Kontrollen in Kernen: Traubenklau – ein echtes Ärgernis im Weinberg

Die Ortspolizeibehörde wird in den Stettener Weinbergen in diesem Jahr verstärkt auf Kontrollfahrten gehen.
/Gottfried StoppelSonnige Herbstwochenenden, das ist die ideale Gelegenheit für einen Spaziergang durch die Weinberge. Und am Wegesrand locken reife Trauben zum Naschen. Zugreifen „ist kein Kavaliersdelikt“, sagt Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch, das sei ganz einfach eine Straftat. Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, und um größerem Schaden durch Traubenklau vorzubeugen, hat sich der Kernener Schultes zum Beginn der Weinlese mit dem Wengerter Christian Medinger und Vertretern der Ortspolizeibehörde zum Pressetermin getroffen. Genau dort, wo oberhalb der Ruine Yburg einer der beliebtesten Spazierwege durch die Stettener Weinberge führt. Es geht um die Sensibilisierung für den Schaden, den die Traubenklauer zu Lasten der ohnehin gebeutelten Wengerter anrichten.
Am Wegesrand sinkt der Ertrag
Natürlich schätzen auch die Stettener Weinbauern ihren Arbeitsplatz in freier Kulturlandschaft, betont Medinger. Was den zunehmenden Tourismus mit Spaziergängern und Fahrradfahrern angeht, verweisen sie allerdings unter anderem auch darauf, dass die Wege in den Weinbergen vor allem Arbeitswege für die Landwirtschaft sind. Doch, so klagt der Stettener Wengerter: Wenn es im Herbst auf die Weinlese zugeht und es in den Weinbergen im goldenen Herbst voller mit Spaziergängern wird, dann sinke der Ernteertrag für ihn und seine Kollegen speziell an den Reben am Wegesrand.
„An den ersten Stöcken fehlt die Hälfte“, beschreibt Medinger die Situation, wie er sie in der Regel bei fortgeschrittenem Lesezeitpunkt in einigen seiner Weinberge vorfindet. Ein zusätzlicher Verlust, der um so schmerzlicher ist, wenn – wie in diesem Jahr – ohnehin schon rund 20 Prozent an Einbußen durch Frost zu verzeichnen sind.
Je reifer die Trauben, desto eher werde natürlich genascht, berichtet Medinger. Weshalb zum Lesebeginn von Schäden beim Termin in den Weinbergen noch nicht viel zu sehen ist. Sobald aber die Sonne zu den ersten Herbstspaziergängen einlädt, zeige sich schnell, dass nicht nur Beeren, sondern ganze Trauben fehlten. Ein Problem ist auch das Herauspicken einzelner Beeren. Da platzen Beeren, es tritt Saft aus, das zieht Insekten an, die für weiteren Schaden sorgen.
Ordnungsamt macht mehr Kontrollfahrten
Damit der Traubenklau in diesem Jahr nicht allzu dramatisch ausfällt, unterstütze die Kommune die Wengerter verstärkt, sagt Bürgermeister Paulowitsch. „Das Ordnungsamt wird die Kontrollfahrten in den Weinbergen intensivieren.“ Wer beim sogenannten Mundraub ertappt wird, den sprechen diejenigen an, die quasi nach Art der früheren Feldschützen unterwegs sind.
Christian Medinger berichtet von teils recht kuriosen Vorkommnissen im Wengert. Da gab es etwa einen Dieb, der im größeren Maße Trauben eingesackt habe und sich dreisterweise auch noch als Besitzer der Rebstöcke ausgegeben habe. „Ich habe allerdings ganz genau gewusst, wem der Wengert tatsächlich gehört.“
Es gehe, so betonen alle Beteiligten beim Gespräch in den Weinbergen, nicht darum, den Erholungssuchenden den Gang in die die Weinberge zu verwehren, wie das einst während des Herbstes üblich war. „Ich zeige interessierten Spaziergängern gerne, was wir hier oben so machen“,sagt Medinger und weiß dabei auch die Weinbaukollegen auf seiner Seite. „Es ist schön, wenn die Menschen hier hochkommen.“
Der vermeintliche Mundraub ist eine Straftat
Auch Bürgermeister Paulowitsch betont, es gehe nicht um Verbote oder Strafen – auch wenn der sogenannte Mundraub den Straftatbestand des Diebstahls erfülle. Es gehe um Aufklärung und um mehr Verständnis für die Arbeit der Weinbauern. Letztlich natürlich auch darum, dass die Weinbauern weiter wirtschaftlich arbeiten können. „Wenn die Weinanbauflächen nicht mehr wirtschaftlich sind, gibt es sie womöglich bald nicht mehr.“ Für den legalen süßen Genuss stünden übrigens – auch bei Wein- und Obstbau Medinger – Verkaufsstände für Tafeltrauben am Straßenstand bereit. „Die sind auf frischen Geschmack ausgelegt und meist kernlos“, wirbt Christian Medinger.
Von Vorfällen, bei denen im Weinberg in größerem Maße Blätter von Reben gestohlen wurden, sei in Kernen bisher nichts bekannt, hieß es am Rande der Veranstaltung. In Steinheim an der Murr im Kreis Ludwigsburg war vor drei Jahren Sachschaden und Verdienstausfall von 10 000 Euro entstanden durch Diebstahl Tausender Weinblätter. Durch das Entfernen der Blätter im Juni, so hieß es im Polizeibericht, „wurden die Reben für den Weinanbau nutzlos“.