Kommunale Infrastruktur
: Trotz Finanznot: Schorndorfs Brandschützer bekommen neue Feuerwache

Trotz aller Sparzwänge gibt die Stadt Schorndorf grünes Licht für einen Neubau an der Künkelinstraße – fast 23 Millionen Euro teuer und komplett auf Pump finanziert.
Von
Sascha Schmierer
Rems Murr Kreis
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Stuttgarter Zeitung

Verkehrte Welt in Schorndorf? Finanziell steht die Stadt mit dem Rücken zur Wand, der Schuldenstand der seit Jahren von der Hand in den Mund lebenden Kommune wird spätestens 2027 eine dreistellige Millionenhöhe erreicht haben. Von der Kinderbetreuung bis zum Kulturleben wird gekürzt, gespart und gestrichen – weil sich die Stadt spätestens nach den millionenschweren Hochwasserschäden im vergangenen Jahr teure Projekte nicht mehr leisten kann.

Ausgerechnet in einer Phase, in der die Sanierung von Spielplätzen, Straßen und Radwegen auf die lange Bank geschoben wird, die Schaffung einer attraktiven Innenstadt plötzlich wieder in der Schublade verschwindet und selbst Traditionsveranstaltungen wie das Stadtfest SchoWo auf den Prüfstand kommen könnten, hat Schorndorf jetzt aber eine wegweisende Entscheidung für die städtische Infrastruktur getroffen.

Für die Stadtkasse ist die millionenschwere Feuerwache eine Belastungsprobe

Für mehr als 20 Millionen Euro bekommen die lokalen Brandschützer in der Künkelinstraße eine neue Feuerwache hingestellt – ein Betrag, der für die schwindsüchtige Stadtkasse eine außergewöhnliche Belastungsprobe bedeutet und die verfügbaren Finanzmittel auf Jahre bindet. Während der Umbau der alten Bücherei zur Volkshochschule verschoben, die Sanierung des Stadtmuseums komplett gestrichen und die Erschließung des Bauhofareals für die Bauaustellung Iba ’27 zumindest vertagt worden sind, soll beim Löschen, Retten und Bergen nicht gespart werden.

Bis die neue Feuerwache fertig ist, ist der Nachwuchs teilweise schon im aktiven Dienst: Die Jugendfeuerwehr in Aktion.

Foto: Feuerwehr Schorndorf

Dass die komplett auf Pump finanzierte Investition in den Brandschutz notwendig ist, steht in Schorndorf außer Zweifel. Das bestehende Gerätehaus stammt aus dem Jahr 1962 und gilt als marode, von moderner Technik und zeitgemäßen Abläufen kann an der Künkelinstraße keine Rede mehr sein. Neben der Platznot im Gebäude prägt eine vorsintflutlich wirkende Ausstattung das Bild, die fünf Stellplätze im wegen Schäden an der Bausubstanz gar nicht mehr nutzbaren Nebenbau sind für die Einsatzfahrzeuge wegen der zu schmalen Abmessungen nicht mehr tauglich.

Eine echte Anerkennung für den ehrenamtlichen Einsatz jedenfalls sieht anders aus als das derzeitige Domizil der Brandschützer. „Die Feuerwehr wartet seit Jahren auf ein modernes Gebäude“, sagte der Schorndorfer Oberbürgermeister Bernd Hornikel schon vor Monaten bei Vorberatungen für das Großprojekt. Am Donnerstag jetzt hat der Gemeinderat in seltener Einigkeit grünes Licht für einen Neubau gegeben.

Die Feuerwache selbst verschlingt übrigens nur 18,3 Millionen Euro der aktuell prognostizierten Kosten. In den von Schorndorf zu stemmenden Restbetrag fließt auch der Bau einer Tiefgarage und die allein 4,2 Millionen Euro teure Option für zwei aufgestapelte Geschosse mit Wohnungen ein. Die Appartements sollen über die Stadtbau finanziert werden.

Unterm Strich wird das kreditfinanzierte Großprojekt deshalb mit 22,8 Millionen Euro veranschlagt. Aus den landesweiten Zuschusstöpfen, etwa dem Ausgleichsstock für finanzschwache Kommunen, rechnet Schorndorf mit knapp drei Millionen Euro an Fördermitteln.

Luft, darauf weist Schorndorfs Finanzdezernent Thorsten Englert eindringlich hin, gibt es für unvorhergesehene Entwicklungen nicht im Finanzkonzept. Und Geduld aufbringen für den in zwei Abschnitte geteilten Umbau im laufenden Betrieb müssen die Feuerwehrleute ebenfalls. Im nächsten Frühjahr sollen nach Detailplanung und Genehmigungsverfahren die Abrissarbeiten am bestehenden Gerätehaus beginnen. Drei Jahre später, im März 2029, kann die Schorndorfer Feuerwehr nach jahrelanger Wartephase auf die Fertigstellung hoffen.