Drohendes Aus von Bosch Waiblingen
: „Für mich wie eine zweite Heimat“: Stimmen von der Bosch-Demo in Waiblingen

Hunderte Beschäftigte demonstrierten am Montag in Waiblingen gegen die drohende Werksschließung. Ihre emotionalen Appelle zeigen tiefe Verbundenheit zum Unternehmen.
Von
Phillip Weingand
Rems Murr Kreis

Trotz düsterer Aussichten: Die Waiblinger Boschler geben sich kämpferisch – und erfahren Zuspruch im ganzen Land.

Gottfried Stoppel

Pyrotechnik, laute Musik und Lautsprecherdurchsagen: Mit Slogans wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns das Boschwerk klaut“ oder „Stoppt die Job-Killer“ ist am Montag ein fahnenschwenkender Tross durch Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) gezogen. Das drohende Aus des örtlichen Bosch-Standorts hat mindestens 800 Menschen mobilisiert – direkt Betroffene, aber auch Angehörige anderer Metallbetriebe, Gewerkschaften und Vereine machten ihrem Unmut Luft.

Ihr Ziel: Das Waiblinger Bosch-Werk, wo auch die finale Kundgebung stattfand. In Waiblingen bangen 560 Menschen um ihren Job. Hinter dieser Zahl stecken 560 menschliche Schicksale – und damit verbunden auch die von Familienangehörigen. Wir haben uns am Rand der Demonstration mit Waiblinger Boschlern unterhalten.

„Like a Bosch“: Waiblinger wollen für ihre Jobs kämpfen

Unter den Demonstrierenden ist beispielsweise Timur Tas. „Like a Bosch“, steht auf der Basecap des Sondermaschinenbauers, auf seiner Jacke prangt das Logo seines Arbeitgebers. Er wolle „Flagge zeigen“, sagt er. Vom Waiblinger Boschwerk hingen sehr viele Existenzen ab. „Das sind so viele Leute, die seit vielen Jahren hier arbeiten, und so geht man mit diesen Menschen einfach nicht um“, sagt er.

Für die Zukunft wünsche er sich, dass ein Kompromiss gefunden wird. „Es muss doch einen Weg geben, bei dem alle an einem Strang ziehen und künftige Generationen weiter die Fahne oben halten.“ Früher und auch jetzt noch, sagt Tas, sei allein der Name Bosch schon viel wert gewesen. „Man hat sich identifiziert damit, hat stolz gesagt, ich bin ein Boschler. Ich würde mir wünschen, das auch zukünftig sagen zu können“, meint der Waiblinger.

Altgediente Boschler und Nachwuchskräfte demonstrieren gemeinsam

An der Demonstration nahmen rund 800 Menschen teil.

Foto: Gottfried Stoppel

Ein Boschler der alten Schule ist auch Oliver Burgdorff. Er erinnert sich: „Im Jahr 1988 habe ich hier als Lehrling angefangen, seitdem bin ich hier, seit siebenunddreißigeinhalb Jahren.“ Doch jetzt kämpft auch er um seinen Job in der Instandsetzung: „Ich arbeite extrem gern in der Firma, für mich ist sie wie eine zweite Heimat. Und dann heißt es, du sollst rausgeschmissen werden – und dann ist dein Leben vorbei?“

Damit wolle er sich nicht abfinden, sagt Burgdorff. „Ich will mein Möglichstes tun, um den Standort zu erhalten und bin bin extrem stolz auf das, was hier heute passiert und was hier an Leuten gekommen ist. Der absolute Hammer“, meint er mit Blick auf den Demonstrationszug.

Auch die junge Generation bei Bosch Waiblingen bangt um ihre Zukunft

Nicht nur altgediente Boschler protestieren gegen die Kahlschlag-Pläne – auch viele junge Gesichter sind zu sehen. Zum Beispiel das von Efekan Yasar, 22 Jahre jung. „Wir wollen weiterarbeiten – auch wir jungen Menschen verdienen die Chance, hier unser Geld zu verdienen. Dafür kämpfen wir heute“, sagt er.

Kompromisse eingehen, das werde wohl nötig sein: „Ich würde mir aber wünschen, dass uns eine sozialverträgliche Lösung angeboten und das Werk nicht komplett dichtgemacht wird“, sagt er. „Man kann immer noch mit Stellenstreichungen arbeiten, aber das Werk ganz zu schließen, darin sehe ich keinen Sinn.“

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