Neues bei der B:ohne in Waiblingen: Kann der Waiblinger Unverpackt-Laden gerettet werden?

Martina Mohr (links) und Uta Grasmannsdorf haben den Unverpackt-Laden B:ohne in Waiblingen gegründet.
Gottfried StoppelSeit einem Jahr bereitet ein Team aus Ehrenamtlichen vor, was an diesem Donnerstag endlich konkret werden soll. „Wir gründen“, sagt Thomas Jüttemann und meint damit die Genossenschaft, welche über kurz oder lang den Unverpackt-Laden B:ohne in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) übernehmen möchte.
Das Genossenschaftsmodell soll dafür sorgen, dass dem kleinen Laden am Rande des Postplatzes das Schicksal zahlreicher anderer Geschäfte dieser Art erspart bleibt. Die hohe Inflation und steigenden Preise in den vergangenen zwei Jahren waren unter anderem Gründe dafür, dass viele Unverpackt-Läden in Bedrängnis geraten sind – auch im Rems-Murr-Kreis, wo beispielsweise die Geschäfte in Backnang und Winnenden bereits vor längerer Zeit aufgeben mussten.
„Wir gründen, obwohl wir eigentlich noch zu wenige Mitglieder haben“, sagt Thomas Jüttemann: „Aber wir trauen uns zu, dass wir den Laden auch so schon betreiben können.“ Rund 120 Frauen und Männer hätten sich bereits zur Genossenschaft bekannt. Um wirklich gut wirtschaften zu können, bräuchte es jedoch rund 160 Menschen, die mitmachen, erklärt Jüttemann. Er gehört zum Kernteam, welches die Gründung seit einem Jahr vorbereitet.
Eine Laden-Gründerin bleibt an Bord

Martina Mohr will auch künftig im Unverpackt-Laden arbeiten – als Angestellte. (Archivbild)
Foto: Gottfried StoppelOptimal wären 260 Mitglieder – doch dafür braucht es noch mehr Zeit und Überzeugungsarbeit. Denn für viele ist das Konzept des Unverpackt-Einkaufens ungewohnt, meint Thomas Jüttemann: „Wenn jemand sonst zu Aldi fährt, muss er sich natürlich erst einmal umstellen. Es ist ja doch eine andere Art des Einkaufens und das muss erst im Kopf ankommen.“ Wer in der B:ohne einkaufen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten: Generell kann jeder, der in den Laden kommt, dort shoppen – idealerweise mit Behältern in der Tasche, um die gekauften Waren nach Hause transportieren zu können. Wer nichts dabei hat, kann aber gegen Pfand Behältnisse ausleihen.
Seit März 2023 arbeitet der Laden in Waiblingen nach dem Geschäftskonzept des gemeinschaftsbasierten, solidarischen Wirtschaftens. Das heißt, die Betriebskosten werden durch monatliche Beiträge von treuen Kundinnen und Kunden, den sogenannten Bandenmitgliedern, gedeckt. Sie strecken einen monatlichen Beitrag vor und können dann später für diese Summe im Laden einkaufen. Wer Mitglied der künftigen Genossenschaft werden möchte, muss mindestens 100 Euro locker machen – das ist der Preis für einen Anteil. „Es gibt alle Zwischentöne“, sagt Thomas Jüttemann zu den Möglichkeiten, den Laden zu unterstützen.
Ehrenamtliche sind im Genossenschaftsladen willkommen
Der Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften (ZdK) begleitet die Genossenschaftsgründung und hat nach einer Vorprüfung grünes Licht für den nächsten Schritt gegeben. Anschließend folgt ein offizielles Prüfverfahren, bei dem Businessplan, Konzept und Satzung unter die Lupe genommen werden. Wie lange es dauert, wissen die Beteiligten nicht. „Von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten ist alles möglich“, sagt Thomas Jüttemann.
Nach einem positiven Bescheid und der Eintragung der Genossenschaft kann diese den beiden B:ohne-Gründerinnen Martina Mohr und Uta Grasmannsdorf ihren Laden abkaufen. Martina Mohr wird weiter dort arbeiten, dann aber als Angestellte. Sie kann künftig mit mehr Hilfe im Laden rechnen, sagt Thomas Jüttemann, denn: „Bei einer Genossenschaft darf man im Laden ehrenamtlich mitarbeiten.“ Bei der GbR sei das hingegen aus versicherungstechnischen Gründen nicht möglich. Das Gründungsteam hofft nun auf weitere Menschen, die sich als Genossen oder Bandenmitglieder engagieren. Ebenfalls gesucht wird ein Steuerberater, der sich mit Genossenschaften auskennt und das Team unterstützt.