Puppentheater in Waiblingen: Veit Utz Bross geht mit Neuem in die Saison: „Ohne Theater wäre es langweilig“

Der Puppenspieler Veit Utz Bross tritt am Waiblinger Marktplatz wieder mit seinem Ensemble auf. (Archivbild)
Gottfried StoppelEinen diensteifrigen Geist wie den aus Aladins Wunderlampe – wer würde sich das nicht wünschen? Auch Veit Utz Bross könnte so einen hilfreichen Dschinn gebrauchen, beispielsweise für die Reinigung seines Theaters unterm Regenbogen am Marktplatz in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis). Die steht jede Woche an – selbst wenn gar kein Spielbetrieb ist. Denn von den Sandsteinwänden und der Decke des alten Gewölbekellers rieselt ständig Staub und feines Gestein herab. Viel Arbeit ist das – deshalb ist der 76-jährige Puppenspieler froh, dass ihm ein treuer Helfer aus Fleisch und Blut Woche für Woche beim Putzen hilft.
Seit 27 Jahren betreibt Bross sein kleines Theater mitten in der Waiblinger Altstadt – und startet nun, nach einer längeren Sommerpause, in die neue Saison. Das erste Stück auf dem Spielplan ist „Aladin“. Veit Utz Bross spielt das Märchen aus dem Orient am Samstag, 4., und Sonntag, 5. Oktober, jeweils um 16 Uhr. „Eigentlich hatte ich im vergangenen Jahr beschlossen, den Aladin nicht mehr zu spielen“, erzählt Bross: „Der Bühnenaufbau und -abbau hat meine Kräfte überfordert.“ Andererseits hält er die Inszenierung, die im Jahr 1994 Premiere gefeiert hat, für sein „allerbestes Stück“. Und da es ihm derzeit gesundheitlich recht gut geht, hat er sich entschlossen, es doch wieder in den Spielplan aufzunehmen.
Am 14. November steht im Theater unterm Regenbogen sogar eine Premiere an: Dann präsentiert Veit Utz Bross seine Inszenierung des Grimmschen Märchens „Rapunzel“. All die Jahre hat Bross für jedes neue Stück zunächst in seinem Atelier neue Figuren aus Lindenholz, Metall und Schaumstoff angefertigt. Allein die Herstellung der Figuren dauert ungefähr ein Vierteljahr. Dieses Mal hat er sich entschieden, das „Rapunzel“ mit Figuren zu spielen, die bereits zu seinem großen Ensemble gehören. Eine Prinzessin übernimmt den Part des Rapunzels, die böse Zauberin ist schon seit langen Jahren im Fundus. „Mit der habe ich schon als Kind gespielt“, erzählt Veit Utz Bross, der die Kunst des Puppenbaus und Puppenspiels von seinem Vater Fritz Herbert Bross gelernt hat.
Fritz Herbert Bross baute auch Puppen für Albrecht Roser

Seine Protagonisten baut Veit Utz Bross selbst. Manche stammen auch noch von seinem Vater Fritz Herbert Bross. (Archivbild)
Foto: Horst RudelDieser war Diplomingenieur und hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg voll und ganz auf den Bau von Theaterpuppen spezialisiert. Aus seiner Werkstatt stammte beispielsweise die berühmte Großmutter-Figur des zuletzt in Remshalden-Buoch lebenden Albrecht Roser. Dass in „Rapunzel“ Figuren aus anderen Stücken mitwirken, also nicht alle aus einem Guss stammen, bringe zwar einige Stilbrüche mit sich, sagt Veit Utz Bross und nennt ein Beispiel: „Manche Puppen sind größer, manche kleiner – aber Kinder stört das nicht.“
Veit Utz Bross hat 60 Jahre Bühnenerfahrung
Das Stück ist für Zuschauer ab drei Jahren geeignet und dauert etwa 35 Minuten. „Ich will es diesmal ganz anders aufziehen als sonst“, sagt Veit Utz Bross. Am Anfang stehen nur zwei Kisten und ein Stuhl auf der Bühne. Gemeinsam mit seinem Publikum bespricht der Puppenspieler, was es für das Märchen so alles braucht – vom Garten, in dem die Rapunzeln wachsen, bis zum hohen Turm, in den Rapunzel verbannt wird. Die Utensilien holt Bross dann Stück für Stück aus den Kisten, stellt alle Protagonisten vor – und dann geht es los.
Das Rapunzel erzählt Veit Utz Bross originalgetreu, aber improvisiert. „Es muss so sein, dass man spricht ohne zu denken. Ähnlich wie bei einem Gebet“, sagt der 76-Jährige mit rund 60 Jahren Erfahrung auf der Bühne. Seine erste bezahlte Vorstellung hatte er mit gerade einmal 16 Jahren, und während er sich als Schüler „kaum drei Vokabeln“ merken konnte, hatte er später 50 Theaterstücke im Kopf. Einen Teil davon spielt Veit Utz Bross bis Ende April, denn: „Ohne Theater wäre es auch langweilig.“