Einkaufen in Waiblingen
: Unverpackt-Laden in Waiblingen: „Das ist die heiße Phase unseres Kampfes“

Hopp oder top: Beim Waiblinger Unverpackt-Laden B:ohne geht es ums Ganze. Ende November fällt die Entscheidung über die Zukunft des Geschäfts.
Von
Annette Clauß
Rems Murr Kreis
Jetzt in der App anhören

Gundula Harms engagiert sich im Unverpackt-Laden – und füllt beispielsweise die Ware nach.

Julian Rettig

Haferflocken und der pikante Freiburger Nußmix sind die absoluten Verkaufsschlager, aber längst nicht das einzige, was der Waiblinger Unverpackt-Laden B:ohne (Rems-Murr-Kreis) beim Alten Postplatz zum Abfüllen bereit hält. Lebensmittel aller Art, Getränke, Drogerieartikel, Putzmittel – all das halten Martina Mohr und Uta Grasmannsdorf, die Gründerinnen des kleinen feinen Ladens, in großen Behältern für ihre Kundschaft vorrätig. Plastik und Einmalverpackungen gibt es nicht, und das soll auch so bleiben.

Deshalb haben engagierte Kundinnen und Kunden des Ladens in den vergangenen Monaten ein Konzept erarbeitet, um das Überleben der B:ohne zu sichern. Denn anders als viele andere Geschäfte dieser Art, beispielsweise die Unverpackt-Läden in Backnang und Winnenden, hat der Waiblinger Unverpackt-Laden zwar die schwere Krise überstanden, welche die Inflation und die gestiegenen Lebenshaltungskosten ausgelöst haben. Doch so richtig gut geht es ihm nicht.

„Uta und Martina haben fünf Jahre durchgehalten und sehr viel geleistet. Wir können sie einfach nicht im Regen stehen lassen“, sagt Thomas Jüttemann. Er kauft regelmäßig im Laden ein und gehört zu denjenigen, die seit gut anderthalb Jahren an einem tragfähigen Zukunftskonzept für die B:ohne arbeiten. Viel Zeit und Hirnschmalz hat die engagierte Truppe investiert. Das Ergebnis: Eine Genossenschaft soll den beiden Gründerinnen ihr Geschäft abkaufen und von 1. Januar 2026 an betreiben. Martina Mohr wäre weiterhin im Laden tätig, aber als Angestellte. Uta Grasmannsdorf hatte schon vor längerer Zeit angekündigt, ihr Engagement zurückfahren und sich auf ihren anderen Job und ihre Familie konzentrieren zu wollen.

Kampf für den Erhalt des Unverpackt-Ladens

Gundula Harms, Thomas Jüttemann und Edith Eckert kämpfen für den Erhalt des Unverpackt-Ladens in Waiblingen.

Foto: Julian Rettig

Derzeit ist die „Bürgergenossenschaft Unverpacktladen Waiblingen“ zwar gegründet, aber noch nicht ins Genossenschaftsregister eingetragen. 140 Menschen wollen sich bisher daran beteiligen. Von den Anteilen, die jeweils 100 Euro kosten, sind laut Thomas Jüttemann 44 Prozent gezeichnet. Da bleibt noch Luft nach oben. „100 Prozent sind das Ziel, das angedacht ist“, sagt Thomas Jüttemann. Lebensfähig sei der Laden zwar bereits, der Umsatz liege aber derzeit bei etwa der Hälfte jener Summe, die gesund wäre. „Wir brauchen etwa zehn Prozent mehr Umsatz, damit wir den Laden mit Sicherheit weiterbetreiben können“, sagt Edith Eckert, die mehrmals die Woche aus dem Raum Backnang nach Waiblingen kommt, um den Laden zu unterstützen, denn: „Ich will unbedingt, dass er bleibt.“ Jetzt sei „die heiße Phase unseres Kampfes“.

Erweitertes Angebot im Unverpackt-Laden Waiblingen

Zusammen mit Claudia Kutzler und Markus Bellgardt bildet sie den dreiköpfigen Aufsichtsrat der Genossenschaft. Gundula Harms und Eckart Rossmann sind die beiden Vorstände, die sich voraussichtlich um das tägliche Geschäft im Laden kümmern, etwa was und wie viel bestellt werden muss. Das Angebot im Laden wird weiter ausgebaut – zum Beispiel gibt es nun auch Käse.

Martina Mohr sagt, die vergangenen Monate seien ein „Wechselbad der Gefühle“ gewesen. Das Hoffen und Bangen zehrt an den Kräften. Gleichzeitig gibt die Unterstützung der ehrenamtlich tätigen Genossinnen und Genossen im Laden Auftrieb. „Die Leute unterstützen mich so toll. Heute morgen war schon jemand da und hatte gespült bis ich kam.“

Am 12. und 13. November haben Interessierte die Möglichkeit, bei unverbindlichen Infoabenden mehr über die Genossenschaft zu erfahren. Am 28. November wird es dann ernst: Dann entscheiden die Mitglieder, ob die Bürgergenossenschaft Unverpacktladen Waiblingen tatsächlich an den Start geht und den Laden mitsamt seinem Inhalt zu Jahresbeginn 2026 übernimmt. „Wenn die Mitglieder nicht zustimmen, dann wickelt sich die Genossenschaft bis zum 31. Dezember ab und der Laden auch“, sagt Gundula Harms. Die Treffen finden im Jakob-Andreä-Haus in der Alte Rommelshauser Straße 22 in Waiblingen statt, Beginn der Infoabende ist um 20 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr. Die Generalversammlung startet bereits um 19 Uhr.