Jugendfarm Waiblingen
: Farmhaus viel teurer trotz Eigenleistung: „Jedes Brett ging durch meine Hände“

Die Jugendfarm Waiblingen steht vor finanziellen Herausforderungen: Der Bau des Farmhauses wird deutlich teurer als geplant. Wird die Photovoltaikanlage dennoch realisiert?
Von
Annette Clauß
Rems Murr Kreis
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Tierpädagogische Angebote sind ein Schwerpunkt der Jugendfarm. Das Foto zeigt Marion Zolldann und Peter Beck vom Verein mit der Schafherde.

Gottfried Stoppel

Die Stadt Waiblingen muss sparen. An welchen Stellen, darüber wird es in nächster Zeit noch viele Debatten geben. Im Sozialausschuss gab es kürzlich einen Vorgeschmack darauf. Da berichteten Peter Beck und der Kassier des Vereins Jugendfarm Waiblingen, Frieder Frischling, über die Fortschritte beim Bau des lange ersehnten Farmhauses auf dem Finkenberg. Und schilderten ihr Dilemma. „Wir haben festgestellt, dass wir mit 800 000 Euro nicht hinkommen werden. Die neuen Gesamtkosten belaufen sich auf rund 894 000 Euro“, sagte Frieder Frischling.

Vor Baubeginn hatte der Gemeinderat im Jahr 2023 einem städtischen Zuschuss in Höhe von 760 000 Euro zugestimmt und damit eine über Jahre dauernde Hängepartie beendet. Denn das ursprüngliche Finanzierungskonzept war problematisch: Demnach sollten der Verein und die Stadt die Gesamtkosten für die Jugendfarm je zur Hälfte übernehmen. Die Vorgabe konnte der kleine Verein trotz engagierter Mitglieder nicht erfüllen. Der Durchbruch gelang dann 2019 mit dem Vorschlag, dass der Verein fünf Prozent der Gesamtkosten – sprich: beim Bau des Farmhauses rund 40 000 Euro – tragen, Einsparpotenziale konsequent ausschöpfen und möglichst viel Eigenleistung erbringen muss.

Die Vorgaben erfülle der Verein, sagte Peter Beck: „Jedes Brett, das am Farmhaus sichtbar ist, ging durch meine Hände. Ich bin seit Monaten vom frühen Morgen bis zum Nachmittag auf der Baustelle.“ Die Vereinsmitglieder hätten die komplette Außenverkleidung und den Innenausbau des Farmhauses alleine gestemmt. Zum Verhängnis ist dem Verein jedoch eine Altlast aus der Phase geworden, in welcher der Finkenberg noch als Deponie genutzt wurde. Im Eingangsbereich des Jugendfarm-Geländes ist aus dieser Zeit eine Wiegeplatte erhalten geblieben, auf der einst das Gewicht des herangekarrten Erdreichs ermittelt wurde.

Farmhaus wird rund 100 000 Euro teurer

Das Farmhaus der Jugendfarm in Waiblingen, hier beim Richtfest vor einem Jahr (Archivbild)

Foto: Gottfried Stoppel

Die Angabe, dass die Wiegeplatte einfach mit einer Schicht Beton verfüllt werden und dann bebaut werden kann, habe sich als falsch erwiesen, sagte Peter Beck: „Der Statiker sagte nein dazu.“ Der erforderliche Rückbau hat ebenso ungeplante Kosten verursacht wie eine Stützmauer, die erhöht und verlängert werden musste. Hinzu kommt, dass das Geld für die Küchenausstattung des Farmhauses, rund 30 000 Euro, bei der ersten Planung schlicht vergessen wurde. Auf die Küche könne keinesfalls verzichtet werden, sagte Peter Beck im Hinblick auf den geplanten Café-Betrieb und die Aussicht, dass die neue private Beyou-Grundschule im Farmhaus Unterrichtsräume anmieten möchte. Dann verzichte man eher schweren Herzens auf die Photovoltaikanlage für rund 30 000 Euro.

Klimaneutral Waiblingen: Dach ist ideal für PV-Anlage

Für Sabine Zeiner vom Verein Waiblingen klimaneutral ein falsches Zeichen. „Es gibt fast kein besseres Dach für eine PV-Anlage, als das des Farmhauses“, betonte sie – und das Gerüst für die Montage stehe auch parat. Ähnlich argumentierte Stadtrat Hermann Schöllkopf (CDU): Die Jugendfarm brauche Strom, und wenn die Stadt diesen selbst erzeuge, spare man langfristig Geld. „Wir müssen an allen Punkten schauen, wo Einsparungen möglich sind, egal wie sinnvoll die Projekte sind“, stellte der Erste Bürgermeister Peter Schäfer klar.

Letzten Endes stimmten die Mitglieder des Sozialausschusses einstimmig für den Vorschlag, dass die PV-Anlage nicht gestrichen wird. Der Verein Jugendfarm Waiblingen muss nun bis zur nächsten Sitzung Optionen prüfen, wie die Anlage realisiert werden könnte, zum Beispiel mithilfe einer Bürgerenergiegenossenschaft.