch und umstürzende Bäume.

Die Hoffnung der Kommunen Waiblingen und Remseck, die geschädigten Bäume rasch entfernen und den Radweg schnell wieder öffnen zu können, erfüllte sich damals nicht, denn in dem ökologisch sehr wertvollen Bereich überlagern sich gleich mehrere Schutzgebiete, die strenge Auflagen mit sich bringen.

Das Gebiet Unteres Remstal ist streng geschützt

Ab der Remsmühle, auch als Vogelmühle bekannt, könnte der Radverkehr für etwa einen Kilometer über Hegnacher Gemarkung verlaufen.

Foto: Dirk Herrmann

Diese Schutzgebiete spielen nun auch eine große Rolle bei der Frage, wie der Radweg wieder nutzbar gemacht werden kann. Der bestehende Weg könne nicht einfach wiederhergestellt werden, weil damit in die Böschung der Rems und somit in den geschützten Lebensraum eingegriffen werden müsste, hatte Gabriele Simmendinger im August erklärt. Dennoch sind sich die Stadt Waiblingen, das Landratsamt und das Regierungspräsidium Stuttgart offenbar einig, dass der Radweg wieder befahrbar werden soll. Dafür hat die Stadt Waiblingen zwei mögliche Varianten ausgearbeitet, die in den kommenden Wochen in den diversen Gremien vorgestellt und diskutiert werden.

Zwei Lösungen für den Remstalradweg

Die erste sieht vor, den von besonders starken Strömungen und Uferabbrüchen betroffenen Abschnitt auf einer Länge von rund 400 Metern durch eine sogenannte Krainerwand zu sichern. Dabei werden Langhölzer längs zur Hangrichtung verbaut und dazwischen kürzere Querhölzer in einem gewissen Winkel in den Hang gedrückt. So entsteht eine Art Gitter. Das Bauwerk, das an eine Treppe erinnert, wird dann meist mit Steinen und Erde verfüllt und teilweise bepflanzt, um Erosion vorzubeugen. Für einen solch massiven Eingriff in die Uferzone bestehen allerdings hohe rechtliche Hürden. Daher wäre eine größere Zahl von Genehmigungen und vorhergehenden Prüfungen notwendig. Die Stadt hat mittlerweile ein Planungsbüro damit beauftragt, Sanierungsmöglichkeiten für den Weg zu prüfen.

Brückenvariante mit neuer Wegführung

Eine weitere Option wäre es, den Weg auf dem problematischen Abschnitt für ein gewisses Stück auf die andere Seite der Rems, auf die Gemarkung Hegnach, zu verlegen. Dann würden Radler, die aus Richtung Waiblingen kommen, nicht mehr dem rechts der Vogelmühle verlaufenden bisherigen Radweg folgen, sondern über die Brücke bei der Mühle auf die andere Uferseite wechseln. Die gut einen Kilometer lange Umleitungsstrecke würde an der Kläranlage Esple vorbeiführen und einige hundert Meter weiter die Rems über eine neue Brücke queren. Deren Bau wäre laut der Stadtverwaltung möglich, weil es an dieser Stelle eine Lücke im FFH-Schutzgebiet gibt.

Mit der Nachbarkommune Remseck hat sich die Stadt Waiblingen bereits abgestimmt und weitere Schritte und Untersuchungen in die Wege geleitet. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat der Kommune für den Fall, dass der Radweg verlegt wird, eine Förderung von 75 Prozent der Baukosten und zehn Prozent der Planungskosten zugesagt.