Feuer zerstört Einfamilienhaus
: Nach Brandnacht: Welzheimer Familie  sucht jetzt ein neues Zuhause

Das Haus ist ausgebrannt, die Kinder sind beim Vater, die Großmutter liegt im Krankenhaus. So erlebte die Familie die Brandnacht im Wohngebiet Hohe Tanne.
Von
Chris Lederer
Welzheim
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Das Einfamilienhaus ist nach dem Feuer nicht mehr bewohnbar.

Das Einfamilienhaus ist nach dem Feuer nicht mehr bewohnbar.

privat
  • Großbrand in Welzheim: Einfamilienhaus im Wohngebiet Hohe Tanne unbewohnbar.
  • Am 24. Juli brannte die Terrasse, Mutter und 20-Jähriger flohen ins Freie.
  • Feuerwehr rettete die 83-jährige Großmutter durchs Fenster – schwere Rauchvergiftung.
  • Insgesamt sechs Verletzte, Schaden laut Polizei rund 700.000 Euro.
  • Familie braucht neue Wohnung, Spendenkonto „Brand Hohe Tanne“ eingerichtet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Als die 52-jährige Welzheimerin am Freitagabend die Augen öffnet, ist es im Wohnzimmer ungewöhnlich hell. Erst im nächsten Moment erkennt sie, woher der Schein kommt: Die Terrasse ihres Hauses steht lichterloh in Flammen. Rund eine Dreiviertelstunde zuvor hatte sie sich auf die Couch gelegt und war eingeschlafen. Jetzt sind die Flammen bereits zu stark, um sie noch selbst zu löschen.

Ein Nachbar bemerkt das Feuer und alarmiert gegen 22 Uhr die Feuerwehr. Die Frau und ihr 20 Jahre alter Sohn schaffen es ins Freie. Die Mutter trägt eine der Katzen auf dem Arm. Doch draußen beginnt für die Mutter erst das eigentliche Bangen. Sie weiß, dass ihre 83-jährige Mutter noch hilflos im Erdgeschoss liegt, und geht davon aus, dass sich auch ihr 19-jähriger Sohn noch im Obergeschoss des brennenden Hauses befindet. Die Seniorin ist nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt und kann ihr Pflegebett nicht ohne Hilfe verlassen.

Welzheimerin läuft zurück in das brennende Haus

Um 22.15 Uhr ruft die Welzheimerin ihren Lebensgefährten an. Er wohnt ebenfalls in der Stadt, nimmt einen Handfeuerlöscher mit und fährt sofort los. Als er am Haus eintrifft, stehen die 52-Jährige und ihr Sohn bereits im Freien. Von dort aus müssen sie mitansehen, wie sich die Flammen weiter ausbreiten – im Wissen, dass die Großmutter noch immer in ihrem Zimmer liegt und auch der 19-Jährige bislang nicht aufgetaucht ist.

Dann läuft die Welzheimerin plötzlich zurück in das Haus. Sie will zu ihrer Mutter. Ihr Lebensgefährte rennt hinterher. Im Inneren ist es dunkel, beißender Rauch zieht durch die Räume. Die beiden gelangen noch an der Treppe vorbei, müssen aber kurz vor dem Zimmer der Seniorin umkehren. „Wir bekamen keine Luft“, erinnert sich der Mann. Die Hitze habe er in diesem Moment kaum wahrgenommen. Doch ihm sei klar geworden, dass sie beide sterben könnten, wenn sie weitergingen. Er zieht seine Lebensgefährtin zurück ins Freie. „Du bleibst jetzt hier draußen. Du gehst da nicht mehr rein“, sagt er zu ihr.

Feuerwehr rettet die Großmutter

Während ein Nachbar die aufgelöste Frau weiter vom Gebäude wegbringt, erklärt ihr Lebensgefährte den Einsatzkräften, wo sich das Zimmer der Großmutter befindet und wie das Haus aufgebaut ist. „Ich habe einfach nur funktioniert“, sagt der 57-Jährige über diese Minuten.

Wenig später gibt es zumindest beim Sohn Entwarnung: Der 19-Jährige ist an diesem Abend außer Haus. Die Großmutter dagegen liegt weiterhin hilflos in ihrem Zimmer. Die Feuerwehr holt die 83-Jährige schließlich durch das Fenster ins Freie.

Brand eines Wohnhauses in Welzheim

Das Feuer brach auf der Terrasse aus und setzte auch den Dachstuhl in Brand.

Simon Adomat/Blaulichtzentrale

Die Seniorin erleidet keine Verbrennungen, aber eine Rauchgasvergiftung. Sie kommt ins Krankenhaus und wird dort weiterhin behandelt. Auch ihre Tochter muss wegen eingeatmeter Rauchgase in die Klinik, kann sie jedoch am frühen Morgen wieder verlassen. Insgesamt werden laut Polizei sechs Menschen verletzt: die Seniorin schwer, ihre Tochter, deren Lebensgefährte, zwei Ersthelfer und ein Feuerwehrmann leicht.

Den Schaden am Haus schätzt die Polizei auf rund 700.000 Euro. Warum das Feuer ausgebrochen ist, steht noch nicht fest. Polizei und Brandsachverständige ermitteln zur Ursache.

Familie verliert ihr gemeinsames Zuhause

Die zehn und zwölf Jahre alten Töchter der Welzheimerin sind an diesem Abend bei ihrem Vater in Pfahlbronn. Nach dem Feuer finden dort auch ihre 19 und 20 Jahre alten Brüder Unterkunft. Die 52-Jährige kommt mit den Katzen vorerst in der kleinen Wohnung ihres Lebensgefährten unter. Ihre Mutter liegt weiterhin im Krankenhaus.

Damit ist der sechsköpfige Haushalt, der zuvor unter einem Dach gelebt hat, von einem Moment auf den anderen auseinandergerissen. Die Welzheimerin vermisst ihre Kinder und möchte so schnell wie möglich wieder mit ihnen zusammenleben.

In ihr bisheriges Zuhause kann die Familie nicht zurückkehren. Das rund 15 Jahre alte Fertighaus ist vollständig ausgebrannt. Die erst wenige Monate zuvor eingebaute Küche und der Bodenbelag sind ebenso zerstört wie Möbel, Betten und persönliche Gegenstände. Auch Gegenstände, die nicht verbrannt sind, sind nach Angaben der Familie durch Rauch, Ruß oder Löschwasser beschädigt und zum Teil unbrauchbar. „Es ist alles verloren: unsere Klamotten, das Mobiliar, Schulsachen, Spielsachen, Fotos, Erinnerungsstücke und wichtige Dokumente“, sagt die 52-Jährige.

Zwar ist das Haus versichert. Welche Schäden übernommen werden und ob ein Wiederaufbau möglich ist, muss jedoch erst geprüft werden. Ein Mitarbeiter der Versicherung muss das Gebäude noch begutachten. Zudem soll die Familie auflisten, was sie bei dem Brand verloren hat.

Große Hilfsbereitschaft nach dem Brand

Nachbarn und weitere Helfer unterstützen die Familie seit der Brandnacht. Das Deutsche Rote Kreuz hilft bei der Versorgung mit Kleidung. Die Stadt Welzheim hat unter dem Stichwort „Brand Hohe Tanne“ ein Spendenkonto eingerichtet. Auch die Bürgerstiftung Welzheimer Wald und der Hilfsfonds Otto Aichele für in Not geratene Familien beteiligen sich an der Aktion. Zusätzlich hat der älteste Sohn der Welzheimerin eine Spendenaktion auf der Plattform GoFundMe gestartet.

Am dringendsten benötigt die Familie jedoch eine größere Wohnung, in der die Mutter wieder mit ihren vier Kindern und ihrer pflegebedürftigen Mutter zusammenleben kann. „Man kann alles verlieren, von heute auf morgen“, sagt die 52-Jährige unter Tränen.

Wohnraum gesucht

Die Stadt Welzheim sucht für die Familie eine Unterkunft, möglichst in Welzheim, Alfdorf oder Kaisersbach. Hinweise auf verfügbaren Wohnraum oder andere Unterbringungsmöglichkeiten nimmt Uwe Lehar von der Stadtverwaltung unter der Telefonnummer 07182/8008-14 oder per E-Mail an lehar@welzheim.de entgegen.

Spendenkonten

Spenden sind unter dem Stichwort „Brand Hohe Tanne“ an die VR Bank Schwäbischer Wald, IBAN DE08 6139 1410 0080 6670 07, oder an die Kreissparkasse Waiblingen, IBAN DE37 6025 0010 0006 0003 96, möglich.