Erörterung in Backnang: Windpark Aspach: Kommune um Grundwasser besorgt

Etliche Plätze im Saal des Bürgerhauses Backnang blieben frei.
Chris LedererKein Sturm, aber doch Gegenwind. Beim Erörterungstermin am Montag im Backnanger Bürgerhaus (Rems-Murr-Kreis) blieb es ruhiger als von manchem erwartet. Die Atmosphäre blieb über weite Strecken sachlich. Doch die Kritik war deutlich – und zog sich durch nahezu alle Themenfelder.
Knapp 100 Menschen waren vor Ort, um sich zum geplanten Windpark zwischen Aspach und Oppenweiler zu äußern und Fragen zu stellen. Ihnen gegenüber saßen etwa 20 Fachleute – Vertreter des Landratsamts, der Projektgesellschaft Uhl Windkraft und Gutachter.
Standorte bei Jux nicht mehr in der Planung
Die neuen Windkraftanlagen sollen auf einem Höhenzug zwischen Aspach und Oppenweiler entstehen. Ursprünglich waren acht vorgesehen. Zwei Standorte in Richtung Spiegelberg-Jux (Standorte 5 und 6) wurden aus wirtschaftlichen Gründen kürzlich aus der Planung genommen. Sie hätten außerdem größere Eingriffe in den Wald bedeutet, erläuterte Matthias Pavel von der Projektgesellschaft Uhl Windkraft zu Beginn des Termins. Die sechs Anlagen sollen entlang bestehender Wege errichtet werden, um den Eingriff möglichst gering zu halten. „Wir haben verstanden – aus der Bevölkerung, aber auch aus den Gemeinden heraus –, dass das sehr skeptisch gesehen wurde“, sagte Pavel mit Blick auf die gestrichenen Standorte.
Geplant sind Windräder vom Typ Vestas V172 mit einer Gesamthöhe von rund 261 Metern und einer Nabenhöhe von etwa 175 Metern. Jede Anlage soll eine Leistung von 7,2 Megawatt erreichen. Insgesamt könnten so rund 84 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden – das entspricht nach Angaben des Projektierers dem Bedarf von etwa 24.000 Haushalten. Für den Bau der Anlagen sind insgesamt vier Hektar Fläche nötig, ein Ausgleich im Wald soll auf 6,5 Hektar erfolgen. „Wir müssen mehr ausgleichen, als wir in Anspruch nehmen“, sagte Pavel.
Ob der Windpark tatsächlich gebaut wird, ist noch offen. Insgesamt sind 244 Einwendungen beim Landratsamt in Waiblingen eingegangen, die in die Bewertung einfließen.
Im Verlauf des Termins im Bürgerhaus betonten Vertreter des Landratsamts mehrfach ihre Rolle als Genehmigungsbehörde. „Wir prüfen objektiv, neutral und gründlich“, sagte der Dezernent Simon Kistner. Die Genehmigung müsse so begründet sein, dass sie auch vor Gericht Bestand habe.
Deutliche Kritik aus Aspach
Neben einigen Bürgern äußerte auch Aspachs Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff, die eine Gefahr für Wasserquellen sieht, deutliche Kritik. Aus Sicht der Gemeinde liefern die Gutachten zu wenig belastbare Daten zum Grundwasser. Aspach lehnt den Bau der Windanlagen an diesem Standort ab. „Uns fehlen fundamentale Unterlagen – wir können das Risiko nicht einschätzen“, sagte Welte-Hauff. Und weiter: „Die Pläne, die uns vorliegen, sind dürftig. Auf dieser Grundlage kann man keine Entscheidung fällen.“ Die Gemeinde hat eine umfassende Stellungnahme eingereicht und fordert genauere Angaben etwa zu Klüften im Untergrund, zur Ausdehnung von Wasserleitern und zu den Fließrichtungen des Grundwassers.
Grundwasser im Mittelpunkt der Debatte
Das Thema Grund- und Trinkwasser prägte die Diskussion über weite Strecken. Gutachter erklärten, dass Wasser aus dem Bereich der geplanten Anlagen grundsätzlich zu nahegelegenen Quellen fließen könne. Entscheidend sei daher, Verunreinigungen zu verhindern.

Ist der Wespenbussard durch das Projekt gefährdet?
Foto: imago/imagebrokerGeplant sind hierfür laut der Projektierer ausreichende Rückhaltesysteme, permanente technische Überwachung der Anlage sowie ein Monitoring der Quellen. Zudem sollen während der Bauphase einzelne Quellen vorsorglich vorübergehend vom Netz genommen werden.
Demgegenüber steht eine deutliche Kritik an der Datengrundlage. Der von der Gemeinde beauftragte Geologe Thomas Ertel kritisierte, die Grundwasserströme seien nicht ausreichend untersucht worden. Er äußerte Zweifel an der Zahl der Messstellen und bemängelte, dass die Untersuchungen aus seiner Sicht nicht über einen ausreichend langen Zeitraum erfolgt seien.
Schadstoffe und Bauarbeiten bedrohen Grundwasser
Befürchtet werden darüber hinaus Risiken durch mögliche Schadstoffe wie Öl oder Kühlmittel, die ins Grundwasser gelangen könnten. Auch Eingriffe in den Boden durch Bauarbeiten und schwere Maschinen werden als Risiko gesehen.
Einwender stellten außerdem die fachliche Grundlage der Untersuchungen infrage. Sie bemängelten, dass die konkrete Bauweise der Fundamente noch nicht festgelegt sei, während die Auswirkungen bereits bewertet würden.
Die Projektseite verwies darauf, dass die konkrete Ausführung von den Bodenverhältnissen abhänge und entsprechend angepasst werde. Kritische Varianten sollten nicht eingesetzt werden. Dennoch blieb bei vielen der Eindruck, dass zentrale Fragen nicht abschließend geklärt sind.
Lärm: Berechnung trifft Skepsis
Auch beim Thema Lärm gingen die Einschätzungen auseinander. Einwender verwiesen auf mögliche Belastungen durch tief frequente Geräusche und auf Erfahrungen aus anderen Windparks. Von behördlicher Seite wurde betont, dass die Berechnungen nach den geltenden Vorgaben erfolgen. Zugleich wurde angekündigt, dass nach einer möglichen Inbetriebnahme der Anlagen Messungen durchgeführt werden sollen, um die Einhaltung der Grenzwerte zu überprüfen.
Artenschutz sorgt für zusätzliche Kritik
Mit dem Artenschutz kommt ein weiterer Konflikt hinzu. Einwender bemängelten, dass Lebensräume und Flugrouten geschützter Arten nicht ausreichend dargestellt seien. Auch die Nachvollziehbarkeit der Gutachten wurde infrage gestellt. Konkret geht es dabei unter anderem um den Wespenbussard sowie verschiedene Vogel- und Fledermausarten.
Die Gutachter verwiesen ihrerseits darauf, dass die Untersuchungen nach den geltenden fachlichen Standards durchgeführt worden seien und zusätzliche Maßnahmen vorgesehen sind.
Kritik gibt es auch am Ablauf selbst: Nach Angaben von Einwendern lagen zentrale Unterlagen erst kurz vor dem Termin vor oder waren noch unvollständig – etwa ein Konzept zum Schutz der Vögel. „Wie sollen wir uns zu einem Konzept äußern, das wir nicht kennen?“, sagte Rechtsanwalt Rico Faller. „Das macht die Erörterung an dieser Stelle schon ein bisschen zur Farce.“
Viel angesprochen, nicht alles geklärt
Nach mehr als sechs Stunden endete die Veranstaltung. Viele Punkte wurden angesprochen, längst nicht alle geklärt. Vertreter der Behörde kündigten allerdings an, offene Punkte weiter zu prüfen und in die Entscheidung einfließen zulassen.
Der Konflikt um den Windpark reicht über einzelne Fachfragen hinaus. Während die Behörden strikt nach gesetzlichen Vorgaben prüfen, bleiben bei vielen Einwendern Zweifel, ob diese die tatsächlichen Auswirkungen ausreichend abbilden.
Die Entscheidung über den Windpark wird im Mai erwartet – und damit auch die Frage, ob und unter welchen Auflagen das Projekt genehmigt wird.
